Nordwestbahnhof - Städtebauliche Leitidee: Statements zum Wettbewerb

DI Rudi Schicker, Amtsführender Stadtrat für Stadtentwicklung und Verkehr

Stadtrat Rudi Schicker

Wien wächst. Deshalb brauchen wir zusätzliche, qualitativ hochwertige Wohnungen, Schulen, Kindergärten und Dienstleistungseinrichtungen mit möglichst guter Verkehrsanbindung. Hier kommt uns sehr entgegen, dass einige innerstädtische Bahnhöfe nicht mehr benötigt werden. Sie können zu attraktiven Stadtteilen in guter zentraler Lage entwickelt werden.

Um optimale Lösungen für die künftige Nutzung dieser alten Bahnhofsareale zu finden, hat die Stadt Wien in Kooperation mit den ÖBB Masterpläne und Leitbilder erarbeitet. Für den Nordwestbahnhof liegt nun ein solches Leitbild vor. Das rund 44 Hektar große Nordwestbahnhofgelände in der Brigittenau eignet sich aus mehreren Gründen besonders gut als städtebauliches Entwicklungsgebiet. Neben seiner zentralen Lage sind dies die Nähe zum Augarten sowie die gute Erschließung im öffentlichen Verkehr, die künftig durch neue Straßenbahnlinien weiter verbessert werden soll. Besonders erfreulich für die Brigittenauerinnen und Brigittenauer, die in der Umgebung des Nordwestbahnhofes leben: Zahlreiche Wege werden die seit über hundert Jahren bestehende Barriere zwischen dem westlichen und östlichen Teil des 20. Bezirks beseitigen.

Das städtebauliche Leitbild für den Nordwestbahnhof entstand zwischen 2005 und 2008 in einem intensiven Planungsprozess, an dem auch Bürgerinnen und Bürger sehr konstruktiv mitgearbeitet haben. Ein städtebaulicher Wettbewerb lieferte die Ideen für den neuen Stadtteil. Der Entwurf der jungen Schweizer Architekten enf zeichnet sich unter anderem durch eine Grüne Mitte aus, die dem neuen Stadtteil hohe Qualität und ein unverwechselbares Bild verleiht.

Voraussetzung für die Errichtung neuer Wohnungen und Büros um einen großzügigen Park ist ein Ausbau des ÖBB-Terminals Inzersdorf und des Hafens Freudenau. Denn dann kann der derzeit noch am Nordwestbahnhof abgewickelte Güterverkehr zu diesen modernen Logistikzentren verlagert werden. Die Realisierung des vorgesehenen neuen Stadtviertels wird sich auch aufgrund seiner Größe voraussichtlich über mehr als ein Jahrzehnt erstrecken. Die auf dem Leitbild aufbauenden künftigen Planungen müssen sein Grundkonzept bewahren und zugleich für geänderte Rahmenbedingungen offen sein. Ein sich über den gesamten Entwicklungszeitraum erstreckendes Gebietsmanagement könnte dieser Herausforderung erfolgreich begegnen.

Hannes Derfler, Bezirksvorsteher für den 20. Bezirk

Bezirksvorsteher Hannes Derfler

Das Gelände des Nordwestbahnhofs bildet die letzte, großflächige und vor allem städtebaulich bedeutende Flächenreserve der Brigittenau. Vor allem aber bietet sich hier die historisch einmalige Chance, die beiden durch die Bahnanlagen getrennten Bezirkshälften durch eine städtebaulich hochwertige Neunutzung miteinander zu verweben und zu verbinden.

Mit dem städtebaulichen Leitbild wurde nun die Basis für die Neunutzung des heutigen Bahnhofareals gelegt. Auch wenn es sich hier um einen erst mittel- bis langfristigen Realisierungshorizont handelt, ist eine planerische Auseinandersetzung mit dem Thema bereits heute mehr als sinnvoll und notwendig. Wir sind als Bezirk mit dem Ergebnis des städtebaulichen Leitbildes und des vorangegangenen Wettbewerbs sehr zufrieden. Das siegreiche schweizerische Planungsteam hat bereits beim Wettbewerb durch einen rundum überzeugenden Entwurf für eine städtebauliche Leitidee die Vorfreude auf eine Neunutzung dieses hochwertigen innerstädtischen Areals geweckt. Mit dem preisgekrönten Entwurf, der einerseits die neuen Nutzungen und Strukturen so sensibel in die bestehende Stadt einpasst und andererseits in der Maßstäblichkeit an die Bedürfnisse der Menschen anpasst, kann die Zielsetzung, ein markantes, positives und unverwechselbares Image für diesen neuen Bezirksteil zu schaffen, sicherlich erreicht werden.

Der bisherige Planungsprozess unter der Federführung der MA 21 A, beginnend bei der Festlegung der Rahmenbedingungen und Vorgaben für den Wettbewerb, der Wettbewerb selbst sowie der nachfolgende Prozess der Erarbeitung eines städtebaulichen Leitbildes war von einer unglaublich positiven, harmonischen und vor allem kreativen Stimmung geprägt. Diese Euphorie war bei allen Beteiligten zu spüren, egal ob MitarbeiterIn in den Planungsdienststellen, externe(r) Experte/Expertin oder politische(r) EntscheidungsträgerIn. Der einzige Wermutstropfen dabei war wohl der Umstand, dass wir uns mit der Umsetzung noch einige Jahre gedulden müssen.

DI Claus Stadler, ÖBB Immobilien

Claus Stadler

Wien ist eine wachsende Stadt, die neue Entwicklungsflächen braucht. Die ÖBB wollen zur Zukunft Wiens beitragen und entwickeln gemeinsam mit der Stadt Wien diese innerstädtischen Areale. Ein solches Gebiet ist der Güterterminal Nordwestbahnhof, der mittelfristig Platz machen wird für ein modernes Stadtviertel. Wo heute die Güterzüge der ÖBB verkehren, sorgen in einigen Jahren Wohnungen, Büros, Schulen und vor allem große Grünflächen für mehr Lebensqualität in der Stadt.

Am Areal des Nordwestbahnhofs läuft eines der spannendsten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Die Ergebnisse des Ideenwettbewerbes zeigen, welches Potenzial dieser neue städtische Raum hat. Und sie spiegeln die Anregungen und Wünsche der künftigen Bewohner wider. In einem beispielhaften Bürgerbeteiligungsprozess kann sich die Bevölkerung laufend einbringen und den Stadtteil von Anfang an mitgestalten. Wir bei den ÖBB sind stolz, Teil dieses großen und zukunftsweisenden Projekts zu sein!


Bertram Ernst, enf architekten zürich

Bertram Ernst mit Modell des Projekts Nordwestbahnhof

Als wir im Rahmen des Startworkshops das Areal des Nordwestbahnhofs zum ersten Mal besuchten, waren wir schon viele Male in Wien. Uns fasziniert Wien in seiner Mischung von Größe und Beschaulichkeit, von Anonymität und Herzlichkeit, von Modernität und Tradition. Deshalb haben wir uns umso mehr über unsere Einladung zum Wettbewerb und natürlich über unseren Erfolg als "Ausländische NoNames" unter vielen renommierten Planungsbüros gefreut ... Wir haben das Areal besichtigt, intensiv die umgebenden Quartiere, Bauten, Straßen, Außenräume untersucht, mit Leuten auf der Straße geredet und sind zum Schluss gekommen, dass die wichtigste städtebauliche Aufgabe des Areals am Nordwestbahnhof diejenige des Verbindens ist. Des Verbindens zwischen Quartieren, zwischen Außenräumen, zum Augarten, zum Nordbahnhof, zur Brigittenau, zur Leopoldstadt, zur Donau. Das Verbinden dieser unterschiedlichsten Seiten und Ansprüche geschieht über eine klare städtebauliche Setzung: das Heranführen aller Ränder des Nordwestbahnhofs an eine neue grüne Mitte - als Arbeitstitel in unserer Arbeit nannten wir sie den Nordwestbahnpark.

Wir haben dazu ein planerisches Gerüst mit wenigen - dafür präzisen - Setzungen erarbeitet, welche wir in kurze Hauptsätze mit jeweils einer Kernaussage zu fassen versucht haben. Diese Sätze sind im nun vorliegenden Bericht genauer erläutert.

  • Urbanität entsteht durch Mischung.
  • Offene Strukturen ermöglichen Koexistenz.
  • Vielfalt ermöglicht Eigenständigkeit.
  • Eine grüne Mitte (be-)zeichnet das Areal.
  • Urbane Mobilität schafft räumliche Qualität.
  • Identität wächst durch Entwicklung.
  • Regeln schaffen Flexibilität.
  • Städtebauliche Qualität erzeugt Mehrwert.
  • Nachhaltigkeit ist eine Selbstverständlichkeit.

Am Tag nach dem Startworkshop und Besichtigung des Areals haben wir im Architekturmuseum des MQ die Ausstellungen besucht und an der Kasse Souvenirfeuerzeuge erstanden. Auf den Feuerzeugen stand ein Satz von Coop Himmelb(l)au: Architektur muss brennen. Wir haben über diesen Satz nachgedacht, ihn setzen lassen und ihm schlussendlich unseren Satz zum Nordwestbahnhof gegenübergestellt: .Stadt muss leben. Dieser Satz scheint auf den ersten Blick banal, eine Selbstverständlichkeit. Für die Planung des Nordwestbahnhofs ist er jedoch von Bedeutung. Für uns bedeutet .Stadt muss leben. für den Nordwestbahnhof, ein Stadtquartier zu planen, welches in allen Bereichen und Facetten des städtischen Alltags ein gutes Leben ermöglicht. Deswegen gehen wir guten Mutes in die weiteren Planungsschritte und sind sicher, dass sich das Areal Nordwestbahnhof zu einem lebendigen Stadtquartier Nordwestbahnhof entwickeln wird - mitten in Wien, offen für alle, voller Lebensqualität und Lebensfreude.

Ansprechpartner

DI Gregor Puscher

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Stadtentwicklung Wien
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