Von der Dampftramway zur Lokalbahnstrecke - Erlebnisradweg Dampfross und Drahtesel

Vom Stadtzentrum nach Auersthal

Dampftramwayzug mit Lok 20 im Bahnhof Pillichsdorf 1903, Ansichtskartenausschnitt

Die Firma Krauss&Co DTKC eröffnete am 7. Juni 1886 ihre Dampftramwaylinie in das selbstständige und noch ländlich geprägte Stammersdorf. Von ihrem Ausgangspunkt, dem Wiener Stadtzentrum (Salztorbrücke) fuhr sie eingleisig durch die teils noch unbesiedelte Brigittenau. Sie querte die Donau bei der heutigen Floridsdorfer Brücke und erreichte im Zuge der Brünner Straße Stammersdorf. Befahren wurde die Strecke von verkleideten Dampftramwayloks. Sie zogen bis zu fünf zweiachsige, grün lackierte Personenwaggons. Aufgrund einer Konzession der Niederösterreichischen Landesbahn konnte am 26. April 1903 die rund 21 Kilometer lange Streckenverlängerung nach Auersthal in Betrieb genommen werden. Den Betrieb besorgte die Dampftramway mit ihren Fahrbetriebsmitteln. So erschloss die Dampftramway auch die Gemeinden des nördlichen Marchfelds mit vorerst fünf direkt vom Wiener Stadtzentrum ausgehenden Zugpaaren.

Stammersdorfer Lokalbahn

Schwarz-Weiß-Foto einer Lokomotive im Bahnhof Stammersdorf

Erst als am 30. Dezember 1911 der Fahrdraht die ehemalige Dampftramwaystrecke bis Stammersdorf überspannte, trennten sich die "Gleise der Bahnlinie". Der stadteinwärtige Teil wurde zur Straßenbahn und durch die Stadt Wien betrieben. Der stadtauswärtige Teil wurde zur Lokalbahn.

Sie wurde ab 1913 durch die Niederösterreichische Landesbahn (ab 1922 ÖBB) betrieben. In Stammersdorf entstand dafür ein neuer Endbahnhof samt dem markanten Heizhaus an der Kummergasse. Zu Beginn der 1920er-Jahre verstaatlicht, sollten in weiterer Folge neue Triebwagen und Dampflokomotiven einen rationelleren Nebenbahnbetrieb ermöglichen.

Die Fahrgastzahlen auf der "Stammersdorfer Lokalbahn", wie die Bahnlinie allgemein genannt wurde, sanken nach dem Zweiten Weltkrieg dramatisch ab. Die Gründe waren:


  • Abseitig gelegene Bahnhöfe im Abschnitt zwischen Stammersdorf und Großebersdorf
  • Umsteigezwang in Stammersdorf in die Straßenbahnlinie 331
  • Konkurrenz von Automobil und Autobus
Dieseltriebwagen 5047.049 am heutigen Streckenende Haltestelle Obersdorf, im Hintergrund Pillichsdorf, 2007

Auch der Einsatz von Dieseltriebwagen konnte daran nichts ändern. Zuletzt verkehrten werktags nur mehr vier Zugpaare. Am 28. Mai 1988 fuhr im Abschnitt Stammersdorf-Obersdorf der letzte Zug. Der Abschnitt Obersdorf-Niedernsulz der früheren Stammersdorfer Lokalbahn besteht noch heute und wird als moderne ÖBB-Regionalbahn betrieben.


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DI Walter Sturm

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