Die Wiener Flaktürme
Untersuchung zur Klärung der Nutzungsmöglichkeiten
Am 9. September 1942 wurde der Bau von Flaktürmen zum Schutz des Wiener Stadtgebietes von den damaligen Machthabern festgelegt. Architekt aller Flaktürme - auch jener in Deutschland - war der Stadtplaner und Brückenbauer Friedrich Tamms (1904 - 1980). In Wien wurden - nach Berlin und Hamburg - die Flaktürme im Zeitraum Winter 1942 bis Herbst 1944 unter Bauaufsicht des Wiener Stadtbauamtes errichtet.
![]() Wien 2, Augarten Lageplan (91 KB-JPG) Grundkarte © MA 14, MA 41 |
![]() Wien 3, Arenbergpark Lageplan (96 KB-JPG) Grundkarte © MA 14, MA 41 |
![]() Wien 6, Esterhazypark Lageplan (90 KB-JPG) Grundkarte © MA 14, MA 41 |
Zum Zeitpunkt der Fertigstellung der Wiener Türme war ihr militärischer Wert bereits fraglich, da die mittlerweile hochfliegenden Bomberflotten mit der Flak kaum mehr erreichbar waren. Um so mehr trat ihre Funktion als Luftschutzbauten - "Überlebensinseln" mit autarker Strom- und Trinkwasserversorgung, Klimaanlage etc. - für tausende Wiener in den Vordergrund.
![]() Wien 2, Augarten Luftbild (97 KB-JPG) © media wien |
![]() Wien 3, Arenbergpark Luftbild (89 KB-JPG) © media wien |
![]() Wien 6, Esterhazypark Luftbild (94 KB-JPG) © media wien |
Die Wiener Flaktürme sind als einzige in ihrer eindrucksvollen Formensprache unverändert erhalten geblieben; - die Berliner Türme wurden nach dem Krieg gesprengt, jene in Hamburg sind sehr stark verändert worden. Die im Stadtbild immer noch präsenten Bauten haben seit 1945 als "Zeitzeugen" eine wichtige emotionale Dimension hinzugewonnen: "... sie sind in der Zwischenzeit zu den wohl am besten "funktionierenden" - und dies ohne bemühte semantische Verschlüsselung - Anti-Kriegs-Mahnmälern der Stadt geworden..." (Architektur Wien / 500 Bauten; Hrsg. MA18, MA19, Architektur Zentrum Wien; 1997).
Die seit 1945 immer wiederkehrende Diskussion, wie mit den Flaktürmen umzugehen sei, was mit ihnen geschehen soll oder kann, wurde im heurigen Jahr erstmals im Internet auf einer breiten Basis abgewickelt und fand auch entsprechendes Medienecho.
![]() Gefechtsturm Augarten Foto (43 KB-JPG) © Arch.Büro Bernstein-Pieler |
![]() Gefechtsturm Arnbergpark Foto (50 KB-JPG) © Arch.Büro Bernstein-Pieler |
![]() Gefechtsturm Stiftskaserne Foto (44 KB-JPG) © Arch.Büro Bernstein-Pieler |
![]() Leitturm Augarten Foto (52 KB-JPG) © Arch.Büro Bernstein-Pieler |
![]() Leitturm Arnbergpark Foto (46 KB-JPG) © Arch.Büro Bernstein-Pieler |
![]() Leitturm Esterhazypark Foto (53 KB-JPG) © Arch.Büro Bernstein-Pieler |
Die Magistratsabteilung 18 gab begleitend dazu eine Arbeit in Auftrag, die das aktuelle Meinungsspektrum und die unterschiedlichen Nutzungsvorschläge zu dokumentieren und die Vereinbarkeit mit den baulichen und rechtlichen Gegebenheiten der Türme, wie auch mit deren historisch/emotionalem Hintergrund zu untersuchen hatte. Vom ursprünglich vorgesehenen Bearbeitungskonzept, die Türme in der Bestandsdarstellung und -beschreibung eher gesamtheitlich zu behandeln, wurde nach intensivem Quellenstudium und der Auffindung spezieller Plan- und Schriftdokumente abgegangen. Es wurde daher für jeden der sechs Flaktürme eine eigene Dokumentation zusammengestellt, um das jeweilige Quellenmaterial - inklusive dem vorhandenen Planbestand und den bisherigen Nutzungskonzepten - immer zur Hand zu haben.
Der Hauptteil der Arbeit befasst sich vorwiegend mit der sachbereichsweisen Darlegung der Untersuchungsergebnisse und einer Zusammenschau der Nutzungsvorschläge und aktuellen Meinungen aus der Bevölkerung, von Bezirkspolitikern und Persönlichkeiten des Kulturlebens.
Abschließend wird der Versuch unternommen, einen Kriterienkatalog für den künftigen Umgang mit den Flaktürmen aufzustellen und jene Nutzungen aus dem "Meinungspool" herauszufiltern bzw. zu erarbeiten, die demgemäss akzeptable und auch realisierbare Vorschläge darstellen.
Wie zuvor schon erwähnt stellen die Wiener Flaktürme in zeitgeschichtlicher, architektonisch-semantischer und emotionaler Hinsicht eine Besonderheit dar, die mit zunehmender zeitlicher Distanz immer mehr an Bedeutung gewinnt. Um diese Besonderheit der einzelnen Objekte, wie auch jene des Gesamtsystems im Stadtkörper ("Stadtmauer des 20. Jahrhunderts") zu bewahren, ist es angebracht bei Nutzungskonzeptionen und eventuellen baulichen Maßnahmen sehr bedacht vorzugehen.
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Die Studie Wiener Flaktürme ist auch in der Schriftenreihe der Wiener Stadtentwicklung als "Werkstattbericht Nr. 53" erschienen.
Sie können diesen Werkstattbericht zum Preis von EUR 4,36 bei der MA 18 auf Rechnung bestellen oder während der Öffnungszeiten in der Wiener Planungswerkstatt einsehen und käuflich erwerben. |
Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Karl Glotter, MA 18
E-Mail: glo@m18.magwien.gv.at
Telefon: (01) 4000-88881
Telefax: (01) 4000-99-88881
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