Evaluierung Christian-Broda-Platz

Ob die Gestaltung des öffentlichen Raums und seiner Straßen und Plätze funktioniert, zeigt sich darin, wie er von den Menschen genutzt und angenommen wird. Dementsprechend sieht das Wiener Leitbild für den öffentlichen Raum systematische Evaluierungen - Analyse und Bewertung - als wichtigen Bestandteil einer qualitätsvollen Planung vor.

Im Planungsbereich der Stadt Wien stellen Evaluierungen methodisches Neuland dar. Als Pilotprojekt wurde von der Abteilung Architektur und Stadtgestaltung (MA 19) eine umfassende Evaluierung erarbeitet, die sich der Entstehungsgeschichte und Nutzung des Christian-Broda-Platzes im 6. Bezirk widmet.

Neugestaltung

Der Christian-Broda-Platz - ehemals Mariahilfer Platzl genannt - liegt im dicht verbauten Gebiet, in unmittelbarer Nähe zum Westbahnhof und der größten Einkaufsstraße Wiens, der Mariahilfer Straße. Seine jetzige Gestaltung erfolgte nach einem langen, durch mehrere Brüche gekennzeichneten Planungsprozess. Grundlagen für die Neugestaltung im Jahr 2007 lieferten ein partizipatives Verfahren und ein darauf folgender Gestaltungswettbewerb. Es entstand ein nutzungsoffener Platz mit auffälligem, durch rote Stelen und Betonsitzelemente gekennzeichneten Erscheinungsbild.

Christian-Broda-Platz aus der Vogelperspektive, asphaltierter Platz mit roten Stelen, links von Häusern, rechts von einer Straße eingefasst

Christian-Broda-Platz von oben

Christian-Broda-Platz aus der Fußgängerperspektive mit den markanten roten Stelen und runden Sitzelementen aus Beton

Platz zum Durchgehen und für Aufenthalte


Analyse und Evaluierung der Umgestaltung

Der Planungsprozess, die Projektinhalte und die Veränderungen in den einzelnen Projektphasen wurden in einer Kontext- und Zielevaluierung analysiert. Zusätzlich wurde im Herbst 2010 eine Evaluierung der Nutzung des umgestalteten Platzes vorgenommen. Der Fokus lag dabei auf den räumlichen Aspekten des Platzes und seiner Umgebung ("räumliche Betrachtungsebenen") sowie auf den Wünschen und Bedürfnissen, die an den Platz gerichtet wurden ("Ansprüche an den öffentlichen Raum").

Das interdisziplinär zusammengesetzte Evaluierungsteam mit Kompetenzen in den Fachbereichen Architektur, Raumplanung, Landschaftsplanung und Sozialforschung bestand aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der MA 19 sowie aus externen Auftragnehmerinnen und Auftragnehmern (Büro für Landschaftsplanung tilia und Kompetenzzentrum für soziale Arbeit, FH-Campus Wien).

Aufenthaltsqualität und Alltagstauglichkeit

Die Entstehungsgeschichte des Platzes zeigt das Spannungsfeld zwischen lokaler und übergeordneter Bedeutung eines Stadtraums. Der Christian-Broda-Platz hat vielen Anforderungen zu entsprechen: Er soll eine hohe Frequenz an durchgehenden Menschen bewältigen und gleichzeitig für die Bevölkerung Aufenthaltsqualitäten bieten. Wesentlich für das Funktionieren des Platzes ist also seine Offenheit und vielseitige Nutzbarkeit, die der Transitfunktion, aber auch einer Reihe von eher "beiläufigen" Nutzungen, die mit kurzem Aufenthalt verbunden sind, gerecht werden.

Mehrere Menschen sitzen auf den unterschiedlichen Sitzelementen am Platz

Verweilen am Christian-Broda-Platz

Die Plandarstellung zeigt die im Zuge der Evaluierung erhobenen Hauptgehrelationen über den Platz

Erhobene Hauptgehrelationen
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Textvariante: 5 KB RTF


Ein wichtiger Aspekt, der sich seit Beginn des partizipativen Verfahrens durchgezogen hat, ist der hohe Stellenwert der Alltagstauglichkeit. Vor allem die Sitzgelegenheiten, die Bäume und die Spielgeräte werden von den Nutzenden durchwegs positiv gesehen. Der Christian-Broda-Platz ist ein wichtiger, öffentlicher Rückzugsraum in einer stark konsumorientierten Umgebung. Zwar wurde seine Gestaltung mit den markanten roten Stelen intensiv und kontroversiell diskutiert, insgesamt erscheint jedoch das im Wettbewerb gesetzte Ziel, einen Treffpunkt für viele unterschiedliche Nutzende zu schaffen, verwirklicht.

Publikationen

Das Evaluierungsteam formulierte auch Erkenntnisse und Empfehlungen für Planungsprozesse und Evaluierungen anderer öffentlicher Räume. Diese können ebenso wie der Bericht zum Evaluierungsprojekt im Werkstattbericht Nummer 113 nachgelesen werden. Sie können die Publikation im Webshop bestellen. Vorher ist eine Registrierung auf wien.at erforderlich.

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Architektur und Stadtgestaltung (Magistratsabteilung 19)
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