Operatives Management in der Praxis: Erläuterungen und Empfehlungen
Ziele
Aus organisatorischer Sicht sind bei der Schaffung von Einrichtungen zur Psychosozialen Akutbetreuung in Notfallsituationen vorab die Indikationen, die Zielgruppen, an die sich das Angebot richtet und die Schwellwerte für die Einberufung zu definieren. In der Folge sind Fragen wie Alarmschema, Einsatzschema, Ausstattung, Einfügen in den Gesamteinsatz, Nachsorge, Einsatzaufarbeitung, u. a. zu klären und zu entscheiden.
Aus organisatorischer Sicht erscheint die Implementierung der Alarmierung der Teams in eine bestehende Rettungsorganisation sinnvoll. Bei dieser Organisation kann auch Vorsorge für die Ausrüstung der eingesetzten Teammitglieder bzw. das für den Einsatz notwendige Betreuungsmaterial getroffen werden insbesondere auch im Hinblick auf die Zuführung zum Einsatzort.
Anforderungen an den Ablauf
Der Einsatz Psychosozialer Akutbetreuungsteams wird in der Regel indiziert sein, wenn auf Grund von Unfällen, Großschadensereignissen oder Katastrophen akute Stressreaktionen von Opfern, Verwandten und den Opfern sonst nahestehenden Personen oder sonst von dem Ereignis beeindruckten sowie auch bei den eingesetzten Einsatzkräften akute Stressreaktionen zu erwarten bzw. schon eingetreten sind. Weitere Indikationen stellen die Vorbeugung posttraumatischer Belastungsreaktionen bei dem vorgenannten Personenkreis bzw. auch die Verhinderung von möglichen Panikausbrüchen dar.
Als Schwellwert für den Einsatz der Psychosozialen Akutbetreuer/innen könnte gegebenenfalls eine Festlegung des Begriffes "Großschadensereignis" herangezogen werden, wobei aber auch in der Praxis zur Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft der Psychosozialen Akutbetreuung und zur Gewinnung von Erfahrungswerten für die Betreuer/innen grundsätzlich jedes Ereignis zu einem Einsatz führen kann, bei dem eine der Indikationen erreicht ist und zumindest mehrere Betroffene vorhanden sind.
Es ist darauf zu achten, dass die Funktion und die Aufgaben der Teams den bestehenden Einsatzorganisationen in ausreichendem Umfang vermittelt werden und auf Akzeptanz stoßen. Es ist darauf hinzuarbeiten, dass die Teams als eigenberechtigte organisatorische Arbeitseinheit und damit spezifischer Teil einer Einsatzorganisation oder überhaupt als zugeschaltete eigene Organisation vorgesehen werden.
Die Kommunikation zwischen den Teams der Psychosozialen Akutbetreuung und den anderen eingesetzten Organisationen im Einsatzgeschehen erfolgt über die/den Teamleiter/in mit der/dem Einsatzleiter/in der eingesetzten Rettungskräfte bzw. mit der/dem Gesamteinsatzleiter/in.
Bei der Indienststellung von Akutbetreuungsteams ist darauf zu achten, dass im Hintergrund eine Organisation zur Sicherstellung der Nachsorge (Nachbetreuung) für die Betreuten gegeben ist. Die Schnittstellen zwischen Akutbetreuung und Nachsorge sind klar zu definieren.
Ebenso wichtig wie die Nachsorge für die Betreuten ist das Angebot der Supervision für die Teammitglieder als fixer Bestandteil des Einsatzes im Rahmen der institutionalisierten Möglichkeiten zur Einsatzaufarbeitung.
Teamorganisation
Psychosoziale Betreuungsteams für die Akutbetreuung in Notfallsituationen können grundsätzlich mit Personen aus den Berufsfeldern Psychologie, Psychiatrie, Sozialarbeit und Krankenpflege besetzt werden, sobald sie eine spezifische Zusatzausbildung über Methoden der Psychosozialen Akutbetreuung aufweisen. Die Mitwirkung einer einschlägig spezialisierten Fachkraft, etwa die einer/eines klinischen Psychologin/Psychologen bzw. Notfallspsychologin/Notfallpsychologen, ist für die Teams anzustreben. Als weiteres Angebot sollten Personen aus dem Bereich der Seelsorge (quer durch alle Konfessionen) zur Verfügung stehen, die den eventuell erforderlichen Teil der religiösen Betreuung in Notfallsituationen abdecken können.
Im Hinblick auf die enge Zusammenarbeit mit hierarchisch gegliederten Einsatzdiensten und die damit erforderlichen Schnittstellen zur Gesamteinsatzleitung bzw. Einsatzleitung anderer Organisationen ergibt sich auch für Psychosoziale Akutbetreuungsteams die Notwendigkeit einer Hierarchie im Einsatz bzw. zu mindestens die Definition einer/eines für den Teameinsatz verantwortlichen Leiterin/Leiters in Relation zu den anderen Organisationen. Die Festlegung dieser Hierarchien kann durch die für den Teamaufbau Verantwortlichen innerhalb einer Hilfsorganisation bereits vorgegeben sein bzw. müssten diesbezügliche Spielregeln (Leiter/in ist die/der Ersteintreffende etc.) erst geschaffen werden. Eine klare Teamorganisation ist jedoch unbedingt zu fordern.
Kosten
Psychosoziale Akutbetreuung benötigt Ressourcen wie etwa Mittel für die Aus- und Fortbildung, für die Durchführung des Einsatzes, etc. Der Vergleich von Kostenträgern und Finanzierungsmodellen verschiedener Trägerorganisationen kann Anregungen zur Sicherung der Finanzierung bieten.
Qualitätssicherung
Für die Organisation der Psychosozialen Akutbetreuung wie auch für die Organisation aller anderen professionellen Aktivitäten im Rahmen des Gesamteinsatzes sind Instrumente der Qualitätssicherung vorzusehen. Insbesondere sind wichtige organisatorische Bedingungen für die Psychosozialen Akutbetreuer/innen wie "Rascher Beginn", "Sicherer Ort", "Nähe zum Geschehen", "Räumliche Möglichkeiten zur Gesprächsführung und Krisenintervention" u. a. und nicht zuletzt die Koordination der multiprofessionellen Zusammenarbeit zwischen den Psychosozialen Akutbetreuer/innen und den anderen Gruppen der professionellen Einsatzkräften und Helfer/innen laufend zu evaluieren und zu entwickeln.
Verantwortlich für diese Seite:Magistratsdirektion - Krisenmanagement und Sicherheit
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