Archivmeldung der Rathauskorrespondenz vom 27.04.2006:
Bitte beachten Sie, dass die Inhalte (Termine, Kontaktmöglichkeiten,...) möglicherweise nicht mehr aktuell sind.

Alte Donau: Pflanzenwachstum beweist gute Wasserqualität

Utl.: Positive Zwischenbilanz des Makrophyten-Managements - Info- Hotline 4000-8022

StR. Mag.a Ulli Sima, Foto: media wien - Klicken Sie auf das Bild und Sie erhalten das Foto in Druckqualität (304 kB) Wien (RK). "Die Alte Donau ist nicht zuletzt dank ihrer hervorragenden Wasserqualität ein echtes Paradies für Erholungssuchende, gleichzeitig aber ein sehr sensibles Ökosystem, das es penibel zuschützen gilt", betont Umweltstadträtin Ulli Sima. Das Wachstum der Unterwasserpflanzen (Makrophyten) ist ein Zeichen für gute Wasserqualität: Ihre Sauerstoffproduktion und ihre Fähigkeit, Nährstoffe im Wasser zu binden, gewährleisten die Selbstreinigungskraft des Gewässers. Sima: "Die hochwachsenden 'Schlingerer' sind bei Wassersportlern nicht immer gern gesehen, sie erfüllen aber eine ganz wichtige ökologische Funktion. Eingriffe in die Unterwasser-Vegetation bedürfen daher größter Vorsicht. Die gute Wasserqualität der Alten Donau muss gesichert bleiben, dabei soll sie für die Wienerinnen und Wiener beim Schwimmen, Rudern oder Segeln erlebbar sein."

In enger Zusammenarbeit mit Experten erstellt die MA 45 - Wasserbau Pläne zur Mahd der Wasserpflanzen. Makrophyten-Experte Univ.-Prof. Dr. Georg Janauer: "Das Ziel des Makrophyten- Managements ist die Steuerung der Artenzusammensetzung der Wasserpflanzen in der Alten Donau. Wir greifen dabei in ein sehr großes System ein und müssen der Natur auch Zeit geben." Die hoch wachsenden Makrophyten-Arten nehmen anderen das zum Wachstum nötige Licht. Durch das Abmähen 70 Zentimeter über Grund soll erreicht werden, dass

  • das Aufkommen niedrig wachsender Arten, besonders der Characeen,
    gefördert wird
  • der Anteil von hoch wachsenden Makrophyten reduziert wird
  • Freizeitsportler nicht behindert werden.

Durch das Absenken des Wasserspiegels im Frühjahr und den damit verbundenen verstärkten Zustrom von Grundwasser und das Mähen konnte bereits erreicht werden, dass sich die erwünschten niedrig wachsenden Arten, insbesondere die Characeen, deutlich vermehren, sowohl vom Volumen als auch von der Zahl der Arten. Maga Karin Pall (Systema GmbH): "Das hoch wachsende Ährige Tausendblatt dominiert die Unterwasser-Vegetation der Alten Donau noch immer, aber im Jahr 2005 konnten wir einen weiteren Anstieg bei Menge und Artenanzahl der Characeen feststellen. Mittlerweile sind in der Alten Donau 9 verschiedene Characeen-Arten nachweisbar."

Zwtl.: Mähboote im Einsatz - Fragen an die Hotline 4000-8022

Mähboot, Foto: Donabaum & Wolfram - Klicken Sie auf das Bild und Sie erhalten das Foto in Druckqualität (590 kB) "Das Mähmanagement erfolgt zur langfristigen Steuerung der Artenzusammensetzung", erklärt Pall: "Dies wird durch die spezielle, baldachinartige ('canopy') Wuchsform des Ähren- Tausenblattes (Myriophyllum spicatum) möglich. Die Pflanzen verzweigen sich nämlich erst im oberen Bereich sehr stark. Hierdurch stehen die einzelnen Pflanzen selbst in an der Wasseroberfläche quasi flächendeckenden Beständen am Gewässergrund nur vergleichsweise lückig. Im ,Unterwuchs finden daher auch noch andere Pflanzen Platz. In der Alten Donau sind dies vor allem Characeen." Eine stärkere Ausbreitung dieser Pflanzengruppe wird allerdings ohne Mähmanagement durch die beschattende Wirkung der Tausendblattbestände verhindert. Werden die Pflanzen aber mit Hilfe eines Mähbootes unterhalb der Verzweigungsstellen und oberhalb der Characeen-Vegetation (in der Alten Donau etwa 70 cm über Grund) geschnitten, kann mehr Licht in die darunter befindlichen Bestände der Bodendecker dringen und deren Wachstum wird gefördert.

Seit 2003 setzt die MA 45 die gemeinsam mit den Experten festgelegten Mähpläne um. Derzeit erfolgt die Mahd mit zwei großen Mähbooten, die "Floridsdorf" steht im Eigentum der Stadt Wien, das andere Boot gehört der Firma Karl Hofbauer. Nördlich des Birnersteges kommt ein weiteres, kleineres Mähboot zum Einsatz. Nach ersten Erkundungen unmittelbar nach Schmelzen der Eisdecke, begann die Mahd heuer bereits im April. Sie wird voraussichtlich bis Oktober 2006 fortgesetzt werden. Im Jahr 2005 wurden Wasserpflanzen auf der 1,5 Quadratkilometer großen Alte Donau mehrmals gemäht, dabei fielen rund 10.000 Kubikmeter Pflanzenmaterial an und damit um 3.000 Kubikmeter mehr als im Jahr 2004.

Die Mahd der Wasserpflanzen ist großflächig angelegt. Ein Ausmähen von privaten Stegen und Bootsanlegeplätzen ist daher nicht möglich. Anrainer, die Wasserpflanzen rund um ihren Steg entfernen, können diese auf ihrem Steg liegen lassen, ein Sammelponton der MA 45, das auch frei treibende Mähreste birgt, holt das Mähgut einmal pro Woche von den Stegen ab. Die "geernteten" Wasserpflanzen können aber auch selbst per Boot zu den Mähboot-Entladestellen (Obere Alte Donau: Rossschwemme - linkes Ufer auf Höhe Theodor-Körner-Gasse und Kagraner Brücke nächst Arbeiterstrandbadstraße sowie Untere Alte Donau: Ladeplatz Bellegardegasse, rechtes Ufer und am Seestern) gebracht werden. Die Makrophyten werden von der MA 45 von den Bootsanlegestellen an der Alten Donau zur Kompostierung in das MA 48-Zelt gebracht.

An einigen Stellen der Alten Donau werden die Wasserpflanzen nicht gemäht. Diese liegen außerhalb der Schwimmbereiche, etwa entlang der Abspannseile der Bäder. Die nicht gemähten Flächen sind Rückzugsbereiche für Flora und Fauna.

Für alle Fragen rund um das Makrophyten-Management in der Alten Donau stehen Experten an der Umwelt-Hotline der Stadt Wien unter der Wiener Telefonnummer 4000-8022 zur Verfügung (Montag bis Freitag von 7.30 bis 15.30 Uhr und Donnerstags bis 17.30 Uhr).

Zwtl.: Erfolgreiche Sanierung

Heute präsentiert sich die Alte Donau wieder mit klarem Wasser und großer Sichttiefe. Das war nicht immer so: Ende der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts nahmen die Nährstoffe im Wasser stark zu (Eutrophierung). Die Folge waren heftige Algenblüten in den Jahren 1993 und 1994, die Blaualgen sorgten für eine intensive Gelbfärbung des Gewässers. Die Alte Donau war "gekippt". Weitere Folgen waren stark reduzierte Sichttiefen und der Zusammenbruch der vorher üppigen Makrophyten-Vegetation - die Biomasse der Unterwasserpflanzen war vor 20 Jahren rund doppelt so hoch wie heute.

Die daraufhin in Angriff genommene Sanierung der Alten Donau, die eine Vielzahl von Maßnahmen - darunter die Wiederansiedelung der Makrophyten - umfasste, gilt als internationales Vorzeigeprojekt. Die Probleme mit den Blaualgen waren ja erst nach dem Verschwinden der Makrophyten aufgetreten. Sie stellen einen Nährstoffspeicher dar und stehen in Konkurrenz zu den Planktonalgen, die für die Trübung der Gewässer verantwortlich sind. Das Sanierungsziel ist mittlerweile erreicht. Laut jährlichen Monitoring-Berichten (Donabaum & Wolfram) kann die Alte Donau heute als "mesotroph" eingestuft werden, das heißt, sie hat mittleren Nährstoffgehalt.

Die Unterwasserpflanzen bilden einen eigenen Lebensraum im Gewässer und bieten zahlreichen Kleinlebewesen und Fischen, etwa dem Hecht, Unterschlupf. Besonders erfreulich ist, dass 2004 im Rahmen des Monitorings erstmals wieder junge Hechte in den Makrophytenbeständen festgestellt werden konnten. Damit ist die Reproduktion dieses wichtigen Raubfisches in der Alten Donau nachgewiesen.

Aufgrund der gesetzten Sanierungsschritte werden die Wasserpflanzen in der Alten Donau wieder heimisch. Die Biomasse der Makrophyten hat sich von allein 2003 auf 2004 auf rund 370 Tonnen Trockensubstanz verdreifacht. Im Jahr 2005 war ein weiteres Ansteigen der Biomasse zu beobachten, gleichzeitig wird der Erfolg der Makrophyten-Mahd deutlich: Hatte sich die im Frühjahr gemessene Makrophyten-Biomasse im Vergleich zu 2004 im Vorjahr mehr als verdoppelt, war im Sommer nur ein leichter Anstieg von 370 auf 384 Tonnen Trockensubstanz zu verzeichnen.

Zwtl.: Kleine Unterwasser-Pflanzenkunde

Characeen, Foto: MA 45 - Klicken Sie auf das Bild und Sie erhalten das Foto in Druckqualität (409 kB) Eine wesentliche Rolle bei der Erhaltung des erreichten guten Wasserzustands auf längere Sicht spielt die Unterwasser- Vegetation. Die Bemühungen der MA 45 - Wasserbau und der eingebundenen Experten konzentrierten sich in den letzten Jahren erfolgreich darauf, wieder einen ausreichenden Bewuchs zu etablieren. Bisher wächst in der Alten Donau vor allem das Ährige Tausendblatt (Myriophyllum spicatum L.). Diese Pflanze hat bis zu vier Meter lange, mehrfach verzweigte Stängel, die bis an die Wasseroberfläche wachsen - und das bis zu 30 Zentimeter (!) pro Woche. An der Oberfläche bildet sie rötliche bis gelbliche Blüten aus, der baldachinähnliche Wuchs der Verzweigungen beschattet den Gewässergrund und hindert andere Pflanzen am Wuchs. Durch das Mähen des Ährigen Tausendblatts 70 Zentimeter über Grund und den verstärkten Zustrom von Grundwasser durch die Absenkung des Wasserstands der Alten Donau im Frühling wird das Wachstum der Armleuchteralgen (Characeen) gefördert. Diese punkto Wasserqualität sehr anspruchsvollen Pflanzen werden nur zirka 50 bis 70 Zentimeter hoch.

Zwtl.: Freizeitparadies Alte Donau

Die Alte Donau ist Teil eines ehemaligen Hauptarmes der Donau, der im Zuge der großen Donauregulierung (1870-75) vom Strom abgetrennt wurde. Mit einer Fläche von 1,6 Quadratkilometern und einer mittleren Tiefe von 2,5 Metern (maximale Tiefe: 6,8 Meter) zählt die Alte Donau zu den größten Gewässern Wiens. Durch eine Engstelle in der Mitte des Gewässers ist eine natürliche Gliederung in zwei große Becken - die Obere Alte Donau und die Untere Alte Donau - gegeben. Elf Bäder, Segel- und Surfschulen, 13 Bootsvermietungen und zahlreiche Gastronomieeinrichtungen machen die Alte Donau zu einer der beliebtesten Freizeitoasen der Wiener.

  • Info:

Für alle Fragen rund um das Makrophyten-Management in der Alten Donau stehen Experten an der Umwelt-Hotline der Stadt Wien unter der Wiener Telefonnummer 4000-8022 zur Verfügung (Montag bis Freitag von 7.30 bis 15.30 Uhr und Donnerstags bis 17.30 Uhr). Informationen zum Makrophytenmanagement der MA 45 finden Sie im Internet unter: www.wien.gv.at/ .

rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/

(Schluss) wög

  • Rückfragehinweis:
    Mag. Karl Wögerer
    Tel.: 4000/81359
    Handy: 0664/826 82 15
    e-mail: woe@ggu.magwien.gv.at

(RK vom 27.04.2006)

Verantwortlich für diese Seite:
Rathauskorrespondenz (Magistratsabteilung 53)
Kontaktformular