Wien 1956: Berichte vom Dezember 1956

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.12.1956: Bürgermeister überreicht Bundeskanzler Scheck auf 1,6 Millionen

Bürgermeister Jonas übergab heute an Bundeskanzler Ing. Raab einen Scheck über den Betrag von 1,607.083,73 Schilling als Ergebnis der Wiener Straßensammlung vom 24. bis 25. November für die Hilfsaktion der österreichischen Bundesregierung für die ungarischen Flüchtlinge.

1.12.1956: Neuer Leiter in der Semmelweis-Klinik und im Zentralkinderheim

Portrait Doktor Husslein

Prof. Dr. Husslein

Mit der Ernennung von Prof. Dr. Husslein zum Leiter der Ignaz Semmelweis-Frauenklinik und Frau Direktor Hoffmann-Zajicek zur Leiterin des Zentralkinderheimes der Stadt Wien sowie mit der Berufung von Primarius Dr. Jürgensen zu dessen ärztlichen Leiter wurden im Bereich des städtischen Gesundheits- und Fürsorgewesens bedeutsame personelle Neubesetzungen vorgenommen. Die Amtseinführungen erfolgten heute durch Vizebürgermeister Weinberger und Stadtrat Riemer.


3.12.1956: Antrittsbesuch des sowjetischen Botschafters

Portrait Sergej Georgijewitsch Lapin

Sergej Georgijewitsch Lapin

Der neue sowjetische Botschafter, Exzellenz Sergej Georgijewitsch Lapin, stattete heute Bürgermeister Jonas seinen Antrittsbesuch ab.


5.12.1956: Gemeinde Wien baut Stahlbetonmauer gegen Hochwasser - Heiligenstädter Straße beim Kahlenberger Dorf wird gesichert

Unvergessen bleibt die Hochwasserkatastrophe des Jahres 1954, bei der durch das überflutende Wasser des Donaustromes für längere Zeit auch die Verbindung zwischen Nußdorf und dem Kahlenberger Dorf unterbrochen war. Ein etwa 200 Meter langes Stück der Heiligenstädter Straße war vor dem Kahlenberger Dorf etwa 1,20 Meter hoch überflutet. Der gesamte Fuhrwerksverkehr musste damals über die Höhenstraße umgeleitet werden.

Die eheste Beseitigung dieser Gefahrenstelle ist daher dringend erforderlich. Die Gemeinde Wien wird nun gemeinsam mit den Österreichischen Bundesbahnen Maßnahmen treffen, um einem künftigen Hochwasser einen Riegel vorzuschieben. So wird bei der Unterführung zur Kuchelau die bestehende, bereits stark beschädigte Stützmauer aus Ziegeln abgetragen und durch eine 77 Meter lange Stahlbetonmauer ersetzt werden. Die neue Mauer wird auch den schwersten Verkehrslasten standhalten können. Der obere Teil dieser Mauer wird als Straßenbrüstung von 1,50 Metern Höhe ausgeführt, so dass ihre Oberkante etwa 30 Zentimeter über die Marke des Katastrophenhochwassers von 1954 liegt. Die Auffahrtsrampen, die beiderseits der Unterführung in die Heiligenstädter Straße münden, werden durch Dammbalkenverschlüsse an den Enden der neuen Stützmauer gesichert. Das Projekt wird ca. 550.000 Schilling kosten.

9.12.1956: 80. Geburtstag von Lili Marberg

Heute feiert das Ehrenmitglied des Burgtheaters Kammerschauspielerin Prof. Lili Marberg ihren 80. Geburtstag.

Im Grimma bei Leipzig geboren, trat sie nach dem Besuch des Konservatoriums in Dresden an verschiedenen deutschen Bühnen auf und kam 1907 als Nachfolgerin Helene Odilons ans Deutsche Volkstheater nach Wien, 1911 ans Burgtheater, wo sie bis heute tätig ist.

Lili Marberg hat unter dem Titel "Es war so komisch" eine Sammlung heiterer Lebenserinnerungen veröffentlicht.

6.12.1956: 200. Ausfahrt der Aktion "Volksbildung auf Rädern"

Seit zwei Jahren läuft die Aktion "Volksbildung auf Rädern", deren Ziel die volksbildnerische Betreuung des Stadtrandes ist. Sie verfügt über einen Combi-Wagen, modernsten Projektionsgeräten, einen als Operateur ausgebildeten Chauffeur und besitzt alle Möglichkeiten des Transportes von Ausstellungsgegenständen. Die Vortragenden werden von einem zentralen Ort in Wien abgeholt, an ihren Bestimmungsort gebracht und nach Schluss der Veranstaltung wieder zurückgeführt. Die bisherigen Ausfahrten wurden vor allem nach Favoriten und Liesing, Floridsdorf und Donaustadt unternommen.

7.12.1956: Ein "Katastrophenjahr" geht zu Ende - Die 7.000ste Ausrückung der Wiener Feuerwehr

Gestern wurde die Wiener Feuerwehr zu ihrem 7.000sten Einsatz dieses Jahres nach 1, Singerstraße 30, zum Löschen eines Rauchfangfeuers gerufen.

Noch in keinem Jahr wurden die Dienste der Feuerwehr in Wien so häufig in Anspruch genommen wie im Jahre 1956, das mit Recht als Katastrophenjahr bezeichnet werden kann. Die 5.000ste Ausrückung, die in normalen Zeiten erst gegen das Jahresende fällig ist, war heuer bereits Mitte August. Im vergangenen Jahr gab es in Wien 5.500 Ausrückungen, vor zehn Jahren gar nur 3.400.

Der diesjährige Rekord ist vor allem der strengen und langanhaltenden Frostperiode im Februar mit ihren vielen Wasserrohrbrüchen zuzuschreiben. Der abnormalen Kältewelle folgten im März heftige Stürme, die ähnlich wie in den ersten Dezembertagen sämtliche Feuerwachen in dauernden Alarmzustand versetzten. Es gab Tage mit 200 bis 300 Ausrückungen. Die Trockenperiode im Sommer war wiederum die Ursache vieler Grasbrände.

Wien wurde in diesem Jahr auch einige Male von Brandkatastrophen heimgesucht. Dem Riesenbrand in der Börse am 13. April folgten noch einige Großbrände in Fabriksanlagen.

7.12.1956: Internationaler Gemeindeverband für rasche Übernahme von Flüchtlingen durch andere Staaten

Im Anschluss an den Ende November abgehaltenen 12. Österreichischen Städtetag haben Besprechungen zwischen den damals in Wien weilenden Generalsekretären des Internationalen Gemeindeverbandes und Vertretern des Österreichischen Städtebundes stattgefunden, in deren Verlauf die Beteiligung des Internationalen Gemeindeverbandes an internationalen Hilfsaktionen für die ungarischen Flüchtlinge erörtert wurde.

Als Ergebnis dieser Besprechungen hat der Internationale Gemeindeverband nunmehr einen Aufruf an alle angeschlossenen Mitgliedsverbände gerichtet, in dem unter anderem festgestellt wird, dass die Betreuung des Flüchtlingsstromes aus Ungarn die Kräfte Österreichs bei weitem übersteigt. Um eine Entlastung Österreichs zu erreichen, appelliert er daher an seine Mitgliedsverbände, bei ihren Regierungen auf eine rasche Aufnahme von Flüchtlingen hinzuwirken und für ihre Unterbringung in den Städten der Aufnahmeländer Sorge zu tragen.

12.12.1956: Arbeitsgemeinschaft der Direktoren österreichischer Stadtwerke gegründet

Heute wurde im Ringturm die erste Versammlung der Arbeitsgemeinschaft der Direktoren österreichischer Stadtwerke abgehalten. Die Gründung der Arbeitsgemeinschaft wurde vor kurzem im Rahmen des Österreichischen Städtebundes beschlossen. Sie hat sich zur Aufgabe gestellt, die Beratungsgrundlagen des Fachausschusses für Kommunalwirtschaft zu vertiefen und zu verbreiten; neben der gegenseitigen fachlichen Beratung der Direktoren in allen wirtschaftlichen, organisatorischen und technischen Fragen der Stadtwerke strebt die Arbeitsgemeinschaft auch eine engere Verbindung mit den Betrieben der kleineren Gemeinden an.

Dem Präsidium der Arbeitsgemeinschaft gehören an: die Generaldirektoren Frankowski (Wien), Dipl.-Ing. Seindl (Graz) und Dipl.-Ing. Egger (Innsbruck). Geschäftsführer ist Direktor Dipl.-Ing. Pröbsting (Wien).

13.12.1956: Die Preisträger 1956 der Dr. Karl Renner Stiftung

Portrait Hans Hirsch

Hans Hirsch

Portrait Walter Peinsipp

Min. Walter Peinsipp

Portrait Fritz Morawec

Ing. Fritz Morawec

Arbeiter bei Kraftwerk

Stellvertreter für die Arbeiter von Kaprun

Bandagierter Franz Lagler in Krankenbett umringt von Patienten liest Brief vor

Franz Lagler


Die Träger der Renner-Preise für 1956 sind:

  • Der Obmann des Kriegsblindenverbandes, Hans Hirsch
  • Franz Lagler (verhinderte am 19. Oktober ein Explosionsunglück)
  • Der Leiter der Österreichischen Himalaya-Karakorum-Expedition 1956, Ing. Fritz Morawec
  • Der Vertreter Österreichs in Ungarn a.o. Gesandter und bevollmächtigter Minister Dr. Walter Peinsipp
  • Die Arbeiter von Kaprun

14.12.1956: Puppenkinder wurden adoptiert

Mädchen sitzen aufgereiht mit Puppen auf Schoß

Puppenmütter des Jahres 1956

Bereits zum vierten Mal durften heute 23 Mädchen, ihre vor einem Jahr in Pflege übernommenen, Puppenkinder "adoptieren". Vizebürgermeister Honay überreichte an die Kinder den Adoptivbrief.


15.12.1956: Salzburg ehrt Wiener Philharmoniker - Bürgermeister Pacher überreicht Große Goldene Medaille der Mozartstadt Salzburg im Wiener Rathaus

Bürgermeister Pacher überreicht Medaille an Wiener Philharmoniker

Die Wiener Philharmonikern erhalten die Große Goldene Medaille der Mozartstadt Salzburg

Bürgermeister Pacher von Salzburg überreichte heute im Wiener Rathaus den Wiener Philharmonikern die "Große Goldene Medaille der Mozartstadt Salzburg". Diese höchste Auszeichnung wurde bisher nur an Bundespräsident Dr. Renner, an den ehemaligen Präsidenten der USA, Truman, und an das Mozarteum verliehen. Die Medaille wurde vom Salzburger Bildhauer Richard Ruepp modelliert und vom Wiener Hauptmünzamt geprägt. Sie trägt auf der Vorderseite das Relief Mozarts im Profil, auf der Rückseite die Inschrift "Amico salisburgensis laus et honor" (Dem Freunde Salzburgs Lob und Ehre) und das Wappen von Salzburg.

Bürgermeister Pacher überreichte dem Vorstand der Philharmoniker Prof. Obermayer die hohe Auszeichnung.


17.12.1956: Aus dem Wiener Gemeinderat:

Der städtische Finanzreferent StR. Resch (SPÖ) führte in den Beratungen über den Voranschlag der Bundeshauptstadt Wien für das Jahr 1957 u.a. aus:

"Streit über Bettenzahl hat Bau des neuen A.K. verzögert

Bezüglich des Allgemeinen Krankenhauses haben wir mit dem Bund schon lange eine Vereinbarung auf Teilung der Kosten zum Wiederaufbau im Verhältnis 50 zu 50 erzielt. Strittig war bis vor kurzem noch, wie viele klinische Betten das neue Allgemeine Krankenhaus haben soll. Die Medizinische Fakultät hat 3.000 Betten verlangt, der Finanzminister wollte nur 2.000 zustehen.

Nunmehr soll sich der Finanzminister mit 2.500 klinischen Betten einverstanden erklärt haben. Dieser Streit über die Anzahl der klinischen Betten hat den Neubau verzögert, weil der Bund nur bereit ist, die Hälfte der Baukosten für die klinischen Betten zu übernehmen. Für den Umbau des Allgemeinen Krankenhauses ist im Budget 1957 eine Million bereitgestellt. Wir hoffen, dass der Bund den gleichen Betrag zur Verfügung stellt, so dass zwei Millionen Schilling für den Beginn der Projektsarbeiten zur Verfügung stehen."

21.12.1956: Vizepräsident Nixon besuchte ein Wiener Flüchtlingslager

US-Vizepräsident Richard Nixon besuchte heute in Begleitung des amerikanischen Botschafters die von der Gemeinde Wien in der Schule 7, Kandlgasse errichteten Unterkünfte für ungarische Flüchtlinge.

22.12.1956: Ein Blutkühlwagen als Weihnachtsgeschenk

Kühlwagen

Neuer Kühlwagen für den Blutspendedienst (AKH)

Vizebürgermeister Weinberger übergab heute einen Blutkühlwagen für die Blutbank der I. Chirurgischen Klinik.


24.12.1956: 60. Geburtstag von Carl Zuckmayer

Portrait Carl Zuckmayer

Carl Zuckmayer

Am 27. Dezember vollendet der Schriftsteller Carl Zuckmayer sein 60. Lebensjahr. In Nackenheim am Rhein geboren, war er Dramaturg bei Max Reinhardt und errang 1925 mit der Aufführung seines Lustspieles "Der fröhliche Weinberg" an der Freien Bühne in Berlin einen großen Erfolg. Bereits dieses Stück, für das ihm der Kleist-Preis verliehen wurde, zeigte seine Begabung zum Dramatiker. Für "Katharina Knie" erhielt er den Büchner-Preis. Überwältigenden Erfolg erzielte 1931 der "Hauptmann von Köpenick" mit Werner Krauß in der Hauptrolle. Diese schonungslose Satire auf den deutschen Militarismus zog ihm den Hass der Nationalsozialisten zu, vor denen er 1933 nach Österreich flüchtete. Er ließ sich in Henndorf bei Salzburg nieder und nahm die österreichische Staatsbürgerschaft an. 1934 wurde im Burgtheater "Der Schelm von Bergen" uraufgeführt, mit Ewald Balser und Hilde Wagner als Königspaar. 1938 wandte sich Zuckmayer nach Amerika und wurde Farmer. 1946 kehrte er in seine Wahlheimat zurück und brachte sein außerordentlich erfolgreiches Stück "Des Teufels General" mit, das auch in der Verfilmung stärkste Wirkung erreichte. Seine weiteren dramatischen Werke wurden im Burg- oder im Josefstädter Theater gespielt und mit Beifall aufgenommen. Seine Novelle "Der Seelenbräu", eine lustige Erzählung im österreichischen Milieu mit treffender Charakterisierung, erlangte durch die Verfilmung gleichfalls weite Verbreitung.


28.12.1956: Infektionskrankheiten im November

Das Gesundheitsamt der Stadt Wien gibt bekannt: Im Monat November gab es in Wien 17 neue Keuchhustenfälle, sechs Kinderlähmungsfälle sowie 1.609 Neuerkrankte an Tuberkulose.

31.12.1956: Silvesterempfang bei Bürgermeister Jonas

Beamte umringt von Kapelle

Ungarische Kapelle bringt Neujahrsständchen

Anlässlich des Jahreswechsel gab Bürgermeister Jonas im Rathaus seinen traditionellen Neujahrsempfang für die leitenden Beamten des Magistrats und die Direktoren der Städtischen Unternehmungen. Eine ungarische Kapelle sorgte für die musikalische Untermalung.


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