Wien 1953: Berichte vom Dezember 1953

In loser Reihenfolge bringen wir kurze Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz aus früheren Jahren. Zusammengestellt von Gina Galeta.

1.12.1953: Neue Wasserleitung Wienerberg-Favoritenstraße

Wie der Amtsführende Stadtrat für Bauangelegenheiten Thaller heute im Wiener Stadtsenat berichtete, soll nun nach Errichtung des Drucksteigerungswerkes Wienerberg der Wiener Wasserwerke als nächste Maßnahme zur Beseitigung der Wasserversorgungsschwierigkeiten und den damit verbundenen schlechten Druckverhältnissen im 10. Bezirk vom Behälter Wienerberg ausgehend ein 2,3 km langer Rohrstrang bis zur Favoritenstraße gelegt werden. Der Rohrstrang wird 500 mm Durchmesser haben.

1.12.1953: Wagner Jauregg-Hof im 9. Bezirk

Der zuständige Gemeinderatsausschuss hat heute beschlossen, der städtischen Wohnhausanlage im 9. Bezirk, Lustkandlgasse 26-28, einen Namen zu geben. Der Bau wird nach dem bekannten Neurologen und Nobelpreisträger für Medizin, Prof. Dr. Julius Wagner-Jauregg, benannt.

5.12.1953: Die Bilanz einer Schreckenstat

Eine unscheinbare Postnummer im Verzeichnis der Baumeisterarbeiten, die dieser Tage im Gemeinderatsausschuss für Bauangelegenheiten behandelt wurde, berichtet in trockenen Zahlen über ein tragisches Lokalereignis, welches im heurigen Herbst tagelang die Bevölkerung Wiens in Atem hielt. Das Aktenbündel gibt Aufschluss über den Sachschaden, der durch den Bombenanschlag eines Jugendlichen am 30. September dieses Jahres in einem Trakt des Allgemeinen Krankenhauses entstanden ist. Für den Wiederaufbau der durch die furchtbare Explosion zerstörten Räume der Verpflegskostenstelle müssen nun 200.000 Schilling aufgewendet werden.

Der materielle Schaden, der übrigens durch die Städtische Versicherungsanstalt ersetzt wird, steht aber in keinem Vergleich zum Unglück der 25 Angestellten, die durch die Tat eines Wahnsinnigen schwere Verletzungen davontrugen. Der letzte der Schwerverwundeten, Kanzleikommissär Michael Trittner, wurde erst dieser Tage aus dem Allgemeinen Krankenhaus in häusliche Pflege entlassen. Er wird sich aber später noch verschiedenen chirurgischen Eingriffen unterziehen müssen. Die Mehrzahl der beim Bombenanschlag Verletzten versehen aber bereits wieder ihren Dienst.

8.12.1953: "Das gute Bild für jeden" - sehr gefragt - Bereits 136 Bilder verkauft

Die vom Amt für Kultur und Volksbildung gemeinsam mit allen Wiener Künstlerverbänden in der Secession veranstaltete Ausstellung "Das gute Bild für jeden", in der erstklassige Aquarelle zum Höchstpreis von 400 Schilling, Grafiken von 300 Schilling und Keramiken zum Betrage bis zu 150 Schilling verkauft werden, erfreut sich eines regen Besuches. Bis jetzt wurden schon 136 Arbeiten verkauft.

8.12.1953: Eine "Wiener Straße" in Nieuw-Vossemeer

Der Bürgermeister von Nieuw-Vossemeer (Holland) teilte Bürgermeister Jonas mit, dass seine Gemeinde, die bei der großen Überschwemmungskatastrophe im Februar dieses Jahres schwer getroffen wurde, aus der Österreichischen Hilfsaktion zehn Häuser der Bauart "Friesland" erhalten hat. Als eine bleibende Erinnerung an diese schöne Geste schlägt die Verwaltung der Gemeinde Nieuw-Vossemeer vor, eine der Straßen, in der einige dieser Häuser aufgestellt worden sind, "Weense straat" (Wiener Straße) zu benennen.

9.12.1953: Ein Jahr "Forschungsstelle für Wohnen und Bauen"

Heute wurden die ersten Berichte der knapp vor einem Jahr im Stadtbauamt errichteten "Forschungsstelle für Wohnen und Bauen" der Öffentlichkeit vorgelegt. Stadtrat Thaller verwies darauf, dass das ökonomische Bauen heute nicht nur eine schwierige bautechnische und bauwirtschaftliche Aufgabe ist. Mit dem Bauen sind äußerst ernste soziale, kulturelle, bevölkerungspolitische, allgemein wirtschaftliche, lebensmäßige und künstlerische Probleme und Forderungen verbunden. Die Wiener Gemeindeverwaltung, als größter Bauherr der Stadt, mit einem Wohnbauprogramm von mehr als 7.000 Wohnungen in diesem auch dem nächsten Jahr, mit ihren Schul- und Kindergartenbauten sowie den vielen anderen Bauaufgaben hat sich eine Institution geschaffen, die - unabhängig von den Tagesnöten - sich mit der Klärung der damit verbundenen Probleme, Forderungen und Schwierigkeiten befasst, um diese Nöte aufs Beste lösen zu können.

Die Tätigkeit der Forschunsstelle erstreckt sich vor allem auf Untersuchungen und Zusammenstellung von Ermittlungen und Herausstellung von eigenen und fremden Forschungsergebnissen, auf praktische Versuche, auf Zusammenarbeit mit ähnlichen Institutionen des In- und Auslandes und schließlich auf Sammlung von Planmaterial und der einschlägigen Literatur des In- und Auslandes.

Thaller führte weiters aus, dass die Forschungsstelle völlig unabhängig und frei arbeitet. Sie steht in engster Verbindung mit ähnlichen Einrichtungen im Ausland.

Den Bericht über die bis jetzt geleistete Arbeit des neuen Institutes gab dann dessen Leiter Prof. Franz Schuster.

Auf bauwirtschaftlichem Gebiet wurde z.B. eine umfangreiche Arbeit über den Bauindex der Nachkriegsjahre, über die örtliche Bauleitung und ihre betriebswirtschaftliche Funktion geschaffen. Die Forschungsstelle befasste sich weiters mit Dachstuhlkonstruktionen, mit dem Schnellbauprogramm der Stadt Wien, mit der Rentabilitätsberechnung von Aufzügen, mit Fußbodenbelägen und darüber hinaus auch mit der Frage der neuzeitlichen Wohnungseinrichtung.

12.12.1953: Die Preisträger der Dr. Karl Renner-Stiftung 1953

Heute wurden die Preisträger der Dr. Karl Renner-Stiftung für das Jahr 1953 bekannt gegeben.

Portrait Karl Weigl

Direktor Karl Weigl

Portrait Bruno Buchwieser

Dr. Bruno Buchwieser

Portrait Helene Thimig-Reinhardt

Helene Thimig-Reinhardt


Es sind dies:

  • Dr. Bruno Buchwieser
  • Univ.-Prof. Dr. Hans Kelsen
  • Reg.-Rat Prof. Adolf Melhuber
  • Ing. Franz Schuster
  • Helene Thimig-Reinhardt
  • Wendelin Wallisch
  • Direktor Karl Weigl
  • Das Österreichische Jugendrotkreuz, Landesleitung Wien
  • Das Theater der Jugend
  • Der Verein Arbeitermittelschule

Die Preisverleihung wird im Jänner durch Bürgermeister Jonas stattfinden.

14.12.1953: Ausstellung Ladislaus Tuszinsky - Zum 10. Todestag des Illustrators der Kronenzeitung

Zum 10. Todestag des Zeichner Ladislaus Tuszinsky zeigt die Wiener Stadtbibliothek gemeinsam mit dem Museum der Stadt Wien eine Auswahl aus dem Lebenswerk des populären Künstlers. Tuszinsky hat 40 Jahre hindurch die Titelseite der Kronenzeitung bezeichnet. 12.000 Zeichnungen stammen von seiner Hand.

15.12.1953: Dr. Viktor Kritscha - Bürger der Stadt Wien. Die hohe Ehrung vom Wiener Gemeinderat einstimmig beschlossen

Der Wiener Gemeinderat hat einstimmig den scheidenden Magistratsdirektor Dr. Viktor Kritscha in Würdigung seiner besonderen Verdienste um den Wiederaufbau der Stadtverwaltung nach ihrem Zusammenbruch bei Beendigung des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 zum Bürger der Stadt Wien ernannt.

17.12.1953: Aus den Budgetberatungen des Wiener Gemeinderates, Verwaltungsgruppe Wohnungs-, Siedlungs- und Kleingartenwesen

Stadtrat Koci gab einen Bericht über die in Wien noch immer beschlagnahmten Wohnungen:

Die Besatzungsmächte haben heuer bis 30. November 74 Wohnungen und 170 Objekte verschiedener Art freigegeben; das amerikanische Element 4 Wohnungen und 8 verschiedene Objekte, das britische 13 und 9, das französische 26 und 5, und das sowjetische Element 31 Wohnungen, 110 Untermieten und 38 verschiedene Objekte. Die Unterlagen über Beschlagnahmen und Freigaben werden zusammen mit den Verrechnungsstellen der Besatzungsmächte überprüft.

Da die Sowjets aber über keine gesonderte Verrechnungsstelle verfügen, ist es leider nicht möglich eine genaue Evidenz über die Beschlagnahmungen zu führen. Am 30. November waren in den Bezirken 1 bis 26 von den Besatzungsmächten beschlagnahmt:

Von den Amerikanern 427 Wohnungen und 156 Objekte, von den Engländern 11 und 26, von den Franzosen 247 und 69 und von den Sowjets 1.386 Wohnungen und 386 verschiedene Objekte. Insgesamt werden in Wien 2.071 Wohnungen und 637 Objekte von den Besatzungsmächten in Anspruch genommen. Außerdem sind in der sowjetischen Zone Wiens noch immer 1.062 verschiedene Objekte, darunter 886 Wohnungen, der Verfügungsgewalt der österreichischen Behörden dadurch entzogen, dass wohl die militärische Beschlagnahme durch die sowjetische Besatzungsmacht aufgehoben wurde, jedoch über deren Bedarf sowohl Zivilpersonen wie auch ganze Organisationen unter völliger Ignorierung der österreichischen gesetzlichen Bestimmungen dorthin eingewiesen wurden. Stadtrat Koci teilte ferner mit, dass man aus eben russischen Bezirken eingelangten Meldungen mit Bangen erkennen könne, dass das sowjetische Element neuerlich nach Wohnungen Ausschau hält.

18.12.1953: Tiberwasser für Wien

Fünfundzwanzig Schülerinnen und Schüler des römischen Liceo Torricelli wurden mit ihrem Professor im Wiener Rathaus empfangen. Die italienischen Jugendlichen werden einige Tage in Wien verbringen. Als Gruß Roms an Wien überreichte Prof. Dion Satolli, der Direktor des berühmten Lyzeums, eine Amphora mit Tiberwasser und Erde aus den frühchristlichen Katakomben der Ewigen Stadt.

19.12.1953: Die besten November-Plakate

Die beiden Plakate "Bensdorp das schwere Gewicht", Entwurf Atelier Schaupp und "Fewa die sanfte Wäsche", Entwurf Franz Bloemecke, wurden vom Wertungskollegium der Plakatwertungsaktion des Amts für Kultur und Volksbildung als die besten Plakate des Monates November ausgewählt.

21.12.1953: Die Gaswerke erwarten ihren 600.000 Kunden

Drei würdige Herren in Cut und Zylinder, der mittlere mit einem riesigen Blumenstrauß bewaffnet, blicken seit einigen Tagen erwartungsvoll von einem in den Straßenbahnwagen affichierten Plakat. Die drei Herren, so geht aus dem Text hervor, sind die Repräsentanten der Wiener Gaswerke und erwarten in der nächsten Zeit den 600.000 Gasabnehmer. Das originelle Plakat wurde bei einem Schülerwettbewerb der grafischen Lehr- und Versuchsanstalt gefunden, den die Gaswerke für diesen Zweck veranstalteten. Das beste Plakat, eben die würdigen Herren, schuf die angehende Grafikerin Fräulein Walennta.

Ende November zählten die Gaswerke bereits ihren 596.697. Kunden. Man rechnet damit, dass in den nächsten Monaten der 600.000. seinen Gasbezug anmeldet. Noch nie seit ihrem Bestehen hatten die Wiener Gaswerke so viele Kunden. Die Gasabgabe betrug 1952 nicht weniger als 315 Millionen Kubikmeter Leuchtgas. Heuer rechnet man mit einem noch größeren Quantum. Denjenigen Wiener, der sich unter der Nummer 600.000 anmelden wird, erwartet eine hübsche Aufmerksamkeit der Gaswerke, ein besonders schöner, moderner Gasherd, der auch gleich gratis installiert wird, oder ein anderes modernes Gasgerät.

22.12.1953: 85. Geburtstag von Hedwig Bleibtreu

Portrait Hedwig Bleibtreu

Die Schauspielerin begeht ihren 85. Geburtstag. Hedwig Bleibtreu

Am 23. Dezember vollendet die Hof- und Kammerschauspielerin Hedwig Bleibtreu ihr 85. Lebensjahr.

Als Tochter eines Schauspielerehepaares in Linz geboren, erhielt sie nach der Berufsausbildung ihr erstes Engagement in Augsburg und trat in der Folge an verschiedenen deutschen Bühnen auf. 1893 wurde sie dem Burgtheater verpflichtet, dem sie seither angehört. Die Künstlerin hat während ihrer 60-jährigen Tätigkeit in diesem Verband mehr als 200 verschiedene Rollen gespielt. Sie begann als Heroine und ging später zu anderen Fächern über, in denen sie ihre reife Meisterschaft bewies. Auch der Film bot ihr Gelegenheit, weite Bevölkerungskreise von ihrem großen Können zu überzeugen. Hedwig Bleibtreu repräsentiert in ihrer Person gleichzeitig die große Tradition des Burgtheaters und die moderne Schauspielkunst. Für ihre Leistungen erhielt sie u.a. das Bürgerrecht und den Ehrenring der Stadt Wien, den Burgtheaterring und den Professortitel.


23.12.1953: "Der Kaiser tanzt" und "Der weiße Schatten" - Die Preisträger aus dem Film- und Operettenwettbewerb der Stadt Wien

Stadtrat Mandl überreichte heute an die Preisträger aus dem Film- und Operettenwettbewerb der Stadt Wien Geldpreise und Anerkennungsdiplome. Für den Filmwettbewerb waren 922 Einsendungen eingelangt, der Operettenwettbewerb brachte 59 Libretti. Zweck der Wettbewerbe war, eine Übersicht über die Möglichkeiten zu bekommen, neue Filmideen zu verwirklichen und neue Operetten aufzuführen.

Das Preisgericht hat keinen ersten Preis verliehen, weil die drei in Konkurrenz stehenden Werke als nahezu gleichwertig betrachtet wurden. Statt dessen wurden drei zweite Preise zu je 2.000 Schilling, ein dritter Preis zu 1.000 Schilling sowie sechs Anerkennungspreise zu 600 Schilling vergeben.

Die Preisträger sind:

Dr. Reginald Földy (Wien), mit seiner Filmidee "Der weiße Schatten", ein Film im Ärztemilieu; ferner Gottfried Ortner (Graz), "Die Fuchsjagd" sowie Helene Grünberger (Wien), "Freundschaft fürs Leben".

Den dritten Preis erhielt Dr. Herbert Hentschel, Salzburg für "Fallschirmabsprung ins andere Leben", Anerkennungspreise wurden Benno Cermak, Wilhelm Guha, Gusty Mundt, Marie Pirkhert, Rudolf Schneeweis und Friedrich Wanek zugesprochen.

Die Jury stellte übereinstimmend fest, dass die mit Preisen ausgezeichneten Werke sich formal und thematisch im konventionellen Stil halten, also nicht geeignet sind, der Wiener Operette neue Wege zu weisen. Die Werke sind jedoch jederzeit für eine Bühnenaufführung geeignet.

Den ersten Preis von 5.000 Schilling erhielt Camillo Faust (Wien), für die Operette "Der Kaiser tanzt". Den zweiten Preis von 3.000 Schilling erhielt Karl Nästlberger (Wien), für die Operette "Trauben für die Kaiserin", der dritte Preis von 2.000 Schilling ging an Dr. Johannes Brandt (Wien) für die Operette "Der große Komödiant".

30.12.1953: Ausländische Schachspieler im Rathaus

Dreißig Meister des königlichen Spiels aus den Städten Antwerpen, Belgrad, München, Zürich, Salzburg und Wien, die gegenwärtig an dem großen Internationalen Wiener Schachturnier teilnehmen, wurden heute von Bürgermeister Jonas empfangen.

31.12.1953: Flamingos und Rehe als Silvestergeschenk

Ein von den städtischen Gärtnern seit langem gehegter Wunsch ging noch am letzen Tag des Jahres in Erfüllung: die Stadtgartendirektion ist im Besitz einer prächtigen Flamingofamilie. Die eleganten rosaroten Stelzvögel wurden sofort nach ihrer Ankunft in Wien in die Winterquartiere auf der Hohen Warte gebracht. Das Stadtgartenamt konnte am Silvestertag noch eine zweite freudige Überraschung erleben, nämlich die Ankunft eines Rehpaares, das für den Türkenschanzpark bestimmt ist. Ein eigenes Gehege für die Rehe wird nächst der Milchtrinkhalle vorbereitet.

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