Theorien zur Entstehung der Homosexualität

Es gibt viele verschiedene Theorien zur Entstehung der Homosexualität, die sich in drei große Gruppen einteilen lassen. Theorien der ersten Gruppe besagen, dass jeder Mensch bereits mit einer bestimmten sexuellen Orientierung zur Welt kommt. Nach den Theorien der zweiten Gruppe wird jeder Mensch in seiner Kindheit und Jugend von seiner sozialen Umwelt beeinflusst und dementsprechend homo- oder heterosexuell. Theorien der dritten Gruppe schließlich glauben an die Existenz von Kofaktoren, das heißt, dass bei einem Menschen vorhandene genetische Anlagen in den ersten Lebensjahren durch das soziale Umfeld verstärkt werden müssen, damit es zur homosexuellen Entwicklung kommen kann.

Es stellt sich die Frage, ob und warum man Homosexualität überhaupt erklären will. Dahinter scheint immer wieder der Gedanke zu stehen, eine Abweichung von der Norm, ein Anderssein nicht erklären, sondern vielmehr rechtfertigen zu wollen.

In die erste Gruppe fallen jene Theorien, die an genetische Ursachen glauben, also an die Existenz eines "schwulen/lesbischen Gens". Ein Nachweisdieser Theorie oder gar das Auffinden eines solchen Gens gelang jedoch nicht.

Widerlegt ist heute die These, dass der Hormonhaushalt der Mutter während der Schwangerschaft Ursache für die homosexuelle Entwicklung des Kindes ist. Es gibt da nachweislich keinen Zusammenhang.

Theorien der zweiten Gruppe, die also soziale Faktoren als Ursache der homosexuellen Entwicklung sehen, sind heute ebenso widerlegt. Statistisch gesehen machen homosexuelle Menschen in der Kindheit die gleichen Erfahrungen wie heterosexuelle: Bestimmte Erziehungsstile, Scheidung oder Tod der Eltern und andere einschneidende Erlebnisse sind in der Kindheit homosexueller Menschen nicht öfter anzutreffen als in der Kindheit heterosexueller Menschen. Daraus folgt, dass der Erziehungsstil, eine etwaige Scheidung, der Tod eines Elternteiles oder andere Vorkommnisse in der Kindheit keinen Einfluss darauf haben, ob jemand hetero- oder homosexuell wird.

Besonders hartnäckig hält sich die so genannte "Verführungstheorie". Sie geht von der Annahme aus dass ein heterosexueller Jugendlicher von einem älteren schwulen Mann zu einem sexuellen Kontakt verführt wird, obwohl der Jugendliche diesen nicht möchte, und dann, bedingt durch diesen einmaligen sexuellen Kontakt, homosexuell wird. Diese Theorie ist heute wissenschaftlich längst widerlegt. Die meisten Homosexuellen wissen im Innersten schon lange Jahre, bevor sie überhaupt die Erste sexuelle Erfahrungen machen, dass sie gleichgeschlechtlich empfinden. Und viele homosexuelle Menschen hatten vor ihrem Coming-out Beziehungen zum anderen Geschlecht - ohne dadurch zur Heterosexualität "verführt" worden zu sein!

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