Fachtagung "Versinkt die Welt im Müll? Strategien zur Abfallvermeidung und -verwertung im entwicklungspolitischen Kontext" - Rückblick

Die Stadt Wien thematisiert Chancen und Risken beim Umgang mit Müll

Drei TeilnehmerInnen an der Konferenz

DI Josef Thon (MA 48), Susanne Bluma (Abgeordnete zum Gemeinderat), Mike Anane (Journalist)

Anlässlich der diesjährigen Wiener entwicklungspolitischen Fachtagung sprachen am 6. Dezember 2011 im Wiener Rathaus Expertinnen und Experten zu aktuellen Fragen rund um das Thema Müllvermeidung und Recycling. Auch in den Entwicklungsländern wird der Müll durch Urbanisierung und veränderte Lebensgewohnheiten ständig mehr.

Er stellt dort einerseits eine gesundheitliche Bedrohung dar. Andererseits ist das Sammeln und Wiederverwerten von Wertstoffen für Millionen Menschen zu einer unverzichtbaren Einkommensquelle geworden. Zwar sind in den Entwicklungsländern noch immer 70 Prozent der Abfälle organische Reste, doch tendenziell werden global die Mengen an anorganischem Müll immer größer. Zum Vergleich: In den ärmsten Ländern der Welt werden pro Kopf und Tag circa 60 Dekagramm Müll produziert. In den reichen Staaten des Nordens sind es doppelt oder dreimal so viel.

Ghana als Endlager für Elektronikmüll

Mike Anane, Umweltjournalist aus Ghana, informierte die interessierten Besucherinnen und Besucher über die Problematik der illegalen Exporte von Elekronikabfällen in seine Heimat. Nicht mehr benötigte PCs und Spitalsmüll landen dort auf offenen Deponien, wo sie von Kindern ohne Schutzausrüstung zerlegt und nach verkaufbaren Metallen durchsucht werden. Gravierende Gesundheitsschäden durch Vergiftungen mit Blei, Cadmium und andere toxische Stoffe sind die Folgen. Mike Anane appellierte in seinem Referat an die Verantwortlichen, mehr für Recycling im Herkunftsland zu unternehmen, anstatt den Entwicklungsländern die Bürde der Entsorgung des Hightechmülls aufzuerlegen.

Die Müllsammlerinnen von Kapstadt

Die Magistratsdirektion - Geschäftsbereich Europa und Internationales (MD-EUI) der Stadt Wien unterstützt im Rahmen der Wiener Entwicklungszusammenarbeit das Projekt "Obdachlos, nicht hilflos" in Kapstadt. In der südafrikanischen Metropole erzielen obdachlose Frauen durch das Sammeln von Müll in den Siedlungsgebieten beziehungsweise durch den Weiterverkauf der Wertstoffe ein eigenes Einkommen. Mit sozialarbeiterischer Begleitung entkommen sie schrittweise dem Kreislauf von Armut, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und Gewalt. Aus einigen Abfällen werden in liebevoller Handarbeit auch kleine Kunstwerke hergestellt, deren Verkauf eine zusätzliche Einkommensquelle darstellt.

Essen ist kein Müll

Auf großes Echo stieß der Vortrag von Martin Haiderer, dem Gründer der Wiener Tafel. Rein rechnerisch müsste niemand auf der Welt hungern, werden doch in Europa mehr Lebensmittel weggeworfen, als zur Beseitigung des weltweiten Hungers nötig wären. Diese Statistik macht betroffen: In Wien wird täglich die Menge an Brot entsorgt, die die Stadt Graz verbraucht. Ein Viertel der produzierten Lebensmittel landen aufgrund von Überproduktion hierzulande im Müll. Der Wert von 380 Euro pro Kopf wird in Österreich an noch genießbaren Lebensmitteln vernichtet. Die Wiener Tafel hat es sich erfolgreich zur Aufgabe gemacht, dieser Nahrungsmittel an sozial Bedürftige abzugeben.

Die "Drei R-Regel" gilt weltweit

Auch den Positionen der Expertinnen und Experten der Wiener Magistratsabteilung 48, der Universität für Bodenkultur und des Lebensministeriums war eines gemeinsam: die globale Bedrohung durch Müll kann nur durch einen bewussten Umgang mit den Ressourcen begegnet werden. Dazu kann jeder einen Betrag durch die Anwendung der "Drei R-Regel" leisten:

  • Die Reduzierung der Müllmenge (reduce)
  • Die Weiterverwendung der Produkte durch Reparatur oder Umwandlung zu anderen Waren (re-use)
  • Die Förderung der Wiederverwertung (recycle)

Weiterführende Informationen

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Silvia Pfister (Magistratsdirektion - Geschäftsbereich Europa und Internationales)
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