1995: Die Idee der "Digitalen Stadt"

In den Anfängen des Internet war der Web-Pioniergeist von der Vision der "Digitalen Stadt" beherrscht. So hatten die europäischen Städte Amsterdam und Berlin bereits 1995 über zehntausend Bürgerinnen und Bürger mit Modemzugang, die ihre digitalen Städte zu den größten Communities in Europa machten. Die Idee der "Digitalen Stadt" sollte nun auch in Wien gelebt werden: wien.at war geboren!

1995 stellte der Internetanbieter "Blackbox" ein Forensystem und E-Mail-Adressen zur Repräsentation im Word Wide Web zur Verfügung. Wer in der damals noch jungen Internetszene etwas auf sich hielt, war in der "Blackbox" vertreten.

Der damals zuständige "Internet"-Stadtrat Hannes Swoboda (SPÖ) war einer der Ersten, der die Chancen des neuen Mediums für die Stadt Wien erkannte. Swoboda richtete auf der "Blackbox" ein Diskussionsforum mit dem Titel "Swobochat" ein und beantwortete im Februar 1995 bei der "Global Village"-Ausstellung im Rathaus via Internet Anfragen der Bürgerinnen und Bürger.

Im Sommer 1995 gab Swoboda ein Projekt mit dem Namen "Wien.at - Digitale Stadt" in Auftrag, das mit dem bereits vorhandenen Rathausinformationssystem "Wien Online" (unter www.magwien.gv.at erreichbar) verknüpft werden sollte.

Die Wiener Stadtverwaltung setzte auf die Zusammenarbeit mit der "Blackbox" und verpflichtete die Firma "Datenwerk", damals für den Betrieb der "Blackbox" verantwortlich, für das Projekt "Wien.at - Digitale Stadt".

Fiktive U-Bahn-Linie "D2" führt ins (virtuelle) Rathaus

Der Netzplan von wien.at aus dem Jahr 1995

Bei "Datenwerk" verzichtete man auf das schon vor zehn Jahren überstrapazierte Bild von der "Datenautobahn" oder dem "Info-Highway" und griff stattdessen die Stadtmetapher "U-Bahn" auf.
Unter der Internet-Adresse www.wien.at startete im Dezember 1995 die "Digitale Stadt", parallel dazu war unter www.magwien.gv.at das offizielle Web-Angebot der Wiener Stadtverwaltung, "Wien Online", erreichbar.

So führte die fiktive U-Bahn-Linie "D2" direkt ins Rathaus, wobei insgesamt sechs so genannte "Untergrund-Daten-Bahn-Linien" im Entwurf vorgesehen waren: Politik, Kultur, Sightseeing, Freizeit, Wirtschaft/Medien und Service. Verließ man die virtuelle U-Bahn, trat man in die Stadt mit all ihren "Gebäude-Metaphern" - also in virtuelle Ämter, Vereine, Kunst- oder Bürgerinitiativen.

Die österreichische Tageszeitung "Kurier" titelte am 15. November 1995: "Spatenstich für die digitale Stadt". Am 6. Dezember 1995 eröffnete dann endlich die "Digitale Stadt" im Internet. Der Auftrag für den Betrieb der Seite lief bis Ende Juli 1996 und wurde dann nicht mehr weiter verlängert, da man sich dem Ausbau des erfolgreichen Internet-Angebots "Wien Online" widmen wollte.


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