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Bonifaz Wolmuet

Grundrissplan der Stadt Wien. 1547
Reproduktion durch Albert Camesina in Farblithographie 1857/1858). Maßstab 1 : 792, Ausrichtung nach Südwest.

Nach der Türkenbelagerung von 1529 musste die Stadtbefestigung erneuert und modernisiert werden, was aus finanziellen Gründen nur sehr schleppend vor sich ging. 1547 ließ die Stadt Wien durch Augustin Hirschvogel eine Grundrissaufnahme der Stadt anfertigen, die als Grundlage für weitere Planungen dienen sollte. Einer der Mitarbeiter Hirschvogels, der Steinmetzmeister Bonifaz Wolmuet (geboren um 1500 in Überlingen am Bodensee, verstorben vor April 1579 Prag?), nahm noch im selben Jahr auch eine eigene, unabhängig von Hirschvogel erstellte Stadtaufnahme vor und fertigte einen Stadtplan mit folgendem Titel an:

Die fürstlich Stat Wien in Osterreich wie Sy in Irem vmbschwaif oder zarg beslossn. aus Rechter Geometruscher Maß in grundt nidergelegt vnd gerissn sambt Iren Nümeren, Schregn, Ausslegn oder schmiegn. Nach der Maur herumb mit den Pasteien Thurnen vnd Grabn. Wie sy dan zum Tail gemacht vnd noch zumachn von nötn aus disem hienach gesetztn Tailer oder Masstab der in 100 Claffter Inhalt des obgesetztn werhschuch abgetailt vnd in die verkhürtzung oder verjüngung züsamen gezogn vnd gebracht wie vor augen ...

Dieser Stadtplan, eine kolorierte Federzeichnung, 192 x 233 cm, wird heute im Wien Museum am Karlsplatz aufbewahrt (Inv. Nr. 31.021). Er war bereits im 19. Jahrhundert schlecht lesbar. 1857/58 veröffentlichte Albert Camesina im Rahmen des "Alterthumsvereines zu Wien" (heute: Verein für Geschichte der Stadt Wien) eine originalgroßen Abdruck dieses Planes als Farblithographie in neuen Blättern. Diese Reproduktion muss heute zur Deutung der vielen nicht mehr lesbaren Stellen des Originals herangezogen werden, daher ist sie hier wiedergegeben. Dargestellt ist die Stadt innerhalb des Mauerrings und der unmittelbar angrenzende Vorstadtbereich. Sowohl die Stadt als auch die Befestigungen werden im Grundriss gezeigt. Der mittelalterliche Bestand der Stadtmauer ist rot hervorgehoben, die eingezeichneten vorgelagerten Basteien sind großteils als Projekte zu werten. In der Stadt findet man die Parzellengrenzen und Baukörper bis hin zu Hauseinfahrten. Die eingezeichneten Kirchengewölbe entsprechen allerdings nicht der Realität. Der Plan weist Längenangaben für die einzelnen Abschnitte der Stadtmauer, die Abmessungen der geplanten Basteien und teilweise auch Längen und Breiten von Straßen in Klaftern auf. Wichtige Gebäude sind benannt, wobei alles, was rot beschriftet ist, nicht der Jurisdiktion der Stadt Wien unterlag. Der Vorstadtbereich ist nicht im Grundriss, sondern in Vogelschaumanier dargestellt, der Plan ist nach Südwesten ausgerichtet.
Wiener Stadt- und Landesarchiv, Kartographische Sammlung 236 G.


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