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Daniel Suttinger

Daniel Suttinger, Grundrissplan der Stadt Wien. 1683 (1684) (Reproduktion durch Albert Camesina als Lithographie 1876)
Maßstab ca. 1 : 1800, Ausrichtung nach Südwesten.

Nach der Ersten Türkenbelagerung von 1529 war die Wiener Stadtbefestigung in mehreren Phasen zu einer modernen Festung nach italienischer Manier mit Bastionen ("Basteien") und später auch Ravelins ("Schanzen", Vorwerke) grundlegend umgestaltet worden. Als man Anfang der 1670er Jahre zur Fertigstellung gelangte, bestand wohl der Wunsch nach einer Dokumentation des Endzustandes. Der Sachse Daniel Suttinger (1640 Penig - um 1690 Dresden?) wurde 1671/72 beauftragt, ein Holzmodell der Stadt anzufertigen. Nach dessen Ablieferung 1680 war er auch weiterhin mit Vermessungsarbeiten in Wien befasst. Er war während der Zweiten Türkenbelagerung 1683 in der Stadt und hielt die Situation an der entscheidenden und meistumkämpften Stelle, zwischen Kärntner und Mölker Bastei, ebenso planlich fest wie die Entsatzschlacht. Noch 1683 zum Hauptmann ernannt, ging er 1686 zurück nach Dresden. Suttingers Modell der Stadt ist leider nicht erhalten geblieben, lediglich ein zwar mit 11. Dezember 1684 datierter Grundrissplan ist uns heute bekannt:

Wienn in Oesterreich, auff Ihro Keyserliche Mayest. Allergnedigste Befelung in Grundt gelegt Und in gegenwärtigen Riß: verfertiget Durch Daniel Suttinger...

Das Original des Plans - vermutlich das Konzept zu einer nicht erhaltenen oder nicht mehr erstellten Reinzeichnung - befand sich im Stift Heiligenkreuz. 1939 musste ihn das Stift an die Stadt Wien verkaufen, die ihn Adolf Hitler anlässlich seines 50. Geburtstags zum Geschenk machte. Seitdem gilt der Plan als verschollen. Er wird hier daher nach einer lithographischen Reproduktion durch Albert Camesina wiedergegeben.
Der Plan, eine Federzeichnung auf Papier im Ausmaß: von zirka 98 x 108 cm, zeigte die Befestigungsanlagen in Vogelperspektive, das Stadtinnere aber als Grundriss, wohl im Zustand um 1683. Alle Häuser sind mit ihren Innenhöfen oder Gärten sowie fast durchgängig mit den Namen der Besitzer eingezeichnet, die nach einer stichprobenweisen Überprüfung mit den Eintragungen in den städtischen Steueranschlagsbüchern für das Jahr 1684 übereinstimmen dürften. Darüber hinaus wurden durch unterschiedliches Kolorit die Gebäude des Kaisers, der Geistlichkeit, der Landstände, Freihäuser, Häuser des Magistrates und bürgerliche Häuser gekennzeichnet und die wichtigsten Amtsträger der landesfürstlichen und städtischen Behörden angeführt.
Wiener Stadt- und Landesarchiv, Kartographische Sammlung 881.


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