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Joseph Anton Nagel

Joseph Anton Nagel u.a., Grundrissplan von Wien mit Vorstädten und Linienwall. 1770-1773 (1780/81).
Radierung und Kupferstich auf 16 Blättern, Maßstab 1 : 2592, Ausrichtung nach Südwest.

In den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts gab es bereits sehr konkrete Überlegungen zur Auflassung der Stadtbefestigung und zur Verbauung des davorliegenden Glacis (ein Vorhaben, dass erst fast hundert Jahre später mit dem Ringstraßenbau verwirklicht wurde). Daher wurde 1767 der Hofmathematiker Nagel (1717 Rietberg, Westfalen - 1794 Wien) mit der Vermessung Wiens innerhalb des Linienwalls und der Anfertigung eines Grundrissplans beauftragt. Die tatsächlichen Arbeiten begannen jedoch erst 1770. Im Jahr darauf war der Plan der Innenstadt fertig, bis 1773 war die gesamte Arbeit, an der auch die Ingenieure Franz Gruß und Joseph Neußner mitwirkten, abgeschlossen. Aus finanziellen Gründen kam die Drucklegung des Plans erst 1780/81 zustande (Stecher Georg Baumgartner), wobei die Darstellung der Festungswerke verändert werden musste, aber einige Aktualisierungen vorgenommen werden konnten:

Grundriß der Kayserlich-Königl.en Residenz-Stadt Wine, Ihrer Vorstädte und deren anstoßenden Orte.

Dieser Stadtplan enthält erstmals auch die neuen Konskriptionsnummern, die 1770 angeordnet wurden und die erste offizielle Häusernummerierung darstellen. In der Innenstadt und in jeder einzelnen Vorstadt wurde mit der Nr. 1 neu begonnen und sodann die Häuser durchlaufend fortgezählt. Ein zweibändiges handschriftliches Häuserverzeichnis, das möglicherweise parallel zur Planerstellung entstanden war, wurde 1779 in modifizierter Form gedruckt, als Autor scheint Franz de Ponty auf, der auch an der Konskription mitgewirkt hatte. Mit diesem Plan liegt daher erstmals eine parzellenscharfe Aufnahme des gesamten Stadtgebiets innerhalb des Linienwalls samt Verzeichnis der Hausbesitzer vor, gewissermaßen ein Vorläufer der späteren Katastralaufnahme.
Wiener Stadt- und Landesarchiv, Kartographische Sammlung 5.


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