Wiener Wappenbuch (1626 bis 1736)
Im Jahr 1626 entschlossen sich Bürgermeister Daniel Moser und die Ratsherren von Wien dazu, ihre Wappen und Taten in einem eigenen Buch festzuhalten. Die städtischen Amtsträger präsentierten sich darin angesichts der Gegenreformation als neue katholische Führungsschicht. Die Wappen sollten gleich nach Amtsantritt von einem Maler angefertigt werden, auch ein Lebenslauf ist erhalten. Immer wieder gab es Unterbrechungen in der Führung des Buchs. Nach 1692 wurde das Wappenbuch nur noch selten ergänzt. Der letzte Eintrag stammt aus dem Jahr 1736.
Wiener Wappen
Das Wappen der Stadt Wien wurde der Stadt in der dargestellten Form von Kaiser Friedrich III. im Jahr 1464 verliehen. Das Recht, den kaiserlichen Doppeladler zu führen, erhielt die Stadt schon durch den Wiener Wappenbrief von 1461. 1464 wurde das Wappen in leicht veränderter Form neu verliehen. Es zeigt im schwarzen Schild einen goldenen Doppeladler, belegt mit einem roten Schild mit silbernem Kreuz. Als Schildhalter sind der Heilige Leopold als Landespatron und der Heilige Stephan als Stadtpatron dargestellt. Als Bekrönung finden sich die Flaggen des Heiligen Römischen Reiches und Österreichs. Die kleinen Wappen unten zeigen das habsburgische Familienwappen sowie das Wappen der Österreichischen Länder.
Historische Ereignisse im Wappenbuch
Dreißigjähriger Krieg
Auf den Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 spielt das Wappen von Daniel Moser an. Moser war einer der bedeutendsten Bürgermeister der frühen Neuzeit. Zwischen 1610 und 1637 regierte er Wien in drei Amtsperioden mit Unterbrechungen 23 Jahre lang. 1619, als die protestantischen Truppen vor Wien standen, bewaffnete er die katholischen Bürger und Studenten und ließ im Verlauf des Sturms der protestantischen Landherren auf die kaiserliche Burg den katholischen Truppen das Fischertor an der Donaufront öffnen. Dadurch rettete er die Situation für den Kaiser. Im Wappenblatt Mosers wird auf diese Ereignisse mehrfach Bezug genommen: Auf den Krieg deuten die drohenden Wolken hin, die Toröffnung wird durch die Schlüssel in den Händen des Engels symbolisiert. Ein weiteres sprechendes Element ist das Herz in den Händen des rechten Schildhalters mit der Flagge des Kaisers und dem Wappen der Stadt.
Türkenbelagerung
Die Belagerung Wiens durch das türkische Heer im Jahr 1683 fand ebenfalls Niederschlag im Wappenbuch. Der Stadtrichter Simon Stephan Schuster erwarb gemeinsam mit Bürgermeister Andreas Liebenberg große Verdienste um die Verteidigung der Stadt und wurde nach dessen Tod zu seinem Nachfolger gewählt. Während auf anderen Seiten des Buches die Wappen ins Zentrum der Gestaltung rücken, werden auf der Seite von Simon Stephan Schuster die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit dargestellt.
Verantwortlich für diese Seite:Wiener Stadt- und Landesarchiv (Magistratsabteilung 8)
Kontaktformular



