Krankengeschichte von Felix Janauschek (1927 bis 1943)

Felix Janauschek
In der Jugendfürsorgeanstalt "Am Spiegelgrund" wurden in der Zeit des Nationalsozialismus an die 800 Kinder mit geistiger Behinderung umgebracht. Um die Ermordung zu verschleiern, wurden den Kindern so lange überdosierte Medikamente verabreicht, bis sie an den Folgen starben. Unter den Opfern war auch Felix Janauschek, geboren am 4. März 1927 in Wien.
Meldung eines "Falls von Idiotie"
Felix Janauschek bekam mit acht Jahren Kinderlähmung. Am 4. August 1941 wurde er in die Jugendfürsorgeanstalt "Am Spiegelgrund" eingeliefert. Den Vorschriften entsprechend meldete der behandelnde Arzt, Dr. Erwin Jekelius, den Fall noch im Oktober 1941 nach Berlin. Seine Diagnose im Meldebogen lautete auf "Körperlich dem Alter entsprechend entwickelt, geistige Entwicklung Idiotie". Des Weiteren hielt er fest, dass "keinerlei Arbeitseinsatzfähigkeit zu erwarten" sei.
Brief der verzweifelten Mutter
Schon im September 1941 schrieb die Mutter von Felix Janauschek einen Brief an die Anstaltsleitung, um ihr Kind wiederzubekommen. "Ich kann im Amt schon keinen klaren Gedanken mehr fassen seit mir die Fürsorgerin in der Lustkandlgasse gesagt hat ich bekomme mein Kind nicht weil es 14 Jahre ist. Das Kind hat Kinderlähmung gehabt, ich hatte mir den rechten Arm gebrochen, kein Mädchen, niemand zum helfen, so gab ich ihn weg aber ich hätte ihn ja auf die Dauer auch nicht in Preßbaum lassen können, da er so abmagerte. Nun macht man mir solche Schwierigkeiten und ich weiß nicht warum. Wir sind schon so fertig mit unseren Nerven. (...) Ich bitte unbedingt Vorsorge zu treffen, daß unser Kind Felix Janauschek geb. 4. März 1927, derzeit Pav. 17 nicht wegkommt. Man hat der Frau, die ich schickte, gesagt, man weiß noch gar nichts, daß ich ihn verlangt habe. Ja um Himmels Willen, wem soll ich denn da glauben. Die Fürsorgerin vom Jugendamt sagt wieder draußen dauert es so lange. Ich laß mich jetzt nicht mehr hin- und herschicken wie einen Bettler. Ich will mein Kind. Mein lebendes Kind..."
Ausfolgeverbot
Ständige Anfragen der Mutter, die ihr Kind nach Hause nehmen möchte, wechseln sich mit ablehnenden und hinauszögernden Antworten von der Abteilungsärztin Dr. Helene Jokl und vom Anstaltsleiter Dr. Ernst Illing ab, der ein "Ausfolgeverbot" verhängte. Die mütterliche Sorge wurde im zusammenfassenden Gutachten als "hysterisch" bezeichnet. Der Gesundheitszustand des Sohnes beunruhigte die Mutter: "Aber wir können uns nicht denken, warum er so ruhig ist. Er hat gerne auf der Stange und den Ringen geturnt, er war so kräftig, konnte heben und tragen, jetzt macht er einen so schlappen Eindruck."
Exitus letalis
Am 4. März 1943 erkrankte Felix Janauschek an Grippe. Am Tag darauf wurde er in das Parterre des Sterbepavillons 15 verlegt. Dort registrierte man "Schlechte Nahrungsaufnahme. Starkes Nasenbluten" und bald darauf eine beginnende Lungenentzündung. Am 13. März erfolgte eine amtliche "Schlechtmeldung" an die Angehörigen, um sie über den schlechten Gesundheitszustand des Kindes zu informieren. Drei Tage später war Felix Janauschek tot. Die letzte Angabe in der Krankengeschichte stammt vom 16. März 1943: "Um 15 Uhr Exitus letalis. Todesursache: Lungenentzündung. Diagnose: Höchstgradige Demenz nach cerebraler Kinderlähmung."
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