Haydn-Verein - Wiener Tonkünstler-Societät

Unterschrift von Antonio Salieri

Schreiben Antonio Salieris im Namen des Haydn-Vereins (1811)

Die "Tonkünstler-Societät" war seit ihrem Bestehen 1771 eine zentrale Institution im musikalischen Leben Wiens. Die auch als "Gesellschaft der Wiener Tonkünstler zum Unterhalte ihrer Witwen und Waisen" bezeichnete Einrichtung war der erste und bis zur Gründung der "Gesellschaft der Musikfreunde" 1811 der einzige private Konzertverein der Donaumetropole. Bald zählten die bekanntesten Musiker der Donaumonarchie zu den Mitgliedern der Tonkünstler-Societät, so etwa die Komponisten Joseph Haydn, Antonio Salieri, Josef Bayer, Josef Hellmesberger, Robert Fuchs, Johann Nepomuk Hummel, Paul Wranitzky oder der Violinist Arnold Rosé.

1862 wurde die Gesellschaft neu organisiert und nannte sich ab da im Andenken an den 1809 verstorbenen Joseph Haydn "Haydn-Witwen- und Waisen-Versorgungs-Verein der Tonkünstler in Wien". Das Verwaltungsschriftgut des Vereins kam nach seiner Auflösung 1939 an das Wiener Stadt- und Landesarchiv.


Gründung 1771

Vereinsstatuten der Tonkünstler-Societät, Text: Entwurf oder Grundregeln der von Thron & Majestät zum Unterhalt der Wittwen und Waisen begnehmigten Ton-Künstler Gesellschaft in Wien 1771

Entwurf der Grundregeln der Tonkünstler-Societät (1771)

Wie aus der ersten Bezeichnung der Vereinigung deutlich hervorgeht, wurde die Gründung vorgenommen, um die Witwen und Waisen verstorbener Musiker zu versorgen. Die Musiker machten mit der Einrichtung einer Versorgungskassa einen Schritt in Richtung Emanzipation von den adeligen Brotgebern, auf die die Hinterbliebenen von Musikern bisher angewiesen waren. Die Gründung fand unter Patronanz des Hofes statt. Im Dekret Maria Theresias vom 23. Februar 1771 genehmigte die Landesherrin nicht nur die Gründung der Gesellschaft, sondern gewährte der Kassa eine "Gnadengabe" von 500 Dukaten.

Die Beziehung der Gesellschaft zu Hof und Adel war eng. So war der Gründer der Gesellschaft, Florian Leopold Gassmann (1729 bis 1774), ab 1772 Hofkapellmeister. Der erste "Protector" der Gesellschaft, Johann Wenzel Graf von Spork (1724 bis 1804), war nicht nur adeliger Mäzen und Musikliebhaber, sondern als Hofmusikgraf Leiter der Musik-, Opern- und Theateraktivitäten des Hofes. Das Modell der Wiener Tonkünstler-Societät war nicht nur Vorbild für zahlreiche ähnliche Gründungen im Habsburgerreich, sondern auch in Berlin (1801) und St. Petersburg (1802).


Joseph Haydn und die Tonkünstler-Societät

Siegelstempel mit Haydnportrait

Siegelstempel des Haydn-Vereins

Eine wichtige Einnahmequelle für die Tonkünstler-Societät waren die als "Akademien" bezeichneten Konzerte. Es standen hier oft Werke von Joseph Haydn auf dem Programm. Einige waren eigens für die Akademien komponiert worden. Trotz des Ansehens von Haydn scheiterte 1778/79 sein erster Versuch, in die Gesellschaft aufgenommen zu werden. Haydn wollte das Beitrittskapital nicht einzahlen und bot stattdessen an, für die Akademien komponieren zu wollen. Da er über die Erstellung von zukünftigen Arbeiten keine schriftliche Bestätigung beibringen wollte, wurde der bereits beschlossene Beitritt annulliert.

Dennoch unterstützte Haydn die Gesellschaft weiterhin. 1793 dirigierte er auf einer Akademie selbst seine Londoner Sinfonien. Schließlich beschloss die Tonkünstler-Societät 1797, Joseph Haydn im Ansehen seiner unvergleichlichen Verdienste um die Societät zu ihrem Ehrenmitglied zu machen. Als man 1862 die Vereinigung neu organisierte und als Verein konstituierte, wählte sie den großen Komponisten zum Namenspatron.


Weiterführende Literatur

Claudia Pete, Geschichte der Wiener Tonkünstler-Societät (Diss. Wien 1996)

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Wiener Stadt- und Landesarchiv (Magistratsabteilung 8)
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