Felix Slavik in der Stadthauptkasse (1959)
Nach Kriegsende konzentrierte sich die Wirtschaftspolitik der Stadt Wien auf den Wiederaufbau. Die Kernaufgaben lagen daher in der Wiederherstellung der Infrastruktur, im kommunalen Wohnbau und in der sozialen Wohlfahrt. Angesichts sprudelnder Steuereinnahmen konnte unter Finanzstadtrat Felix Slavik eine gewaltige Geldreserve angespart werden. Sie sicherte der Gemeinde Wien einen finanziellen Polster bei ihren Investitionen.
Vom Seidenweber zum Bürgermeister
Felix Slavik war gelernter Mechaniker und Seidenweber. Schon früh engagierte er sich in der Sozialdemokratischen Partei und in der Gewerkschaft. Im Ständestaat und im Nationalsozialismus verbrachte er als politischer Gefangener mehrere Jahre in verschiedenen Gefängnissen. Seine politische Karriere begann 1945 als Stadtrat für Wohnungswesen. Danach wurde er Nationalratsabgeordneter und Wiener Landesparteisekretär. Ab 1957 war Slavik als Finanzstadtrat tätig, 1959 wurde er Vizebürgermeister. Vor allem die Wahl 1959 hatte den Charakter einer Weichenstellung, denn noch nie zuvor war ein Finanzmann in diese Schlüsselposition gelangt. 1970 wurde Slavik schließlich zum Bürgermeister gewählt.
Stolz auf "Rathausmilliarde"
Slaviks wirtschaftspolitisches Credo hatte widersprüchliche Züge. So verstand er sich mehr als kommunaler "Säckelwart" denn als Erneuerer. Die Finanzpolitik blieb vorsichtig. Anfang 1958 saß Wien auf Finanzreserven von 650 Millionen Schilling, Ende 1969 von 1,377 Milliarden. Man sprach stolz von der "Rathausmilliarde". Diese Spargesinnung demonstrierte Slavik auch gerne öffentlich, so etwa bei einem Besuch als Finanzstadtrat in der Stadthauptkasse am 21. April 1959.
Anlaufstelle für Geldangelegenheiten
Seit 1946 gehörte die Stadthauptkasse zur damals neu geschaffenen MA 6. Diese hatte den Buchhaltungsdienst, die Stadtkassen, die Hauptverrechnung und den Exekutionsdienst inne. In den Stadtkassen konnten unterschiedliche Landes- und Gemeindeabgaben beglichen werden. Gleichzeitig waren sie auch für die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung zuständig. Durch ihre Aufgaben waren die Stadtkassen auch dementsprechend bekannt in der Wiener Bevölkerung. Sie eigneten sich daher sehr gut als Kulisse, um wirtschaftliche Umsichtigkeit und Sparwillen symbolisch zum Ausdruck zu bringen.
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