Projektplan zum Glacis (1829/30)

Plan mit Hafen, Festungsmauern, Holzlagern und Parks

Projektplan zum Glacis 1829/30

Im Zuge der Napoleonischen Kriege hatten sich die Befestigungsanlagen Wiens beim Angriff der französischen Truppen 1809 als weitgehend wirkungslos herausgestellt. In den darauffolgenden Jahren wurde der breite Sperrgürtel, der die Festungswerke umgab, von der Bevölkerung immer häufiger infrage gestellt. Die militärische Bedeutung des Glacis, wie dieser Grüngürtel genannt wurde, war gering. Gleichzeitig verhinderte das Bebauungsverbot, dass diese günstig gelegenen Flächen einer gewinnbringenden Nutzung zugeführt werden konnten.

Genaue Geländeabmessungen

Plan 106.195 aus dem Bestand "Plan- und Schriftenkammer" im Wiener Stadt- und Landesarchiv zeigt einen Projektplan von 1829/30, in dem ein Entwurf zur Neugestaltung des südlichen Glacisbereichs (Schubertring bis Stubenring) zu sehen ist. Neben einer detaillierten Darstellung der Befestigungsanlagen ist in schwarzer Tinte die Höhe des Terrains eingetragen, in roter Tinte die Höhe der Mauern und Abhebungen. Erst die genauen Abmessungen machten eine präzise Planung der neuen Anlagen möglich.

Wirtschaftliche Nutzung des Glacis

Der Projektplan zeigt deutlich, dass das Gebiet am Rande des Glacis damals bereits wirtschaftlich intensiv genutzt wurde. Hier befanden sich Mehlmagazine, Holzlagerstätten, Heu- und Strohmarkt und auch der Trödelmarkt, wo Waren in dutzenden Bretterbuden verkauft wurden. Ebenfalls eingezeichnet ist das "Verbrennhäusel", ein staatliches Gebäude zur Vernichtung von außer Kurs gesetzten Wertpapieren und Banknoten.

Wiener Hafen

Im Bereich des heutigen Bahnhofs Wien Mitte findet sich der Wiener Hafen eingezeichnet. Dieser Hafen des Wiener Neustädter Kanals war Anlegestelle für viele Frachtkähne, die täglich die Stadt belieferten. Verantwortlich für den Bau des Hafenbeckens war die Wiener Neustädter Steinkohlengesellschaft, die ihre in Ödenburg abgebaute Steinkohle dadurch billig in die Stadt transportieren konnte. Nach Genehmigung des Plans durch den Kaiser im Jahr 1794 wurde das Hafenbassin vor dem Invalidenhaus für mehrere Jahrzehnte intensiv genutzt. Mit der Errichtung eines neuen Hafens im Bereich des späteren Aspangbahnhofs wurde das alte Bassin obsolet und 1857 schließlich zugeschüttet.

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Wiener Stadt- und Landesarchiv (Magistratsabteilung 8)
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