Plan des Glacis (1817)

Plan der Anlagen vor der Stadtmauer: Wege, Alleen, Flüsse, Grünflächen, Märkte, Lagerstätten, Gebäude

Der Glacisplan aus dem Jahr 1817 ist eine eindrucksvolle Quelle für die wirtschaftliche Entwicklung Wiens im 19. Jahrhundert.

Über Jahrhunderte wurde Wiens Innenstadt durch mächtige Befestigungsanlagen geschützt. Vor den Mauern gab es einen breiten Grüngürtel, der unverbaut bleiben sollte, um ein freies Schussfeld auf mögliche Angreifer zu gewährleisten. Diese Flächen, auch Glacis oder Esplanade genannt, wurden aber auch stets wirtschaftlich genutzt. Plan 117 aus dem Jahr 1817 aus der Kartographischen Sammlung zeigt die verschiedenen Nutzungen des Glacis auf. Er ist damit eine eindrucksvolle Quelle für die wirtschaftliche Entwicklung Wiens im 19. Jahrhundert.


Lagerstätten

Die freien Flächen wurden oft als Lagerstätten verwendet. Holz spielte eine große Rolle, da es die wichtigste Energiequelle für Haushalte und Gewerbe war. Steinmetze bewahrten ihre Rohstoffe in eigenen Steinlagern auf. Salpeter für die Schießpulverproduktion wurde in Saliterhütten gegenüber der Karlskirche gelagert. Seit der Beleuchtung des Glacis ab 1776 finden sich hier auch zahlreiche Lampendepots.

Gewerbe & Märkte

Auf dem Plan finden sich auch Flächen für Steinmetze, Holzversilberer, Binder und Wagner. Waschhütten sind ebenso eingezeichnet wie Mauthütten und die Hütten der Brunnenmeister. Mehrere Obsthütten sind über das Glacis verteilt. Auch viele der Märkte, die in Wien stattfanden, sind auf dem Plan eingezeichnet. Dazu zählen der Getreidemarkt vor dem Burgtor, der Heu- und Strohmarkt in der Nähe des Kärntner Tors oder der Fischmarkt vor dem Stubentor. Neben dem Fischmarkt befand sich der Ochsenstand, wo ungarische Viehhändler ihre Rinder den Wiener Fleischhauern zum Kauf anboten.

Militärische Nutzung

Am Rande des Glacis sind auf dem Plan mehrere öffentliche Einrichtungen verzeichnet, unter anderem militärische Einrichtungen wie die Heumarktkaserne und die Alserkaserne, den Standort der ungarischen Garde und die k.k. Stallungen. An der Landstraße ist das Johannesspital verzeichnet, das zuerst als Armen- und Versorgungshaus fungierte und ab 1787 - nunmehr als "Invalidenhaus" - Kriegsinvaliden beherbergte.

Quelle

Wiener Stadt- und Landesarchiv, Kartographische Sammlung, P1.117

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