Erster Wiener Demokratischer Frauenverein (1848)

Flugblatt des Frauenvereins von 1848 (Text: 5 KB RTF)
Am 21. August 1848 erließ der Minister für öffentliche Arbeiten, Ernst Schwarzer Edler von Heldenstamm, eine einschneidende Lohnreduktion für Hilfsarbeiterinnen im öffentlichen Bauwesen. Die daraufhin erfolgten Proteste wurden am 23. August blutig niedergeschlagen. In der sogenannten "Praterschlacht" starben 18 Menschen, 282 wurden verwundet. Am 28. August gründete Karoline von Perin-Gradenstein (1808 bis 1888) den "Ersten Wiener Demokratischen Frauenverein". Dieser setzte sich in seinen Statuten dezidiert für die Gleichberechtigung der Frauen und den Zugang zur Bildung ein. Gleichermaßen ist in den Statuten Hilfe für die Opfer der Revolution und die Unterstützung, Förderung und Verteidigung der demokratischen Bewegung festgeschrieben. Die vom Verein organisierten Zusammenkünfte im Volksgarten wurden von Männern gestört.
Wiener Oktoberaufstand 1848
Die aufsehenerregendste Aktion des Vereins war eine Demonstration vor dem Reichstag am 17. Oktober, an der 300 Frauen teilnahmen. Sie überreichten eine Petition mit 1.000 Unterschriften zur Einberufung des Landsturms. Damit hätte die Rückeroberung Wiens durch die konterrevolutionären kaiserlichen Truppen verhindert werden sollen. Der Auftritt der Frauen wurde als lächerliches Unterfangen abgetan. Nach der Niederschlagung der Revolution wurde Karoline von Perin-Gradenstein verhaftet und ihr Vermögen konfisziert. Ihr Lebensgefährte Alfred Julius Becher wurde als einer der Hauptakteure der Revolution erschossen. Der Verein wurde aufgelöst.
Verbot politischer Frauenvereine
Die Gründung von und die Teilnahme an politischen Vereinen wurde mit dem Vereinsgesetz 1867 wieder erlaubt. Der darin enthaltene § 30 diskriminierte aber "Ausländer, Frauenspersonen und Minderjährige". Für Frauen möglich war ausschließlich Engagement in karitativen und Bildungsvereinen. So entstand in der Folge eine große Zahl von Initiativen, die sich den Forderungen nach höherer Bildung und der Linderung sozialen Elends verschrieben. Auf diese Weise konnten Frauen über den familiären Bereich hinaus an sozialen Bewegungen mitwirken und so Einfluss auf die Öffentlichkeit nehmen.
Wiener Frauen-Erwerb-Verein
Ein Meilenstein für die Frauenbewegung war die Gründung des "Wiener Frauen-Erwerb-Vereins". Er setzte sich vor allem für die Ausbildung von Frauen und Mädchen ein. Der Zugang zur höheren Bildung wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts hart erkämpft. Das allgemeine Wahlrecht für Frauen wurde in Österreich erst nach dem Zusammenbruch der Monarchie eingeführt. Die tatsächliche Gleichberechtigung wurde mit der Familienrechtsreform 1975 erreicht.
Quelle
WStLA, Hauptarchiv-Akten, Kleine Bestände, Einzelne Zeiträume und Ereignisse, A 71 Revolution 1848: Aufrufe, Kundmachungen 13.9.1848
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