Wiener Stadtrechtsbuch, genannt "Eisenbuch"
Das so genannte Eisenbuch ist eine Handschrift, in der für die Stadt wichtige Rechtstexte verzeichnet sind. Seinen Namen erhielt dieses Stadtrechtsbuch aufgrund der Messingbeschläge am Einband. Die 356 Pergamentblätter zählende Handschrift weist einen barocken Ledereinband auf. Der erste Eintrag erfolgte um 1320, die letzten Texte stammen aus dem Jahr 1819.
Äußeres Erscheinungsbild und Benennung
Das Eisenbuch leitet seinen Namen von den Messingbeschlägen ab, die die Einbanddeckel schützen sollen. Die Ornamente auf den acht Eckstücken zeigen geflügelte Drachen und wurden um 1300 angefertigt. Zusätzlich finden sich auf den Buchdeckeln Messingzierleisten mit Lilienformen. Die runden, nicht mehr zur Gänze erhaltenen Messingbuckel wurden erst Jahrhunderte später in der Barockzeit über den Eckstücken angebracht. Die ornamentalen Verzierungen wurden dadurch fast vollständig verdeckt, gleichzeitig aber vor Beschädigungen geschützt.
Sammlung von Rechten und Freiheiten
Im Eisenbuch sollten die Rechte und Freiheiten der Stadt Wien festgehalten werden. Die gesammelten Texte bieten dabei einen lebendigen Blick auf das Leben der Wiener Bevölkerung. So werden Zölle festgelegt und Preise reguliert, Streitigkeiten geregelt und kaiserliche Privilegien vermerkt. Besonders häufig findet man Regelungen zu Weinbau und Weinhandel, die in Wien besondere Bedeutung genossen. Auch Einfuhrverbote für ausländische Weine sind immer wieder im Eisenbuch vermerkt.
Ein halbes Jahrtausend Schriftentwicklung

Kunstvolle Initiale im Stadtrechtsbuch (1320)
Das Eisenbuch ist nicht nur wegen seines Inhalts interessant, es bietet auch einen Einblick in die Schriftentwicklung seit dem Mittelalter. Prächtig ausgeschmückte Buchstaben zieren einige Seiten und betonen damit die große Bedeutung des Geschriebenen. Die gotischen Schriften weichen bald den Kursiv- und Kurrentschriften der Neuzeit und vermitteln damit einen Eindruck von den vielfältigen Schrifttraditionen im Wiener Raum.
Literatur zum Thema
Ferdinand Opll, Das große Wiener Stadtbuch, genannt "Eisenbuch" - Inhaltliche Erschließung. Wien 1999
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