Walzerklänge im Schwimmpalast - Dianabad und Donauwalzer (1867)

Nur wenige wissen, dass der Donauwalzer 1867 im Wiener Dianabad uraufgeführt wurde. Der Erfolg war damals mäßig. Erst auf der Weltausstellung in Paris begann der Siegeszug der "Schönen blauen Donau" um die Welt.

Außenansicht des Dianabades

Ansicht des ersten Dianabades (circa 1806)

Johann Strauss hatte dem Wiener Männergesang-Verein bereits im Jahr 1865 die Komposition eines Walzers versprochen. Man einigte sich schließlich darauf, dass für die Vereins-Liedertafel 1867 ein Walzer entstehen sollte. Der Walzer wurde von Strauss in zwei Fassungen angefertigt: in Orchesterfassung und für Männerchor und Klavier als Chorwalzer. Polizeikommissar Josef Weyl, Hausdichter des Männergesang-Vereines, schuf den Text mit parodistischem Charakter und zeitkritischer Satire: "Wiener seid froh, Oho wieso...?". 1867 fand die Uraufführung der Chorfassung statt. Großer Erfolg war diesem Werk bei der Erstaufführung nicht beschieden.

Erst Monate später, als Strauss mit dem Walzer unter dem Titel "Le beau Danube bleu" ("Die schöne blaue Donau") bei der Weltausstellung in Paris auftrat, wurde das Stück zu einem großen Erfolg. Der einflussreiche Herausgeber der Tageszeitung "Figaro" schrieb einen begeisterten Artikel über den Walzer und begründete damit die glanzvolle Karriere der Melodie. Man kann sich getrost dem Urteil des Musikschriftstellers Alexander Witeschniks anschließen, der in seiner Strauss-Biographie schreibt: "Wer die Donau kennt, weiß dass sie mal schildgrün, mal silbern schimmert, aber blau ist sie erst seit Johann Strauß". Als am 2. Juli 1890 anlässlich der Sommerliedertafel des Wiener Männergesang-Vereins die Erstaufführung mit dem neuem Text "Donau so blau, so schön und blau", verfasst von Franz von Gernerth, erfolgte, war der Siegeszug der heimlichen Hymne Wiens nicht mehr aufzuhalten.

Uraufführung des Donauwalzers in den Dianasälen

Planskizze

Plan zum Dianabad (1808)

Geschichtsträchtiger Ort der Uraufführung des Donauwalzers am 15. Februar 1867 waren die bei der Bevölkerung äußerst beliebten Dianasäle (Dianabad) in Wien Leopoldstadt (heutige Adresse: Wien 2., Lilienbrunngasse 7-9). Die "Geburtsstätte" des Donauwalzers hat eine äußerst bemerkenswerte Geschichte.

Im Gegensatz zu anderen europäischen Schwimmgebäuden ermöglichte die Bäderarchitektur in Wien eine in Europa weitgehend einzigartige Entwicklung im Bäderwesen: die Verbindung von Baden und Tanzen. Im Sommer konnte man baden; im Winter wurde der Badesaal zu einem Tanzsaal umfunktioniert. Kulturgeschichtlich ist diese Verbindung von Schwimmhalle und Tanz- bzw. Konzertsaal eine Wiener Eigenheit. Neben dem Dianabad war das Sophienbad (die späteren Sophiensäle) in Wien Landstraße der zweite Vertreter dieser völlig neuen Konzeption im europäischen Hallenbadbau.

Bau des Dianabades

Mit dem Bau des Dianabades brach eine neue Ära für die Wiener Bäderlandschaft an. Am 1. Jänner 1808 wurde von Architekt Jean Charles de Moreau und dem Maler Carl Hummel ein Areal am Donaukanal erworben. Moreau errichtete hier ein "Baadhaus" mit 68 Badekabinen und 78 Wannen aus Zink, das am 1. Juli 1810 eröffnet wurde. 1810 kam das Bad in den Besitz einer "Dianabad-Actien-Unternehmung". 1829 bis 1830 gab es bauliche Veränderungen. Beim Umbau 1841 bis 1843 errichteten die Architekten Ludwig Richard von Förster und Karl von Etzel die neue Schwimmhalle, für Europa eine Neuheit. In Anlehnung an den römischen Thermenbau war sie im Stil der italienischen Renaissance den römischen Prachtbauten nachempfunden. Das Dach war eine interessante Eisenkonstruktion. Halbkreisförmige Gusseisenträger überspannten die Dachweite von ungefähr 20 Metern. Zur Überbrückung großer Spannweiten wurde hier also erstmals Eisen verwendet. Die Eröffnung fand am 20. Mai 1843 statt.

Schwimmbad als Tanzsaal

Plan im Akt zur Umfunktionierung des Dianabades in einen Ballsaal während der Winterzeit

Plan zum Umbau des Dianabads (1860)

Da der Badebetrieb im Winter nicht wirtschaftlich zu führen war, fand die Schwimmhalle in dieser Zeit als Ball- und Konzertsaal Verwendung. Besonders ab dem Jahre 1860 gewann der Ballsaal als Konzertsaal und Tanzlokal an Bedeutung. Die Gusseisenbögen wurden mit rotem Samt dekoriert, an den Wänden Marmorimitationen angebracht. Das Bassin wurde überdeckt und diente als Tanzfläche. Drei große Bronzeluster und zahlreiche Wandluster sorgten für die Beleuchtung. Die beinahe exotische Atmosphäre wurde von einem Wintergarten noch unterstrichen. Die Eröffnung des Dianasaals fand am 12. November 1860 mit der Diana-Polka von Josef Strauss statt. Sieben Jahre später, am 15. Februar 1867, wurde hier der Donauwalzer, der vielleicht berühmteste Walzer der Welt, zum ersten Mal aufgeführt.

Weitere Baugeschichte

1878 wurde das Bad durch Otto Wagner erweitert. Den klassizistischen Innenhof verwandelte man in eine offene Sommerschwimmhalle. Nach dem Abriss des Bades 1913 errichtete man einen luxuriösen Neubau nach Plänen von Peter Paul Brang, die Skulpturen schuf Georg Leiseck. Am 17. August 1917 fand die Eröffnung dieses zweiten Dianabades statt. Im April 1945 brannte das Hotel völlig aus. Man entschloss sich, den gesamten renovierungsbedürftigen und technisch veralteten Komplex abzureißen. Es entstand ein Büro- und Geschäftszentrum. Die Gemeinde Wien kaufte den hinteren Teil des Areals.

Am 2. Dezember 1968 beschloss der Gemeinderat im Rahmen des Bäderkonzepts den Bau eines neuen Gebäudes nach Plänen der Architekten Friedrich Florian Grünberger und Georg Lippert. Die Eröffnung dieses dritten Dianabades erfolgte am 14. Juni 1974. Dieser Neubau fiel am 27. November 1995 einem Brand zum Opfer. Nach dem Abbruch wurde 1998 mit dem Bau eines modernen Erlebnisbades begonnen, das im Oktober 2000 eröffnet wurde.

Quellen

  • Wiener Stadt- und Landesarchiv, Hauptregistratur, A52 - Department Q12: 16.144/1840 und 71.850/1847
  • Kurt Pahlen, Johann Strauß und die Walzerdynastie, München 1997 (=Heyne-Sachbuch 19/550)
  • Ingrid Ganster, Tröpferlbad - Schwimmbad - Wellnessoase. Badebetrieb in Wien im Wandel der Zeit. Kleinausstellung des Wiener Stadt- und Landesarchivs, Katalog Heft 75 (2007)
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