Gestapo-Ausstellung im Landesgericht für Strafsachen im Jahr 1947
Unter dem Titel "Tausend Gestapohelfer werden gesucht" kündigte die Wiener Zeitung am 7. September 1947 eine Ausstellung der besonderen Art an. Im Landesgericht für Strafsachen wurden über 1.000 Fotos von Männern und Frauen zur Schau gestellt, die zur Zeit des Nationalsozialismus für die Geheime Staatspolizei in der Wiener Gestapo-Zentrale gearbeitet hatten. Opfer sollten dort die Möglichkeit haben, ihre Peinigerinnen und Peiniger zu identifizieren und zu melden. Die Ausstellung fand auf Anregung von Staatsanwalt Dr. Wolfgang Laßmann und Untersuchungsrichter Dr. Clemens Pausinger statt. Gezeigt wurde sie von 7. bis 21. September im Journalistenzimmer neben dem Schwurgerichtssaal des Landesgerichts für Strafsachen.
Modell der Gestapo-Zentrale
Neben den Fotos war ein Modell der Gestapo-Zentrale ausgestellt. Häftlinge des Grauen Hauses hatten es nach Originalplänen angefertigt. Die Räume der Gestapo wiesen keine Beschriftung auf und trugen weder Namensschilder noch andere Kennzeichnungen. Um den Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung zu ermöglichen, die Zimmer und die Peinigerinnen und Peiniger, die hier "amtsgehandelt hatten", ausfindig zu machen, wurde am Modell jeder Verhörraum und jede Zelle mit einer Nummer versehen. Den erhofften Zeuginnen und Zeugen sollte damit eine räumliche Orientierung geboten und eine konkrete Aussage ermöglicht werden. Mithilfe von gefundenen Organisationsplänen und Telefonverzeichnissen der Gestapo konnten die Räume den jeweils verantwortlichen Personen zugeordnet werden. Auf diese Weise erhoffte sich die Justiz, die schleppende Verfolgung und Ausforschung von Gestapo-Mitgliedern verbessern zu können.
Fotos der Täterinnen und Täter
Die Fotos, die die Wände bedeckten, hatte das Erkennungsamt der Polizeidirektion zur Verfügung gestellt. Sie zeigten die großteils aus Wien kommenden Täterinnen und Täter in einer oder zwei Aufnahmen. Sie bestanden entweder aus zwei verschiedenen Frontalaufnahmen oder der bekannten Frontal- und Seitenaufnahme. Jede Person war mit einer Nummer identifizierbar. Angaben zum Namen oder einem etwaigen laufenden Gerichtsverfahren lagen nicht bei. Die Zusammensetzung der Fotos war uneinheitlich und von unterschiedlicher Herkunft. Sie stammten offensichtlich aus einer von der Gestapo selbst geführten Fotoserie. Die Ausstellung wurde ergänzt von erkennungsdienstlichen Aufnahmen jener Gestapo-Mitglieder, die bereits in Haft saßen und von Fotos, die von anderen Stellen, wie etwa der niederösterreichischen Sicherheitsdirektion, bereitgestellt wurden. Die Fotos gliederten sich in Gruppen, geordnet nach den "Delikten" der ehemals Beschuldigten: Die Bezeichnungen lauteten auf "Widerstand", "links", "rechts", "Juden", "Abwehr" und "Kommunisten".
Breite Unterstützung durch die Bevölkerung
Für die Besucherinnen und Besucher lagen Meldeblätter auf, in denen Zimmer und Nummer der erkannten Person eingetragen werden konnten. Diese sollten unterschrieben in einen bereitgestellten Briefkasten eingeworfen und in der Folge dem Untersuchungsrichter vorgelegt werden. Am 11. September 1947 meldete die Zeitung einen täglichen Ansturm an Besucherinnen und Besuchern. Sie überfüllten nicht nur den Ausstellungsraum, sondern stürmten auch die Kanzleiräume des Untersuchungsrichters. Um einen ungehinderten Gerichtsbetrieb zu ermöglichen, wurden die Wienerinnen und Wiener gebeten, nur die Meldeblätter auszufüllen und nicht persönlich vorzusprechen.
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