Biografien ausgewählter Gestapo-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter

Durch die systematische Erschließung und die grundsätzliche Eröffnung des Zugangs zu den Volksgerichtsakten wird es möglich, die Personen hinter der verbrecherischen Organisation Gestapo in ihren Taten darzustellen. Darüber hinaus gibt es nun auch Bildmaterial zu den Täterinnen und Tätern.

Karl Ebner

Karl Ebner

Karl Ebner

Dr. Karl Ebner wurde am 27. Oktober 1901 in Franzensfeste geboren. Seit 1933 war er Mitglied der NSDAP, seit 1942 Leiter-Stellvertreter der Gestapo-Leitstelle Wien. Mit Franz Josef Huber, dem Dienststellenleiter, war er befreundet und dessen "Dauervertreter". Ebner drängte Deutsche aus leitenden Funktionen und setzte Österreicher wie etwa Dr. Siegel oder Dr. Trenker (vormals Trnka) stattdessen ein. Ab 1944, nach dem Antritt Dr. Mildners als Dienststellenleiter, verlor er sukzessive Kompetenzen. Es wurde belastendes Material gegen ihn zusammengestellt und schließlich ein Strafverfahren gegen Ebner eingeleitet. Die Vorwürfe waren "Wehrkraftzersetzung" und "Häftlingsbegünstigung". Im März 1945 wurde Ebner vor dem SS- und Polizeigericht dreimal zum Tode verurteilt. Das Todesurteil wurde jedoch nicht ausgeführt. 1948 wurde Ebner zu 20 Jahren schweren Kerkers verurteilt. 1953 wurde er aus der Haft entlassen. Er starb am 11. November 1983 in Lienz.

Johann Sanitzer

Johann Sanitzer

Johann Sanitzer

Johann Sanitzer wurde am 13. Oktober 1904 in Hundsheim, Bezirk Bruck an der Leitha, geboren. Seit 1931 war er Mitglied der NSDAP. 1934 nahm er am "Juliputsch" teil. Sanitzer wirkte an diversen illegalen Aktionen mit und wurde 1938 sofort der Gestapo zugeordnet, und zwar dem Referat "Reaktion, Legitimismus, Rechtsopposition". Ab Herbst 1938 war er Gruppenleiter und anschließend in diversen Bereichen überaus "erfolgreich" tätig. 1941 bis 1942 war Sanitzer Leiter der Außenstelle Sankt Pölten, leitete diverse Referate und 1945 Sonderkommandos. Er gilt als Schlüsselbeamter der Wiener Gestapo. Er war ehrgeizig, intelligent, rücksichtslos, außerordentlich geltungsbedürftig und strebte ständig nach Einfluss. Seine Einstellung erwartete er auch von Untergebenen, was für die Häftlinge verheerende Folgen hatte - Quälerei, Folter und Unmenschlichkeiten standen auf der Tagesordnung. Sanitzer erhielt diverse Auszeichnungen inklusive einer persönlichen Anerkennung durch Heinrich Himmler. 1949 wurde Sanitzer zu lebenslänglichem, schweren Kerker verurteilt und nach Moskau gebracht. Im Jahr 1955 kehrte er zurück und verstarb am 15. August 1957 in Salzburg.

Rudolf Hitzler

Rudolf Hitzler

Rudolf Hitzler

Rudolf Hitzler wurde am 1. Jänner 1906 in Wien geboren. Er fiel immer wieder als übereifriger Beamter auf, der alle übertragenen Aufgaben zu hundert Prozent erfüllen wollte. In den Jahren 1943 und 1944 arbeitet er in Referaten, die strafbare Delikte von Ostarbeiterinnen und Ostarbeitern behandelten. Hitzler misshandelte Gefangene überaus brutal und steigerte seine Brutalität ab 1943 weiter. So starb 1944 ein sowjetrussischer Gefangener im Gefolge der Misshandlungen. 1944 und 1945 führte er am Morzinplatz ein Schreckensregiment gegenüber Beschuldigten und ihren Angehörigen wie auch Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen. Als 1944 und 1945 die meisten anderen ihren "Diensteifer" drosselten, steigerte Hitzler diesen weiter, indem er am Morzinplatz übernachtete und sehr wenig schlief. Man sagte ihm fanatischen Ehrgeiz und Streben nach Anerkennung nach. Er führte den "Ehrentitel" "Alter Kämpfer". 1948 wurde Hitzler zu lebenslänglichem, schweren Kerker verurteilt. 1955 wurde er aus der Haft entlassen. Er starb am 11. April 1975 in Wien.

Johann Rixinger

Johann Rixinger

Johann Rixinger

Johann Rixinger wurde am 20. Jänner 1897 in Wien geboren. Er war seit Anfang der 1930er-Jahre in Kontakt mit NS-Aktivisten. Später war er zuständig für "Judenangelegenheiten". Er wurde Referatsleiter und war befreundet mit Dr. Ebner. Alle wichtigen Agenden in "Judenfragen" wurden in seinem Referat gebündelt, auch Beschlagnahme und Verwertung von Judenvermögen. Rixinger konnte über Deportation und KZ-Einweisung de facto entscheiden, besonders als die "Zentralstelle für Jüdische Auswanderung" 1943 ihren Betrieb einstellte. Er bereicherte sich persönlich an jüdischem Vermögen und jüdischer Arbeitskraft, die er im großen Stil vermittelte. 1947 wurde Rixinger zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt. 1952 wurde er aus der Haft entlassen.


Karl Silberbauer

Karl Silberbauer

Karl Silberbauer

Karl Silberbauer wurde am 21. Juni 1911 in Wien geboren. Er suchte im September 1939 um Mitgliedschaft bei der NSDAP an. Bis 1945 verblieb er Anwärter und hatte keine Nähe zum Regime. Als SS-Bewerber wurde er 1943 Mitglied der SS, wo er hauptsächlich untergeordnete Tätigkeiten verrichtete. Silberbauer beteiligte sich an zahlreichen Verhören und Misshandlungen, zeigte jedoch insgesamt wenig Engagement oder Interesse und erhielt auch keine Belobigungen. 1943 ging er nach Den Haag, wo er bei der Sicherheitspolizei in Amsterdam arbeitete. Silberbauer erlangte Bekanntheit, da er an der Verhaftung Anne Franks und ihrer Familie im August 1944 beteiligt war. 1946 wurde er zu einem Jahr schweren Kerkers verurteilt. 1952 kam es zu einem neuerlichen Verfahren. 1954 wurde Silberbauer frei gesprochen. 1964 wurden noch einmal gerichtliche Voruntersuchungen angestellt, aber noch im selben Jahr eingestellt. Silberbauer verstarb am 2. September 1972 in Wien.

Josef Handel

Josef Handel

Josef Handel

Josef Handel wurde am 27. Mai 1906 in Wien geboren und war seit 1930 NSDAP-Mitglied. Er war in mehreren Referaten zur Bekämpfung der "Linksopposition" und des Kommunismus tätig, wo er "hervorragende Dienstleistungen" lieferte. Seit 1944 war Handel beim Einsatzkommando F in Ungarn und starb dort bei Kampfhandlungen mit kommunistischen Widerstandsgruppen. Handel galt als ehrgeizig und setzte alle Mittel und Methoden ein, um übertragene Aufträge "positiv" auszuführen. Dabei schreckte er vor keinerlei Gewaltmethode zurück. So unterwies er seine Untergebenen in diesen Methoden und quälte in vielen Fällen unmenschlich. Handel war maßgeblich beteiligt an der Zerschlagung und Vernichtung der tschechischen Sektion der Wiener KPÖ, des KJV und der Liquidierung von Widerstandsgruppen in Floridsdorfer Betrieben. Auf das Konto der von ihm geführten Gruppe gingen zahlreiche Todesfälle und barbarische Misshandlungen. Handel war einer der "erfolgreichsten Mitarbeiter" der Gestapo-Leitstelle Wien, erhielt den NS-Blutorden und wurde als "Alter Kämpfer" geführt.

Otto Schleiffer

Otto Schleiffer

Otto Schleiffer

Otto Schleiffer, geboren am 14. Februar 1907 in Wien, verfolgte bis zum März 1938 als Gendarm und Kriminalbeamter illegale Nationalsozialisten. 1938 kam es in Folge des Anschlusses zu einem Disziplinarverfahren. Ab April 1938 war Schleiffer in mehreren Funktionen tätig, zeigte fanatischen Diensteifer und suchte krankhaft die Anerkennung der Vorgesetzten. Er besaß keine Nähe zur NS-Weltanschauung und hatte das Bestreben, als Beamter zu hundert Prozent seine "Pflicht zu erfüllen". Schleiffer galt als sehr zuverlässig und erhielt dadurch Sonderaufgaben. So misshandelte und quälte er nachgewiesenermaßen bestialisch. Schleiffer war auch in der "Gegnerbekämpfung" tätig. Er wirkte bei der Zerschlagung der tschechischen Sektion der KPÖ mit, bei der Liquidierung der Widerstandsgruppe im Gaswerk Leopoldau und bei diversen anderen Aktionen, die die Vernichtung des "Linkswiderstandes" in Wien und Umgebung zum Ziel hatten. Schleiffer wurde 1947 zu 20 Jahren schweren Kerkers verurteilt. 1955 wurde er aus der Haft entlassen und starb am 11. Jänner 1997 in Wien.

Karl Künzel

Karl Künzel

Karl Künzel

Karl Künzel wurde am 8. September 1907 in Wien geboren. Er hatte seit 1933 Kontakt zu illegalen NSDAP-Mitgliedern. Ab Sommer 1942 war Künzel provisorisch, ab September 1944 definitiv Leiter des Arbeitserziehungslagers (AEL) Ober-Lanzendorf der Gestapo. Die Zahl der Häftlinge betrug 1942 circa 800 Personen. Am 4. April 1945 wurde das Lager aufgelöst. Es kam zum "Ober-Lanzendorfer-Todesmarsch" unter seiner Leitung nach Mauthausen. Künzel brach mit circa 450 Häftlingen auf und kam am 16. April 1945 mit nur noch 175 Personen an. Das Gerichtsgutachten besagte, Künzel wäre launenhaft gewesen mit einer Neigung zu brutalen Umgangsformen, außerdem zeigte er Aggressivität und Menschenverachtung. Als Sadist weidete er sich an der Pein der Häftlinge und hetzte auch Hunde auf sie. Künzel führte den "Ehrentitel" "Alter Kämpfer". 1950 wurde Künzel zu lebenslänglichem, schweren Kerker verurteilt. 1955 wurde er aus der Haft entlassen. Künzel starb am 24. November 1983 in Wien.

Rosa Friedl

Rosa Friedl

Rosa Friedl

Rosa Friedl wurde am 19. Oktober 1899 in Wien geboren. Seit 1932 war sie Mitglied der NSDAP, seit Mai 1938 bei der Gestapo als Schreibkraft. Ab 1940 war Friedl dem Nachrichtenreferat zugeteilt und dadurch bestens informiert. Sie führte den "Ehrentitel" "Alte Kämpferin". Der Verdacht, sie habe Häftlinge misshandelt, konnte nie entkräftet werden. Im Jahr 1945 wurde ein Verfahren gegen sie eingeleitet, das im Dezember 1946 eingestellt wurde. Es kam somit zu keiner Verurteilung. Rosa Friedl starb am 17. März 1982 in Wien.


Weiterführende Literatur

  • Franz Weisz: "Die geheime Staatspolizei, Staatspolizeileitstelle Wien 1938 bis 1945. Organisation, Arbeitsweise und personale Belange", Band 7, Wien 1991
  • Thomas Mang, "Gestapo-Leitstelle Wien - Mein Name ist Huber. Wer trug die lokale Verantwortung für den Mord an den Juden Wiens?", Münster 2003
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