Sammelakt des Volksgerichts zur Wiener Gestapo

Schwarz-Weiß-Fotografie der Gestapo-Zentrale am Morzinplatz (1945), Gründerzeitbau, Umgebung teilweise zerbombt

Wiener Gestapo-Zentrale im ehemaligen Hotel Métropole am Morzinplatz (1945)

Im August 1945 wurde zum Zweck gerichtlicher Voruntersuchungen wegen des Verdachts nationalsozialistischer Verbrechen oder der illegalen Mitgliedschaft bei der NSDAP von 1933 bis 1938 das Volksgericht eingerichtet. Die Unterlagen, die das Volksgericht bei den Untersuchungen zusammengetragen hat, ermöglichen es heute, den Namen der Täterinnen und Täter in Wien ein Gesicht zu geben. Die Volkgerichtsakten wurden 2006 aus dem Landesgericht in das Wiener Stadt- und Landesarchiv (MA 8) übernommen.

Besonders eingehend wurde nach Mitgliedern der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in Wien gefahndet. Die Gestapo-Leitstelle Wien am Morzinplatz verfügte über etwa 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und war damit die größte Gestapo-Leitstelle des "Dritten Reiches".

Sammelakt

Als Grundlage für die Fahndung wurde ein Sammelakt unter dem Titel "UT Gestapo" angelegt. Damit bezweckte das Gericht die Rekonstruktion der Gliederung und Verantwortlichkeiten der Gestapo sowie die koordinierte Erfassung aller Gestapo-Mitglieder. Der Sammelakt besteht aus einem fünf Zentimeter dicken Papierakt und zwei Ordnern mit Fotos.

Entstehungsprozess des Sammelakts

Ausstellung zur Täteridentifikation im Jahr 1947

Unter dem Titel "Tausend Gestapohelfer werden gesucht" kündigte die Wiener Zeitung am 7. September 1947 eine Ausstellung im Landesgericht für Strafsachen an. Dort wurden über 1.000 Fotos von Männern und Frauen veröffentlicht, die zur Zeit des Nationalsozialismus für die Geheime Staatspolizei in der Wiener Zentrale am Morzinplatz gearbeitet hatten. Die Justiz erhoffte sich, mit dieser Ausstellung die schleppende Verfolgung und Ausforschung von Gestapo-Mitgliedern zu verbessern. Opfer hatten dort die Möglichkeit, ihre Peinigerinnen und Peiniger zu identifizieren und zu melden.

Gestapo-Ausstellung im Landesgericht für Strafsachen im Jahr 1947

Biografien ausgewählter Gestapo-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter

Das Wiener Stadt- und Landesarchiv ermöglicht durch die systematische Erschließung und die grundsätzliche Eröffnung des Zugangs zu den Volksgerichtsakten, die Personen hinter der verbrecherischen Organisation Gestapo in ihren Taten darzustellen. Der Nazi-Terror erhält ein Gesicht. Die Biografien ausgewählter Gestapo-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind damit um eine Facette reicher.

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Wiener Stadt- und Landesarchiv (Magistratsabteilung 8)
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