Persönlichkeiten der Wiener Fußballgeschichte
In der Zeit unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich der Fußball in Wien zu einem Massenspektakel von einzigartiger Popularität. Es war ein Arbeitersport zweifellos, und die industrialisierten Vorstädte, insbesondere Favoriten, Ottakring und Floridsdorf, stellten die Masse der Zuseher ebenso wie das Gros der Aktiven. Aber da war noch etwas Anderes, Spezifisches, das die besondere Form und den charakteristischen Gehalt des modernen Spektakels in dieser Stadt ausmachte. In gleichem Maße, wie es proletarisch-vorstädtisch geprägt wurde, wurde es von der Welt der Bohème und den Cafés in Anspruch genommen, überformt und erhielt dadurch seine unverwechselbare und einzigartige Gestalt.
Die "Wiener Schule" des Fußballs
Wenn also die Arbeitervorstädte die produktive Basis des Wiener Fußballs bildeten, so kam auch der bürgerlichen City ein ganz entscheidender Stellenwert zu. Sowohl in Form von Mäzenen und Betreibern von Großclubs als auch in Form eines literarischen Diskurses, der den modernen Massensport Fußball theoretisierte und reflektierte und dadurch auf seine konkrete Praxis entscheidend Einfluss nahm. Es war diese typisch wienerische Melange, die Durchmischung von vorstädtischen und innerstädtisch-urbanen Lebenswelten, das Ineinandergreifen von populärer und elitärer Kultur, die den Weltruhm der "Wiener Schule" begründete. Das von ihr forcierte schnelle, flache, engmaschige und mit Raffinesse, Eleganz, Witz und Leichtigkeit angereicherte Kurzpass- und Kombinationsspiel sollte bis in die 1960er-Jahre international Furore machen.
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