Geschichte der Wiener Befestigungsanlagen

Das römische Legionslager Vindobona ist die erste nachweisbare Befestigung im Herzen Wiens. Mit dem Ende der römischen Herrschaft wurden diese Lagermauern teilweise zerstört. Die verbliebenen Reste wurden lange Zeit weiter verwendet.

Mittelalterliche Stadtmauer

Im Mittelalter erhielt Wien eine zeitgemäße Stadtmauer. Der Bau wurde durch das enorme Lösegeld von König Richard Löwenherz ermöglicht. Der englische König hatte nach seiner Gefangennahme in Wien-Erdberg 1192 Lösegeld für seine Freilassung zu bezahlen. Die Wiener Bürgerinnen und Bürger mussten sich finanziell beteiligen und trugen ihren Teil zur Errichtung der Stadtmauern bei. Außerdem war die Bevölkerung für die Instandhaltung der Mauern und für den Wachdienst zuständig.

Türkenbelagerungen

Zeichnung von Wien mit Befestigungsanlagen Anfang des 17. Jahrhunderts

Ansicht von Wien (Hoefnagel 1609)

Die Stadtbefestigung wurde über Jahrhunderte kaum verändert. Als 1529 ein osmanisches Heer mit der Belagerung Wiens begann, machten sich die Mängel in der Verteidigung rasch bemerkbar. Der schlechten Witterung und ausbrechenden Seuchen war es zu verdanken, dass die Belagerer erfolglos abziehen mussten. Nach diesem Schock erhielt Wien eine neue Befestigung mit mächtigen Bastionen. Im Volksmund wurden sie bald auch "Basteien" genannt. Im Rahmen der Zweiten Wiener Türkenbelagerung von 1683 konnte dieses Bollwerk den Angriffen lange genug standhalten, bis Hilfe eintraf.

Vom Bollwerk zur Promenade

Im 18. Jahrhundert wuchs Wien zu einer der größten Städte Mitteleuropas. Während andere Großstädte durch die Schleifung der Stadtmauern einen Modernisierungsschub erlebten, hielt Wien weiter am Festungscharakter fest. Im Kampf gegen die Truppen Napoleons 1805 erwiesen sich die Verteidigungsanlagen als wirkungslos. Während die militärische Bedeutung der Bastei schwand, stieg ihre Beliebtheit als Ausflugsort. Im Vorfeld wurden Alleen und Wiesen angelegt, Bänke luden zum Ausruhen ein. Um die städtebauliche Entwicklung zu fördern, wurde der Abbruch der Wiener Befestigungsanlagen immer drängender.

Verantwortlich für diese Seite:
Wiener Stadt- und Landesarchiv (Magistratsabteilung 8)
Kontaktformular