"Das Denken der Wiener Moderne. Dynamik der Kreise, Resonanz der Räume"

Wiener Vorlesung am 30.11.2011

Abstract Edward Timms

Edward Timms bei einem Vortrag

Univ.-Prof. Dr. Edward Timms

Die beiden Themen - die kulturelle Revolution in Wien und die Erfahrungen des Exils - bilden Schwerpunkte in meiner eigenen Forschungsarbeit. Um die sonderbare Dynamik der Wiener Moderne zu erklären, entwarf ich vor Jahren ein Diagramm der Vienna Circles aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Das Diagramm erschien zunächst im ersten Band meiner Karl Kraus-Biografie und wurde später mit kleinen Verbesserungen mehrmals nachgedruckt.

Dazu kommt als zweitwichtigster Faktor die Resonanz der Räume. Unter Raum verstehe ich sowohl konkret die Treffpunkte der Wiener Moderne (Privatwohnungen, Kaffeehäuser, Seminar-Räume) als auch den über Wien hinausgreifenden geistigen Raum, der dadurch geschaffen wurde.

Die Kreise, die den Kern des Diagramms bilden, trafen sich oft in Privathäusern. Das waren also private, wenn nicht geradezu esoterische Gruppen. Aber die schöpferischen Impulse gingen weit über den deutschen Sprachraum hinaus. Daher die fundamentale Frage: Wie kann man diesen erstaunlichen Sprung erklären - den Sprung aus der Privatsphäre in die Öffentlichkeit mit weltweiten Auswirkungen?

In einigen Fällen kam es zu einer politischen Verwandlung von weltgeschichtlicher Bedeutung: man denke an Herzl und die Gründung des Staates Israel. In anderen Fällen zu Verwandlungen in der Philosophie: Ernst Mach, Ludwig Wittgenstein, Karl Popper und ihre internationalen Auswirkungen.

Im Rahmen der Wiener Vorlesung sollen diese Fragen anhand von drei Fallstudien weiter erläutert werden:

  1. Psychoanalyse: Freuds Mittwoch-Gesellschaft in der Berggasse
  2. Moderne Erziehung für Frauen: die Schwarzwald-Schulen in der Wallnerstraße
  3. Der Wiener Kreis: der Aktivist Otto Neurath als Schlüsselfigur

Veranstaltungsdetails

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Institut Wiener Kreis anlässlich seines 20-jährigen Bestehens

Kommentar

Foto von Friedrich Stadler

Univ.-Prof. Dr. Friedrich Stadler

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