"Die Kunst des Interviews. Georg Stefan Troller" - Wiener Vorlesung am 21.11.2011

"Ich stelle Fragen, damit man mir keine Fragen stellt."

Foto von Georg Stefan Troller

Georg Stefan Troller

"In Wirklichkeit gibt es nur zwei Arten von Interviews. Das forsche Kreuzverhör, wo man durch scharfes Zupacken und Provozieren die Leute aus ihrer eingespielten Maske herausholt, um ihre wahren Stärken und Schwachpunkte zu fixieren. Und dann gibt es das Interview, das ich vorziehe. Bei dem du deinem Partner unbewusst suggerierst, dass du ihn verstehst. Billigst. Magst, ja liebst. Von gleich zu gleich kann er auspacken. Auch Dinge, die er eigentlich nicht unbedingt preisgeben wollte, und die vor allem. Das geht nicht mit Bluff (oder nur ein bisschen), sondern du musst es tatsächlich fühlen. Dann bist du im Geschäft. Du bist nicht nur im Geschäft, sondern hast etwas für dich selbst gewonnen, denn bei diesen Gesprächen musst auch du ja allerlei aus dir herausholen. Du bist Gangster und Nutte, Banker und Boxer, Ketzer und Mystiker in einem. Du entdeckst, dass du alle diese Dinge, und noch unendlich mehr, im Ansatz in dir trägst. Über deine Fragen findest du einiges über dich selbst heraus, und nicht das Uninteressanteste."

Georg Stefan Troller, aus "Selbstbeschreibung"

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