"Überreichung des Wiener Preises für Stadtgeschichtsforschung an Dr.in Carla Meyer"
Wiener Vorlesung am 16.11.2011

Dr.in Carla Meyer
Die Stadt Wien hat im Jahr 2010 aus Anlass der Pensionierung des Direktors des Wiener Stadt- und Landesarchivs (MA 8) Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Opll im Wege des Österreichischen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung einen "Wiener Preis für Stadtgeschichtsforschung" (WPS) eingerichtet. Er wurde erstmals im Jahr 2011 vergeben. Auf der Grundlage einer Förderung durch die Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7) ist er mit 5.000 Euro dotiert.
Eingereicht werden konnten von den jeweiligen Autorinnen und Autoren Veröffentlichungen beziehungsweise Dissertationen sowie Habilitationsschriften aus dem Gebiet der vergleichenden Stadtgeschichtsforschung des europäischen Raumes in deutscher Sprache, die in den Jahren 2008 bis 2011 erschienen sind.
Die Jury fällte einstimmig den Entschluss, den Preis an Dr.in Carla Meyer für ihre Arbeit "Die Stadt als Thema. Nürnbergs Entdeckung in Texten um 1500" (Mittelalter-Forschungen, Bd. 26, Ostfildern 2009) zu vergeben.
Statements
Hubert Christian Ehalt:
Die Städte entwickelten sich im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit als eine "Gegenwelt" in der Feudalgesellschaft, in der sich neue bürgerliche Tugenden des Fleißes, der Produktivität und handwerklicher Gestaltungskraft entwickeln konnten. Geschichte und Entwicklung der Städte ist für uns am Ende des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts schon deshalb interessant, weil die gesamte Welt schon seit Jahrzehnten einen dynamischen Prozess der Urbanisierung durchmacht und Stadtkultur schon lange Prägeinstanz, Brenn- und Fluchtpunkt der aktuellen Welt ist. Es ist auch für die gegenwärtige Gesellschaft interessant, wie sich die städtische Lebensform in ihren Anfängen entwickelt hat. In der Geschichtsforschung sind Forschungsarbeiten dann besonders interessant, wenn für die Bearbeitung eines Themas wichtige neue Quellen entdeckt und erschlossen werden. Carla Meyer hat mit dem Genre der politischen Dichtung städtische Identität und städtische Identitätspolitik (bisher vernachlässigte Forschungsfragen) erschlossen. Ihr Vortrag wird dies am Beispiel der Stadt Nürnberg exemplarisch darstellen.
Archivdirektor i.R. ao. Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Opll aus seiner Beurteilung der Arbeit von Dr.in Carla Meyer:
Die publizierte Dissertation von Carla Meyer stellt eine ganz hervorragende Neuerscheinung auf dem Gebiet der Stadtgeschichte dar. Man kann ihr - aufgrund der überwältigenden Menge des für Nürnberg vorliegenden und höchst ein- wie umsichtig bearbeiteten Materials - keinesfalls vorwerfen, dass darin der Vergleich mit anderen Städten zu kurz komme. Ganz im Gegenteil: Erst derartige Untersuchungen wie diejenige von Frau Meyer legen die Grundlage dafür, das bis heute diskutierte Phänomen eines Fehlens beziehungsweise umgekehrt einer Fülle von historiographischen Zeugnissen zur städtischen Entwicklung des späteren Mittelalters und der beginnenden Neuzeit wirklich eingehender zu analysieren.
Veranstaltungsdetails
- Einleitung: Univ.-Prof. Dr. Hubert Christian Ehalt und Univ.-Prof. Dr. Thomas Winkelbauer
- Vorträge:
- Univ.-Prof. Dr. Herbert Knittler: Die europäische Stadt um 1500
- Dr.in Carla Meyer: Poesie im Dienst der Politik? Ereignisdichtung im spätmittelalterlichen Nürnberg
- Dr.in Elisabeth Gruber: Der Handel mit feinen Tuchen im spätmittelalterlichen Wien
- Würdigung der preisgekrönten Arbeit von Carla Meyer und Zusammenfassung: Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Opll
- Termin: Mittwoch, 16. November 2011, 16 Uhr
- Ort: Österreichisches Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum, 5., Vogelsanggasse 36
- Fahrplanauskunft
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Österreichischen Arbeitskreis für Stadtgeschichtsforschung und dem Institut für Österreichische Geschichtsforschung (IFÖG)
Wissenschafts- und Forschungsförderung (Magistratsabteilung 7)
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