Ökonomische Logik und lebenswertes Alter(n) - Synergie oder Gegensatz? - Wiener Vorlesung am 7.11.2011

Univ.-Prof.in Dr.in Ulrike Schneider
"Können wir uns leisten, älter zu werden?" Diesen Titel wählte der amerikanische Autor Richard Disney 1996 für ein Buch, in dem er die gesellschaftliche Alterung aus ökonomischer Sicht diskutiert. Die gleiche Frage beschäftigt eine Legion weiterer Fachpublikationen, die wirtschafts- und sozialpolitischen Debatte der großen Industrieländer und schließlich auch die Menschen, die sich über ihre Lebensverhältnisse im Alter Gedanken machen. Diese Frage nach der "Leistbarkeit" des Alterns lenkt den Blick einseitig auf die damit verbundenen Kosten oder Lasten. Der Wert und die Potenziale des Alter(n)s, geraten aus dem Blickfeld.
Gleichzeitig haben ökonomische Verhaltensimperative in den letzten Jahrzehnten in Bereichen Platz gegriffen, die traditionell von anderen, nicht-marktlichen Steuerungslogiken beherrscht waren. Vermindert sich aufgrund des zeitlichen Zusammentreffens dieser "Ökonomisierung" mit markanten demographischen Verschiebungen der individuelle Spielraum für selbstbestimmtes Altern und wird letztlich fremdbestimmte Rationierung unausweichlich? Bereits heute fallen wesentliche politische Entscheidungen auf der Basis des monetären Wertes eines "statistischen Lebens" und in der medizinischen Begleitung älterer Menschen sind Altersgrenzen für bestimmte Behandlungen explizit wie implizit ein Thema.
Auf den zweiten Blick ist es jedoch nicht das ökonomische Denken an sich, sondern das grundlegende Phänomen der Knappheit, das eine Herausforderung für selbstbestimmtes Altern darstellt. Aus dieser Perspektive betrachtet ist ökonomische Logik eine wesentliche Voraussetzung dafür, erfolgreiche und akzeptierte Strategien für die Bewältigung der individuellen und gesellschaftlichen Alterung zu entwickeln. Ökonomische Logik und Analysen schaffen Transparenz und provozieren notwendige gesellschaftliche Auseinandersetzungen um den zielgerechten Einsatz knapper Mittel. Und auch aus Sicht des einzelnen Menschen trifft die Beobachtung von George Bernard Shaw: "Ökonomie ist die Kunst, das Beste aus dem Leben zu machen." Denn es sind gelungene ökonomische Entscheidungen, die die materielle Basis für Selbstbestimmung in allen Lebensphasen legen.
Veranstaltungsdetails
- Vortrag: Univ.-Prof.in Dr.in Ulrike Schneider
- Moderation: Primaria Dr.in Katharina Pils
- Datum: Montag, 7. November 2011, 19 Uhr
- Ort: Wiener Rathaus, Wappensaal, Feststiege II, 1., Lichtenfelsgasse 2
- Fahrplanauskunft
Verleihung des "Wiener Preises für humanistische Altersforschung 2011" der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie an Ulrike Schneider.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie
Moderation

Primaria Dr.in Katharina Pils
Wissenschafts- und Forschungsförderung (Magistratsabteilung 7)
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