"Zur Aktualität von Karl Kraus' 'Letzten Tage der Menschheit'" - Wiener Vorlesung am 21.6.2011

Abstract Sigurd Paul Scheichl

Porträtaufnahme von Sigurd Paul Scheichl

Univ.-Prof. Dr. Sigurd Paul Scheichl

Wozu und zu welchem Ende lesen wir heute die "Letzten Tage der Menschheit"? Auch, aber doch nur in zweiter Linie wegen ihres dokumentarischen Charakters, so großen Wert Kraus auf ihn gelegt hat. Ein Dokumentardrama bleibt zwar dokumentarisch, aber wir verstehen das Dokumentarische daran immer weniger.

Wir lesen Kraus' Tragödie heute einerseits wegen ihrer literarischen Qualität: Das Pandämonium grotesk verzerrter Figuren und ihre Sprache(n) faszinieren uns unabhängig von den dahinter stehenden Vorbildern.

Andererseits ist Kraus für uns sehr wohl auch Historiker, denn er zeigt ein anderes Bild des Ersten Weltkriegs als die Geschichtsschreibung: Er lässt uns die dominanten Lügen der Zeit hören, gerade weil er nicht das (im Geheimen immer gegenwärtige) Leid der Soldaten, sondern den Diskurs des Hinterlandes in den Mittelpunkt rückt. Dieser verlogene Diskurs ist aktuell geblieben.

Veranstaltungsdetails

Im Rahmen der Veranstaltung wird das Buch "'kolossal montiert'. Ein Lexikon zu Karl Kraus. Die letzten Tage der Menschheit" von Agnes Pistorius präsentiert. Die Autorin spricht über ihren Zugang zur Sprache von Karl Kraus. Projekt und Buch wurden von der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7) substanziell unterstützt.

Veranstalter: Literaturhaus Wien und Gesellschaft der Freunde der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Kooperation mit den Wiener Vorlesungen

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Porträtaufnahme von Robert Huez

Mag. Robert Huez

Porträtaufnahme von Agnes Pistorius

Agnes Pistorius

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