"Die Lust an der Macht" - Wiener Vorlesung am 27.6.2011
Individualpsychologische Zugänge zu Gewalterfahrungen und deren Folgen
Die Wiener Vorlesung beschäftigt sich aus historischer Perspektive und aus dem Fachgebiet der Psychoanalyse mit Fragen der Macht, ihres lustvollen Ge- und Missbrauchs, der Umkehr von erlittener Ohnmacht in Machtlust, der Identifikation mit dem Aggressor als Notmaßnahme zur Bewältigung von Gewalterfahrungen. Es wird dargelegt, was bei einer Einzelpersönlichkeit unter einem "gesunden Umgang" mit Macht verstanden wird und unter welchen psychischen Umständen Macht in Gewalt umschlägt.
Macht und Gewalt sind in der Geschichte "Geschwister" gewesen. Macht, Machtpositionen und Machtstrategien wurden unter Gewaltandrohung und durch Gewaltanwendung durchgesetzt. Macht war und ist stets mit Sanktionsandrohung und der Fähigkeit, Sanktionen durchzusetzen, verbunden. In demselben Maß, in dem "Macht" und "Gewalt" in den Fokus der Kritik der Zivilgesellschaft gekommen sind, hat die Auseinandersetzung mit ihren Phänomenen an Bedeutung gewonnen.
Im Zuge säkularer Demokratisierungsprozesse, die seit dem 18. Jahrhundert in Europa und in der 20. Hälfte des 20. Jahrhunderts an vielen Orten der Welt stattgefunden haben, wurden die Machtdifferenziale zwischen allen gesellschaftlichen Gruppen reduziert. Gegenwärtig geht allerdings die Arm-Reich-Schere wieder auf, wodurch auch die Machtunterschiede wieder größer werden und Demokratie zurückgedrängt wird. Es wächst also der Gegensatz zwischen einem Bewusstsein der Menschen, dass alle Akteurinnen und Akteure in der Gesellschaft gleich sein können und sollen und realen Ungleichheiten, die aus den wachsenden ökonomischen Unterschieden lokal, europäisch und global resultieren.
Vermutlich ist das der Grund dafür, dass die Lust an der Macht, die in Demokratien zumindest ein negatives Etikett hat, wieder größer wird. Spannend ist daher die Forschungsfrage, wie die "Lust an der Macht" heute mit Gewaltausübung zusammenhängt. Gewalttaten nehmen zu, und die alte "Geschwisterlichkeit von Macht und Gewalt präsentiert sich häufig in einer erschreckenden Phänomenologie.
Veranstaltungsdetails
- Diskussion mit Dr.in Dipl.-Psych.in Almuth Bruder-Bezzel, Univ.-Prof. Dr. Wilfried Datler und Mag.a Margot Matschiner-Zollner
- Moderation: Dr.in Daniela Strigl
- Datum: Montag, 27. Juni 2011, 19 Uhr
- Ort: Gesellschaft der Ärzte, Festsaal, 9., Frankgasse 8
- Fahrplanauskunft
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Österreichischen Verein für Individualpsychologie anlässlich "100 Jahre Individualpsychologie" und der Überbringung der Urne des Wiener Psychoanalytikers Alfred Adler von Edinburgh nach Wien
Vom 14. bis 17. Juli findet der 25. Internationale Kongress für Individualpsychologie 2011 zum Thema "Trennung - Trauma - Entwicklung" statt.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Dr.in Dipl.-Psych.in Almuth Bruder-Bezzel

Univ.-Prof. Dr. Wilfried Datler

Mag.a Margot Matschiner-Zollner

Dr.in Daniela Strigl
Wissenschafts- und Forschungsförderung (Magistratsabteilung 7)
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