"Start der Reihe Wiener Vorlesungen 'Kontroversen': Beschleunigung, Echtzeit ohne Pause versus Muße, Langsamkeit, Beschaulichkeit"
Wiener Vorlesung am 16.11.2011
Statement Hubert Christian Ehalt
Die Wiener Vorlesungen starten ein neues Projekt zur Klärung der Frage, wie wir heute leben können. Wir versuchen die alte Frage, die schon Walther von der Vogelweide in seinen Überlegungen "Ich saz ûf eime steine" angestellt hat, wie man richtig leben kann, für 2011 zu beantworten. Auch heute gibt es auf die wichtigen Fragen des Lebens keine eindeutige Antwort - nur schlechte Lehrer glauben das.
Die Wiener Vorlesungen, die nicht belehren, sondern zu Auseinandersetzungen motivieren wollen, geben daher keine Antworten, sondern lassen die Widersprüchlichkeit der Welt und die Ambivalenz möglicher Lösungen in Kontroversen aufscheinen, in denen unterschiedliche Positionen zu einer Sache von exzellenten Vertreterinnen und Vertretern ihrer Meinung wahrgenommen werden.
Die Produzentinnen und Produzenten von Waren, Dienstleistungen und Meinungen bieten in Ratgebern zu allen Problemen knappe Antworten der Marke "simplify your life". Die großen Fragen des Lebens, wie der Umgang mit der Zeit, mit der Arbeit, mit der Liebe, dem Alter und Altern, dem Geschlecht, der Sexualität, last but not least mit dem Tod lassen sich nicht einfach beantworten.
Die neue Reihe der Wiener Vorlesungen begegnet der Komplexität der Lebensfragen, denen niemand ausweichen kann, mit kontroversiellen Diskussionen, die ein Thema öffnen und die auch deutlich machen, dass wir noch in einer offenen Gesellschaft leben, in der es möglich sein muss, auf unterschiedliche Weise glücklich, erfolgreich und zufrieden zu sein. Die neue Reihe "Wiener Vorlesungen. Kontroversen" bietet also am Stand des 21. Jahrhunderts Anregungen für eine "ars vivendi", für deren Prioritäten, Dramaturgie und Erfolg jede und jeder "wie im richtigen Leben" selbst verantwortlich ist.
Manfred Osten übernimmt die Verteidigung der Langsamkeit, er ist Anwalt der Verzögerung und Proponent für eine Gesellschaft, die das Recht auf Muße einräumt. Marlies Kinzel sieht die Institutionalisierung der Schnelligkeit als Motor eines Fortschritts, der in vielen Feldern bürgerInnenfreundlich und hilfreich ist, als Potenzial für Demokratisierung, als Möglichkeit für jenen ununterbrochenen Austausch und jene Kommunikation, die verhindern kann, dass Menschen einander mit Hass und Feindschaft gegenübertreten.
Veranstaltungsdetails
- Vorträge: Dr. Manfred Osten und Dr.in Marlies Kinzel
- Moderation: Univ.-Prof. Dr. Hubert Christian Ehalt
- Termin: Mittwoch, 16. November 2011, 19 Uhr
- Ort: Altes Rathaus, Festsaal, 1., Wipplingerstraße 8
- Fahrplanauskunft
Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Dr.in Marlies Kinzel

Dr. Manfred Osten
Wissenschafts- und Forschungsförderung (Magistratsabteilung 7)
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