"Prescripts und transcripts oder: Das Politische neu erfinden." - Wiener Vorlesung am 26.5.2010

Zeitgeschichte und Geschlecht/erforschung

Abstract von Brigitte Studer

Foto von Univ.-Prof. Dr. Brigitte Studer

Univ.-Prof.in Dr.in Brigitte Studer

"Die Neue Frauenbewegung als Teil der globalen 68er Bewegung hat die westlichen Gesellschaften nachhaltig verändert. Die gestiegene weibliche Arbeitsmarktbeteiligung, die offizielle Gleichstellungspolitik und zahlreiche institutionelle Förderinstrumente für Frauen zeugen davon noch rund 40 Jahre danach. Der Vortrag wird sich allerdings nicht mit diesen Entwicklungen befassen, sondern danach fragen, inwiefern die Neue Frauenbewegung neue Formen und Konzepte des Politischen geschaffen hat.

In der Tat hat die Neue Frauenbewegung mit Witz, aber auch Wut, Verve und Provokation grundlegende Muster der bürgerlichen Gesellschaft in Frage gestellt. Besonders trifft dies auf die aufklärerische Verbannung des Privaten aus der Politik zu. Sie hat dabei - so meine These - nicht nur uneingelöste Versprechen der Demokratie eingefordert, sondern überhaupt, teils eigenständig, teils im Gleichklang mit der gesamten 68er Bewegung, durch das Proben neuer Formen der partizipativen Demokratie eine Erweiterung des Politischen bewirkt und eine wichtige Kontribution zur Demokratisierung der Gesellschaft geleistet.

Die Jahre rund um 1968 und zwar vor allem die 1970er-Jahre erweisen sich allein durch die schiere Zahl der Menschen, die sich plötzlich als politische Subjekte verstanden haben, als ein wohl singulärer Moment in der Geschichte der Moderne. Die Aktivistinnen und Aktivisten haben dabei die gesellschaftlichen Vorschriften und vorherrschenden normativen Vorstellungen (prescripts) mit eigenen, widerständigen Aneignungen, Interpretationen und Redeweisen (transcripts) konfrontiert, die im übrigen oft von historischen Vorbildern inspiriert waren. Weit mehr als andere Neue Soziale Bewegungen hat die Frauenbewegung indes den Anspruch formuliert, dass der anvisierte politische und individuelle Emanzipationsprozess auch eine fundamentale Transformation des Selbst beinhalten müsse."

Veranstaltungsdetails

Eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien

Moderation

Foto von Mag. Eva Blimlinger

Mag.a Eva Blimlinger

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