"Städtische Jugendkriminalität - Strafe - Therapie - Rehabilitation?" - Wiener Vorlesung am 15.4.2010

Abstract von Udo Jesionek

Udo Jesionek

Präsident Hon.-Prof. Dr. Udo Jesionek

Es gehört zur normalen Entwicklung jedes jungen Menschen, dass er sich an bestehenden Normen reibt. In den wenigen Fällen, in denen solche Straftaten bekannt werden, genügt in der Regel ein kleiner "Denkzettel". Dabei muss allerdings immer geprüft werden, ob die vielleicht nur ganz geringe kriminelle Tat nicht Ausdruck einer dahinterliegenden Störung in der physischen, psychischen oder sozialen Entwicklung des jungen Menschen ist, die ohne entsprechende gesellschaftliche Reaktion letztlich dazu führen könnte, dass er sich ins soziale Leben nicht einfügen kann und kriminell wird.

Vor über 100 Jahren haben bereits unsere Vorfahren erkannt, dass die Besonderheiten einer Großstadt auch besondere Maßnahmen erfordern, und sind herangegangen, für die Großstadt Wien eine sinnvolle Jugendgerichtsbarkeit zu entwickeln. Seit 1907 wurde durch Verordnungen und Gesetze der Weg für eine zentrale umfassende Wiener Jugendgerichtsbarkeit vorbereitet. Durch das Jugendgerichtsgesetz 1928 wurde schließlich der Jugendgerichtshof Wien geschaffen. Er konnte durch seine interdisziplinäre Zusammensetzung in Zusammenarbeit von Richterinnen und Richtern, Staatsanwältinnen und Staatsanwälten, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, Psychologinnen und Psychologen sowie Pädagoginnen und Pädagogen und anderen sinnvoll mit den jeweils aktuellen Strömungen der Jugendkriminalität umgehen. Entgegen den Protesten der gesamten in- und ausländischen Fachwelt wurde 2003 in einem Handstreich der Jugendgerichtshof Wien zertrümmert und seine Kompetenzen auf 14 Wiener Gerichte aufgeteilt. Es müsste Anliegen aller sein, denen das Wohl unserer Jugend am Herzen liegt, diesen Jugendgerichtshof wieder zu errichten in seiner ursprünglichen oder vielleicht sogar noch besseren Form.

Veranstaltungsdetails

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Tina Leisch

Tina Leisch

Beate Matschnig

Dr.in Beate Matschnig

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