"Altern und Pflege zwischen 'Sibirien' und 'Arkadien'" - Wiener Vorlesung am 10.5.2010
Statement Hubert Christian Ehalt
"Der Umgang mit dem Älterwerden und dem Altern ist mit vielen Ambivalenzen belegt. Lebenserwartung und Lebenschancen wurden am Ende des 20. Jahrhunderts in allen Regionen der Welt größer und besser. Der Demograph Artur E. Imhof hat dieses Phänomen mit seinem Buch 'Die gewonnenen Jahre' auf den Begriff gebracht. Am Ende des 20. Jahrhunderts haben die Menschen auch nach der Beendigung ihrer Berufsarbeit, nach der Bewältigung der Erziehungsaufgaben eine ersehnte Lebensphase vor sich, auf die sich viele Hoffnungen und Wunschvorstellungen konzentrieren. Im 20. Jahrhundert wurde auch der Zeitraum nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben zu einem Sehnsuchtsraum, zu einem Lebenszeitraum, in dem man hofft, viele Träume - Reisen, Bildung, Kunst, Muße, et cetera - zu verwirklichen, für deren Realisierung vorher kein Platz war.
Die höhere Lebenserwartung ist für die einzelne Bürgerin, den einzelnen Bürger zunächst uneingeschränkt eine gute Nachricht. Die Gesellschaften mussten und müssen allerdings in den letzten Jahrzehnten die Fragen des Generationenvertrages neu überdenken. Mit dem Blick auf die demographischen Entwicklungen, die bewirken, dass der Anteil der älteren Menschen größer wird, und die Kosten der Gesundheits- und Pflegesysteme müssen im Hinblick auf soziale Fairness und Solidarität Fragen des Älterwerdens, der Pflege, der sozialen Lasten und Kosten neu gedacht und beantwortet werden."
Zitate aus dem Theaterstück "Sibirien" von Felix Mitterer
"Meine zweite Deportation. Die erste nach Sibirien. Als Kriegsgefangener. Die zweite in dieses Heim. Auch ein Sibirien. Sag nicht, dass ich übertreibe. Kalt war es dort, kalt ist es hier. Dort durfte ich lernen. Schach und Russisch. Hier darf man nichts lernen. Hinlegen und sterben. So lautet der Befehl."
"Der Boden taut niemals auf. Ein sogenannter Dauerfrostboden. Einen Meter unter der Erde liegt ewiges Eis. Kälte von unten, Kälte von oben. Der Atem gefriert zu Eiskristallen, die knisternd zu Boden schweben. Und manchmal gefrieren sogar die Wörter, bevor sie das Ohr des Angesprochenen erreicht haben. In der Frühlingssonne, wenn der Sprechende und der Angesprochene schon lange abwesend sind, tauen die Wörter auf und ertönen. Sinnlos."
Veranstaltungsdetails
Podiumsgespräch mit: Felix Mitterer, Primaria Dr.in Katharina Pils, Univ.-Prof.in Dr.in Ulrike Schneider
Moderation: Dr.in Ursula Baatz
Datum: Montag, 10. Mai 2010, 19 Uhr
Ort: Wiener Rathaus, Festsaal, Feststiege I, 1., Lichtenfelsgasse 2
Fahrplanauskunft
Verleihung des "Wiener Preises für humanistische Altersforschung 2009" der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie an Felix Mitterer im Rahmen der Veranstaltung
Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Dr.in Ursula Baatz

Felix Mitterer

Primaria Dr.in Katharina Pils

Univ.-Prof.in Dr.in Ulrike Schneider
Wissenschafts- und Forschungsförderung (Magistratsabteilung 7)
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