"Kirchenpolitik im Zeitalter der Diktaturen" - Wiener Vorlesung am 5.11.2009
Das Pontifikat Pius XI. (1922 bis 1939) im Lichte der neu zugänglichen Akten im Vatikanischen Geheimarchiv

Hubert Wolf, Professor für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte, forscht seit 1992 mit einer Sondergenehmigung in den Archiven der Inquisition und Indexkongregation im Vatikan.
Er würde mit dem "Teufel in Person" verhandeln, um eine einzige Seele zu retten, erklärte Papst Pius XI. im Jahr 1929. In diesem Jahr kam es mit den Lateran-Verträgen zu weitreichenden Abmachungen mit Mussolini. Vier Jahre später schloss der Vatikan mit Hitlerdeutschland ein Konkordat. Wie es zu diesem "Teufelspakt" kam, wie der Vatikan Nationalismen, Rassismus und Antisemitismus begegnete und warum Hitlers "Mein Kampf" nie auf dem "Index der verbotenen Bücher" stand, beantwortet Hubert Wolf mithilfe neu zugänglicher Akten aus den Vatikanischen Archiven.
Der bekannte Kirchenhistoriker nimmt dabei das Selbstverständnis des Papstes ernst: Der "Stellvertreter Christi auf Erden" und seine Mitstreiter sahen sich im Kampf mit den immer gefährlicheren Mächten der Moderne, dem Liberalismus, dem Kommunismus und dem Nationalsozialismus. Pius XI. war mit massiven Kirchenverfolgungen in Russland und Mexiko ebenso konfrontiert wie mit wechselseitigen Gräueltaten und antiklerikalen Ausschreitungen im Spanischen Bürgerkrieg. In vielen Ländern Europas setzten sich während seiner Amtszeit autoritäre oder diktatorische Regime durch. Die Lage in Deutschland beobachtete der Heilige Stuhl durch die römische Brille, die ihre ganz eigene Tönung und ihren ganz eigenen Fokus aufwies. Hubert Wolf schildert den Streit um den "richtigen Weg" zwischen Dogma und Diplomatie, der innerhalb des Vatikans tobte. Immer im Blickpunkt: Eugenio Pacelli (ab 1939 Papst Pius XII.), der zunächst als Nuntius in Deutschland und dann als Kardinalstaatssekretär die Politik des Vatikans prägte.
Veranstaltungsdetails
- Vortrag: Univ.-Prof. Dr. Hubert Wolf
- Moderation: Univ.-Prof. Dr. Rupert Klieber
- Datum: Donnerstag, 5. November 2009, 18 Uhr
- Ort: Universität Wien, Kleiner Festsaal, 1., Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
- Fahrplanauskunft
- Veranstaltungsfolder: 302 KB PDF
Eine Veranstaltung des Nationalen Historikerkomitees "Pius XI. und Österreich" und der Universität Wien in Kooperation mit den Theologischen Kursen, dem Forum Zeit und Glaube und den Wiener Vorlesungen
Wissenschafts- und Forschungsförderung (Magistratsabteilung 7)
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