Berufliche Reintegration von psychisch erkrankten Menschen

Video: Reintegra - berufliche Integration psychisch kranker Menschen

Mehr als 4.000 Menschen gehen in Österreich jährlich aufgrund einer psychischen Erkrankung in die Invaliditätspension und fallen dauerhaft aus dem Arbeitsprozess heraus. Dabei ist es gerade die Chance auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben, die den Betroffenen neue Perspektiven ermöglicht. Das geht aus einer Evaluationsstudie hervor, die am 8. März 2013 anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der gemeinnützigen Gesellschaft REiNTEGRA präsentiert wurde.


Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely:

80 Prozent der von REiNTEGRA betreuten Frauen und Männer mit psychischer Erkrankung wollen laut Studie wieder ins Berufsleben zurückkehren. Arbeit hat für die Betroffenen einen hohen Stellenwert. Das unterstreicht die Bedeutung einer solchen Einrichtung zur beruflichen Rehabilitation psychisch erkrankter Menschen, wie sie die Stadt Wien bietet.

Vorzeigebeispiel REiNTEGRA

Präsentation einer Evaluationsstudie zum 30-jährigen Jubiläum von REiNTEGRA

Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely mit den REiNTEGRA-Geschäftsführern Stefan Brinskele (l.) und Manfred Skoff (r.)

REiNTEGRA ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die sich seit 1982 für die berufliche Reintegration psychisch Erkrankter einsetzt. Sie ist auf diesem Gebiet eine der größten Rehabilitationseinrichtungen Mitteleuropas. Sie gehört zu 90 Prozent dem Kuratorium für psychosoziale Dienste in Wien (PSD) und damit der Stadt Wien. Zehn-Prozent-Miteigentümerin ist die Wirtschaftskammer Wien.

Die von REiNTEGRA betreuten Klientinnen und Klienten leiden unter schweren psychischen Erkrankungen. Schizophrenie und Depressionen sind die häufigsten Ursachen. Bis heute hat REiNTEGRA in ihren Werkstätten über 4.000 Frauen und Männer betreut und sie behutsam an eine Wiederbeschäftigung herangeführt.

Mit der Wiedereingliederung der Klientinnen und Klienten ins Berufsleben wurden positive Erfahrungen gemacht. Unternehmen können jederzeit mit REiNTEGRA kooperieren und psychisch erkrankten Menschen eine Chance geben. REiNTEGRA steht allen interessierten Unternehmen für Fragen und Anliegen zur Verfügung.

REiNTEGRA

Ergebnisse der aktuellen Erhebung

Seit 2008 wird die Zufriedenheit der Klientinnen und Klienten mittels einer jährlichen Befragung, die von IFES ausgewertet wird, evaluiert. 189 der jährlich rund 250 betreuten Klientinnen und Klienten haben 2011 an der Befragung teilgenommen. 70 Prozent der Befragten haben eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Gesundheitliche Situation und Lebensqualität

Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Befragung bezeichnen 44 Prozent ihre eigene Lebensqualität als gut bis sehr gut. Psychisch Erkrankte, die schon über einen längeren Zeitraum bei REiNTEGRA beschäftigt sind, beurteilen ihre Lebensqualität in der Regel besser als jene, die erst vor Kurzem in das Rehabilitationsprogramm aufgenommen wurden. Nur knapp vier von zehn geben an, dass sie mit ihrem derzeitigen Gesundheitszustand zufrieden sind. Dagegen bewerten 60 Prozent der Befragten ihre Arbeitsfähigkeit als gut. 2010 waren es im Vergleich dazu nur 51 Prozent, die diese positive Sichtweise hatten.

Arbeitshaltung und Leistung

72 Prozent der Befragten arbeiten gerne im Team. 58 Prozent halten sich nach eigenen Angaben und denen ihrer Trainerinnen und Trainer an den vereinbarten Tagesablauf. Acht von zehn Klientinnen und Klienten gaben an, dass Arbeit für sie einen hohen Stellenwert hat. Sieben von zehn zeigen sich mit ihrer Arbeitsleistung zufrieden. Seitens der Betreuerinnen und Betreuer liegt diese Einschätzung noch höher. Von ihnen zeigten sich acht von zehn Befragten mit der Arbeitsleistung zufrieden.

Reform der Invaliditätspension

Längere Beschäftigung bedeutet entsprechend höhere individuelle Zufriedenheit, bessere soziale Integration und hilft, Altersarmut zu vermeiden. Die Politik hat sich daher zum Ziel gesetzt, Menschen länger gesund im Erwerbsleben zu halten und krankheitsbedingte Pensionierungen zu vermeiden.

Menschen, die Rehabilitationsgeld beziehungsweise Umschulungsgeld erhalten, haben künftig einen Rechtsanspruch auf medizinische Rehabilitation. Damit haben auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit weniger schweren psychischen Erkrankungen Anspruch auf berufliche Rehabilitation. Psychisch erkrankte Menschen sind am meisten von der Reform betroffen und werden klar davon profitieren. Sie müssen zum Beispiel nicht mehr zwischen Pensionsversicherungsanstalt und Arbeitsmarktservice pendeln. Durch die Reform sollen positive Impulse bei der verstärkten Reintegration von psychisch erkrankten Menschen in den Arbeitsmarkt gesetzt werden.

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