Wiener Stadionbad - Historische Sportstätte der Stadt Wien

Das Wiener Stadionbad gehört zu den großen, in der Zeit der Ersten Republik erbauten Schwimmbädern. Es wurde gleichzeitig mit dem Wiener Stadion - heute Ernst-Happel-Stadion - und einer Radrennbahn im Wiener Prater errichtet. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1931 stand die als öffentliche Badeanstalt genutzte Sportstätte immer wieder im Rampenlicht zahlreicher Großveranstaltungen. Neben der Arbeiterolympiade 1931 wurden bislang drei Schwimm-Europameisterschaften im Wiener Stadionbad ausgetragen.

Das Stadionbad - Eine Oase der Erholung inmitten der Großstadt

Wie alles begann

Das Stadionbad nach der Wiedereröffnung im Jahr 1949

Zu den Maßnahmen der sozialdemokratischen Wiener Stadtverwaltung der Ersten Republik (1914 bis 1934) auf dem Gebiet des damaligen Gesundheitswesens zählte nicht nur der international anerkannte kommunale Wohnbau. Es wurden auch zahlreiche öffentliche Bäder errichtet, die gleichzeitig als Sportstätten genutzt werden konnten. Eine der Grundideen für den Bau des Stadionbades war, nicht nur eine hochmoderne Sportstätte zu schaffen, sondern auch dem Sport und seinem gesellschaftlichen und natürlichen Umfeld durch die architektonische Gestaltung der Anlage einen ganz spezifischen Ausdruck zu verleihen.

Eröffnung 1931

Seit den 70iger Jahren sorgen die beiden, jeweils 75 Meter langen Wasserrutschen für jede Menge Wasserspaß

Gleichzeitig mit dem Wiener Stadion und der damaligen Radrennbahn im Prater wurde das Stadionbad anlässlich der zweiten Arbeiterolympiade im Jahr 1931 feierlich eröffnet. Die Schwimm- und Wassersprungbewerbe der Olympiade wurden im Stadionbad unter großem Publikumsinteresse durchgeführt.

Das Stadionbad entwickelte sich binnen kürzester Zeit zu einem Zentrum der Wiener Schwimmklubs und auch zu einem überaus beliebten Schwimmbad für den Breitensport, wie es auch im Wiener Bäderkonzept vorgesehen war.


Die Hakoah - Sportverein mit Weltruf

Eine besondere historische Bedeutung hat das Stadionbad auch aufgrund seiner unmittelbaren Nachbarschaft zum Sportverein Hakoah Wien. Die Hakoah (hebräisch: Kraft), ein jüdischer Verein, zählte damals in mehreren Sportarten zur Weltspitze. Das spiegelte sich in zahlreichen nationalen und internationalen Titeln, auch bei den Olympischen Spielen, wider. Legendär sind vor allem die Erfolge der Fußball- und Wasserballmannschaft, der Ringer und Schwimmer.

Gegründet wurde der jüdische Sportverein im Jahre 1909. Dies war einerseits die Folge eines gestiegenen Selbstbewusstseins des liberalen Judentums und dessen geänderter Einstellung gegenüber der Körperkultur, aber auch der Ausgrenzung der Juden durch Arierparagrafen anderer Sportvereine. Aufgrund der damals relativ hohen Anzahl jüdischer Wiener Bürger (180.000) entwickelte sich ein reger Zustrom zum Verein. Zahlreiche Sektionen wurden gegründet: Fechten, Fußball, Hockey, Leichtathletik, Ringen und Schwimmen.

In der Zwischenkriegszeit wurde die Hakoah zu einem der mitgliederstärksten Sportvereine Österreichs. Der Hakoahplatz im Wiener Prater wurde auch zum gesellschaftlichen Treffpunkt vieler Wiener Juden. Friedrich Torberg, Schriftsteller und Journalist, berichtet in seinem Buch "Die Erben der Tante Jolesch" ausführlich über die Rolle der Hakoah im Wien der Zwischenkriegszeit. Torberg selbst war ein begeisterter Wasserballer und spielte auch bei internationalen Spielen.

Nach und nach verschärfte sich die politische Situation und der reguläre Sportbetrieb wurde immer stärker eingeschränkt. Die Sportstätten des Wiener Traditionsvereines wurden von den Nazis beschlagnahmt und der Name Hakoah verboten. Jüdische Sportlerinnen und Sportler, die konnten, flohen daraufhin vor dem Terrorregime in ferne Länder und gründeten neue Existenzen.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Hakoah von einigen Zurückgekehrten wieder ins Leben gerufen. Obwohl die Zahl der Juden in Wien drastisch auf etwa 6.000 zurückgegangen war, gelang es mit viel Begeisterung wieder einige Sektionen aufzubauen. Vor allem bei den Maccabi-Spielen (den jüdischen Olympischen Spielen) konnten Hakoahner etliche Medaillen gewinnen und somit auch den österreichischen Sport würdig vertreten.

Krieg und Wiederaufbau

1945 brannte das Wiener Stadionbad, von Fliegerbomben getroffen, in der Endphase des Zweiten Weltkrieges völlig nieder. Bereits ein Jahr später konnte wieder ein Notbetrieb aufgenommen werden und 1948 fand die Gleichenfeier für das in neuem Glanz errichtete Stadionbad im Wiener Prater statt.

International rückte das Wiener Stadionbad schon 1950 mit der Durchführung der Schwimm-Europameisterschaften erneut ganz in den Blickpunkt der sportinteressierten Bevölkerung. Zwei weitere Europameisterschaften folgten 1974 und 1995.

Stadionbad heute: Wiens modernstes Freibad

Das Stadionbad präsentiert sich heute als topmoderne Freizeitanlage

Das Stadionbad wird von der Wiener Stadthallen-Gruppe verwaltet und betrieben. Es zählt mit 150.000 Quadratmetern zu den größten Bäderanlagen Europas. An Rekordtagen konnten bis zu 18.000 Besucher gezählt werden. Heute ist das Bad geprägt von modernen Einrichtungen für den Hochleistungssport sowie einer Vielzahl von Angeboten, die Breitensport, Bewegung und Erholung ermöglichen. Das "Neue Wiener Stadionbad" ist heute eines der Flaggschiffe für zeitgemäße und moderne Sport- und Freizeitgestaltung in der Großstadt Wien.

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