Wiener Praterstadion - Ernst-Happel-Stadion - Historische Sportstätte der Stadt Wien

Das Wiener Praterstadion erhielt 1993 zusätzlich die Bezeichnung Ernst-Happel-Stadion und ist Wiens größte Sportarena und Konzertarena der Superlative. Als Austragungsort historischer Sportveranstaltungen in Wien stand es immer im Blickfeld des heimischen und internationalen Sportgeschehens. Nicht zu vergessen die einzigartigen Rock- und Popkonzerte: Neben den Rolling Stones (1982, 2003 und 2006) gaben auch Pink Floyd (1988), Bruce Springsteen oder Herbert Grönemeyer (beide 2003) vor rund 56.000 Zuschauern ihr Bestes.

Blick in das Ernst-Happel-Stadion

Grundsteinlegung und Standortdebatte

Der Bau eines öffentlichen zentralen Stadions wurde seitens der Stadt Wien schon 1915 ins Auge gefasst. Doch die prunkvollen Entwürfe, etwa ein Bau beim Schloss Schönbrunn mit monumentaler Fassade oder ein Stadion mit Schwimmbad und Autorennbahn am Fasangarten wurden nicht realisiert. Seitens der Stadtregierung war man sich aber einig, dass das neue Stadion ein Musterbau für den Sport werden sollte. Das Stadion sollte die verschiedensten sportlichen Interessen unter einen Hut bringen - allen voran die der Fußballer, Radfahrer und Leichtathleten.

Schließlich nahm die Stadt Wien die "Zehnjahresfeier der Ausrufung der Republik" zum Anlass, den Grundstein für das Stadionprojekt zu legen. Der Granitblock, der als Grundstein dienen sollte, wurde zunächst provisorisch in der Prater-Hauptallee aufgestellt. Denn man war noch immer unschlüssig, wo dieses Stadion einmal stehen sollte - im Augarten, am Cobenzl, auf der Hohen Warte oder im Prater. Hohe Warte und Prater waren einander jedenfalls ebenbürtig, denn dort hatte immerhin die Geschichte des Wiener Fußballs begonnen. Das allererste offizielle Fußballmatch in Wien wurde am 25. November 1894 auf der Jesuitenwiese zwischen den beiden Vereinen "Vienna Cricket and Football Club" (der späteren Austria Wien) und dem "Vienna Football Club" (kurz "Vienna" genannt) ausgetragen. Es endete mit einem 4:1 für die "Heimmannschaft".

Bei der Debatte um den Standort machte letztendlich der Prater das Rennen, wahrscheinlich weil sich der Grundstein schon dort befand. Am 11. Mai 1929 beschloss der Wiener Gemeinderat einstimmig den Bau des Stadions im Wiener Prater.

Stadioneröffnung im Rahmen der Arbeiterolympiade 1931

Das Wiener Praterstadion war von Beginn an als Österreichisches Nationalstadion konzipiert. Ein deutscher Architekt, Otto Ernst Schweizer, entschied den Ideenwettbewerb für sich. Er konzipierte nicht nur eine Sportarena, sondern zugleich ein ausuferndes multifunktionales Sportzentrum mit Badeanlage, Radrennbahn, Freilichtbühne, Tennis- und Trainingsplätzen, Turnhallen, einer Sportschule mit Hörsälen und Bibliothek. Auch wenn nicht alles Geplante realisiert wurde, so waren die ZeitgenossInnen doch beeindruckt.

Am 11. Juni 1931 war es dann soweit. Nach 23-monatiger Bauzeit wurde das Wiener Praterstadion mit der II. Arbeiterolympiade feierlich eröffnet. Gleichzeitig wurden das Stadionbad und eine Freiluft-Radrennbahn, die Vorläuferin des Ferry-Dusika-Hallenstadions in Betrieb genommen. Zu dieser Massensportveranstaltung reisten mehr als 100.000 Menschen aus ganz Europa und Übersee nach Wien. 117 Bewerbe, von der Leichtathletik bis zum Wasserball, wurden im Laufe von nur einer Woche abgehalten. Die Entscheidungskämpfe im Handball und Fußball wurden (mit Erfolgen für Österreich) vor 65.000 begeisterten Zuschauerinnen und Zuschauern im neuen Stadionjuwel ausgetragen. Das Wiener Praterstadion hatte seine Feuertaufe mit Bravour bestanden und war bereit für die große Zeit des österreichischen Fußballs.

Uneinnehmbare Heimfestung des "Wunderteams"

Die 1930er-Jahre standen im Zeichen des besten Fußball-Nationalteams, das Österreich je hervorbrachte: das so genannte "Wunderteam". Zu den legendären Spielern der Nationalelf mit Weltruf zählten vor allem Matthias Sindelar (1903 bis 1939), wegen seiner bedächtigen Spielweise "der Papierene" genannt, und Karl Sesta (1906 bis 1974) "der Blade". Ihren ersten glanzvollen Auftritt hatten Sindelar, Sesta, Gall, Zischek, Vogel und Schall 1931 beim 6:0 Auswärtserfolg in Berlin gegen Deutschland. Ein für heutige Zeiten nahezu unvorstellbares Ergebnis.

Das Retour-Match ließ nicht lange auf sich warten. Mehr als 50.000 Zuschauerinnen und Zuschauer im Wiener Praterstadion waren am 13. September 1931 Zeugen, dass Österreichs Fußball Wunderteamzeiten entgegenging: Im ersten offiziellen Länderspiel wurde Deutschland mit einem eindrucksvollen 5:0 vom Platz gefegt.

Gruppenbild des "Wunderteams" Durchschnittlich 50.000 Besucher feierten im Wiener Stadion Österreichs beeindruckende Siegesserie gegen die besten Fußballteams der Welt Weltfußballer Matthias Sindelar beim Training

Vom 12. April 1931 bis 23. Oktober 1932 blieb Österreich 14 Spiele in Folge ungeschlagen (elf Siege, drei Unentschieden). Höhepunkt dieser Serie war der sensationelle 5:0-Sieg über Schottland am 16. Mai 1931 in Wien, die erste Niederlage für die Schotten auf dem europäischen Kontinent. Den Schweizern erging es mit einem 2:0 (Wien) und 8:1 (Basel) nicht viel besser. Italien schlug man mit 2:1 (Wien), Ungarn mit 8:2 (Wien). Ein 3:4 gegen das Fußball-Mutterland England am 7. Dezember 1933 an der Londoner Stamford Bridge beendete schließlich die eindrucksvolle Siegesserie. Das letzte Länderspiel des "Wunderteams", das so genannte "Anschlußspiel" Österreich gegen Deutschland endete Anfang April 1938 2:0 für Österreich. Sindelar und Sesta schossen die Tore in einem Spiel, das es - aufgrund der Annektion Österreichs - offiziell nie gab.

Kaserne und Internierungslager (1938 bis 1945)

Das Wiener Praterstadion wurde nach der Annektion Österreichs durch die Deutsche Wehrmacht zunächst zur Kaserne umfunktioniert und wurde unter anderem Sitz des Planungsbüros der Nationalsozialisten. Sportereignisse fanden noch statt, so zum Beispiel die Studentenweltspiele im August 1939, zwei Wochen vor Kriegsbeginn. Bis zur Befreiung Österreichs im April 1945 gab es verschiedene Fußballspiele österreichischer gegen deutsche Mannschaften (zum Beispiel Admira gegen Schalke), bei denen es wiederholt zu Demonstrationen kam.

Bereits als Kaserne missbraucht, musste das Stadion noch mehr Schande ertragen: Hier wurden Mitbürgerinnen und Mitbürger jüdischer Abstammung interniert, bevor man sie in Konzentrationslager deportierte. Eine Gedenktafel in der Ehrenhalle erinnert heute an die dunkelste Zeit des Wiener Stadions. 1944 wurde das Stadion laufend von Bombenangriffen der Alliierten heimgesucht, die dem Planungsbüro der Wehrmacht galten. Der Sektor E wurde total zerstört, die Radrennbahn unbrauchbar gemacht, das Stadionbad wurde ein Opfer der Flammen.

Ausbau zur Massenarena (1956 bis 1959)

In der Nachkriegszeit riefen Sportveranstaltungen - allen voran Fußball, Boxen und Speedway - in Wien großes Interesse wach. Das machte eine Erweiterung des Wiener Praterstadions dringend nötig. 1956 wurde die Praterarena um einen dritten Rang aufgestockt und fasste nun 91.150 Personen. Gleichzeitig wurde eine Flutlichtanlage mit vier Masten errichtet. Die Eröffnung dieser Riesenanlage fand anlässlich des Europacupspiels Rapid gegen Real Madrid statt. Ernst Happel schoss damals alle drei Tore beim glanzvollen 3:1 Sieg der Wiener.

1959 wurde der Umbau des Wiener Praterstadions zu einer modernen Mehrkampfbahn abgeschlossen. Es bewältigte Rekordbesucherzahlen, die jede Erweiterung rechtfertigten: So strömten am 30. Oktober 1960 über 90.000 Zuschauer in das Betonoval, um einem 3:0-Erfolg der österreichischen Nationalmannschaft gegen Spanien beizuwohnen. Einen bis heute für Wien unerreichten Besucherrekord brachte das Spiel gegen die UdSSR, das vor 90.726 Zuschauern mit einem 3:1-Sieg der Österreicher endete. In den Jahren danach reduzierte man die Stehplätze zugunsten der Sitzplätze, wodurch der Fassungsraum wieder auf 72.200 Plätze verringert wurde.

Generalsanierung (1986/1993)

Im Jahr 1984 wurde mit einer umfangreichen Generalsanierung des Wiener Praterstadions begonnen. Tragwerke und Oberflächen wurden saniert, die Sitzanlagen erneuert. Herzstück des Großbauvorhabens war eine Gesamtüberdachung nach dem so genannten Knotenpatent (Frantl, Hofstätter, Zemler und Raunich). Mit einer Auskragung von zirka 50 Metern zur Stadionmitte gehört das elliptische Dach zu einem der weitgespanntesten der Welt (277 Meter auf 223 Meter). Ganz neu wurde auch die Flutlichtanlage gestaltet, die nicht mehr auf Masten, sondern in die neue Überdachung integriert wurde. Das Fassungsvolumen wurde auf 50.000 Sitzplätze reduziert.

Legendäres Konzert der Rolling Stones im Jahr 1982 Gedenkstein zur Erinnerung an Ernst Happel, Namenspatron des neu eröffneten Stadions Nationaltrainer Herbert Prohaska bei erfolgreicher WM-Qualifikation im Ernst-Happel-Stadion

Für das Eröffnungsspiel des neuen Stadions konnte der damalige Vizeweltmeister Deutschland gewonnen werden. 55.000 Zuschauer bejubelten am 30. Oktober 1986 einen historischen 4:1-Sieg Österreichs, der Reminiszenzen an die Wunderteamzeiten der 1930er-Jahre wachrief. Toni Polster und Reinhard Kienast steuerten je zwei Tore bei, Rudi Völler erzielte das Ehrentor.

1993 erhielt das Wiener Praterstadion zusätzlich die Bezeichnung Ernst-Happel-Stadion. Happel (1925 bis 1992) war nach einer eindrucksvollen Spieler- und Trainerlaufbahn in seinem letzten Lebensjahr noch Trainer der österreichischen Nationalmannschaft. Das Wiener Praterstadion - Ernst-Happel-Stadion zählt heute zu den schönsten und sichersten Sportarenen der Welt und wurde für die Fußball-Europameisterschaft 2008, die Österreich gemeinsam mit der Schweiz ausrichtet, neu adaptiert.

Sportliche und musikalische Highlights

Im Stadion wurden bedeutende Länderspiele, Derbys zwischen Rapid Wien und Austria Wien, Mitropa- und Europacupspiele ausgetragen, außerdem dreimal das Europapokalfinale der Landesmeister sowie das Champions League Finale 1995:

  • Europapokalfinale der Landesmeister 1964: Inter Mailand - Real Madrid (3:1)
  • Europapokalfinale der Landesmeister 1987: FC Porto - Bayern München (2:1)
  • Europapokalfinale der Landesmeister 1990: AC Mailand - Benfica Lissabon (1:0)
  • Champions League Finale 1995: Ajax Amsterdam - AC Mailand (1:0)

Besonders bemerkenswerte Spiele österreichischer Fußballvereine waren:

  • 1956: Rapid Wien - Real Madrid (3:1)
  • 1958: Wiener Sportclub - Juventus Turin (7:0)
  • 1978: Austria Wien - Dynamo Moskau (2:1/Elfmeterschießen)

Neben Fußball wurden und werden auch andere Sportarten, darunter Radrennen, Leichtathletik und Speedwayveranstaltungen, ausgetragen. Österreichische Sportgeschichte schrieben unter anderem folgende Veranstaltungen:

  • Box-Europameisterschaft 1950: Joschi Weidinger errang den Europameistertitel im Schwergewicht gegen Stefan Olek (Frankreich) vor 35.000 Zuschauern
  • Leichtathletik 1971: Illona Gusenbauer erzielte mit 1,92 Meter einen neuen Weltrekord im Frauen-Hochsprung
  • Tennis Davis-Länderkampf 1990: Österreich - USA (2:3)
  • Schwimm-Europameisterschaften 1995: Wasserballspiele in einem eigens installierten Becken

Legendäre Open Air Veranstaltungen im Wiener Praterstadion - Ernst-Happel-Stadion:

  • 3. Juli 1982: Rolling Stones (51.000 Besucher)
  • 1. Juli 1987: David Bowie (40.000 Besucher)
  • 2. Juni 1988: Michael Jackson (47.000 Besucher)
  • 1. Juli 1988: Pink Floyd (30.000 Besucher)
  • 14. Juli 1990: Tina Turner (56.000 Besucher - ausverkauft)
  • 31. Juli 1990: Rolling Stones (56.000 Besucher - ausverkauft)
  • 24. Mai 1991: Herbert Grönemeyer (43.000 Besucher)
  • 13. Juni 1992: Elton John (49.000 Besucher)
  • 3. Juli 1992: Dire Straits (33.000 Besucher)
  • 16. Juli 1992: Genesis - Phil Collins (40.000 Besucher)
  • 26. August 1992: Michael Jackson (40.000 Besucher - bis dato größter Bühnenaufbau)
  • 2. Juni 1993: Guns 'n Roses (25.000 Besucher)
  • 3. September 1993: Bon Jovi (Vorprogramm: Billy Idol) (31.000 Besucher)
  • 5. Juli 1995: Eros Ramazzotti (28.000 Besucher)
  • 22. Juni 1996: Kelly Family (41.000 Besucher)
  • 3. Juli 1996: Tina Turner (38.000 Besucher)
  • 13. Juli 1996: Die 3 Tenöre (56.000 Besucher - ausverkauft)
  • 2. Juli 1997: Michael Jackson (40.000 Besucher)
  • 19. Juni 1998: Elton John (40.000 Besucher)
  • 1. August 2000: Tina Turner (47.000 Besucher)
  • Das Wiener Praterstadion - Ernst-Happel-Stadion stand im Jahr 2003 mit fünf Mega-Events ganz im Zeichen der großen Open-Air-Veranstaltungen. Zu den Konzerten von Herbert Grönemeyer, Bon Jovi, Rolling Stones, Bruce Springsteen und Robbie Williams kamen insgesamt rund 233.000 Besucher.

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