Sternstunden im Wiener Praterstadion - Ernst-Happel-Stadion

Seit seiner Gründung im Jahr 1931 stand das Wiener Praterstadion - Ernst-Happel-Stadion Jahr für Jahr im Rampenlicht legendärer Sportveranstaltungen. Als Heimstätte des Österreichischen Nationalteams sowie für Klubmannschaften bei internationalen Bewerbsspielen war die Fußballarena im Wiener Prater stets Garant für sportliche Highlights und beste Organisation.

Andreas Ogris umjubelt Reinhart Kienast, zweifacher Torschütze beim legendären 4:1 Sieg im Ernst-Happel-Stadion gegen Deutschland, 1986

Uneinnehmbare Heimfestung des "Wunderteams" (1931 bis 1932)

Der 16. Mai 1931 gilt als Geburtsstunde des "Wunderteams". Unter der Führung des charismatischen Teamchefs Hugo Meisl gelang der österreichischen Nationalelf mit dem 5:0-Erfolg gegen Schottland ein unglaublicher Siegeszug quer durch den europäischen Kontinent. Neben der Wiener Hohen Warte - in den 1930er-Jahren Europas größte Naturarena mit einem Fassungsvermögen für mehr als 90.000 Zuschauerinnen und Zuschauern - wurde das Wiener Praterstadion zur uneinnehmbaren Heimfestung des besten Nationalteams, das Österreich je hervorbrachte.

Im ersten Spiel der österreichischen Nationalelf im Wiener Praterstadion gab es am 14. September 1931 vor 50.000 Zuschauerinnen und Zuschauern einen 5:0-Erfolg über Deutschland. Österreich spielte mit Hiden (WAC) im Tor, in der Abwehr mit Schramseis (Rapid) und Blum (Vienna), im Mittelfeld mit Smistik (Rapid), Mock und Gall (beide Austria) und im Angriff mit Zischek (Wacker), Gschweidl (Vienna), Sindelar (Austria), Schall und Vogl (beide Admira).

Vom 12. April 1931 bis 23. Oktober 1932 blieb das "Wunderteam" 14 Spiele in Folge ungeschlagen (elf Siege, drei unentschieden):

  • Österreich : Tschechoslowakei 2:1, Tore: Nausch, Horvath (12. April 1931)
  • Österreich : Ungarn 0:0 (3. Mai 1931)
  • Österreich : Schottland 5:0, Tore: Schall, Zischek (2), Vogel, Sindelar (16. Mai 1931)
  • Deutschland : Österreich 0:6, Tore: Schall (3), Vogel, Zischek, Gschweidl (24. Mai 1931)
  • Österreich : Schweiz 2:0, Tore: Gschweidl, Schall (17. Juni 1931)
  • Österreich : Deutschland 5:0, Tore: Sindelar (3), Schall, Gschweidl (14. September 1931)
  • Ungarn : Österreich 2:2, Tore: Zischek (2) (4. Oktober 1931)
  • Schweiz : Österreich 1:8, Tore: Gschweidl (2), Zischek, Schall (3), Vogel, Sindelar (29. November 1931)
  • Österreich : Italien 2:1, Tore: Sindelar (2) (20. März 1932)
  • Österreich : Ungarn 8:2, Tore: Sindelar (2), Zischek, Schall (4), Gschweidl (24. April 1932)
  • Tschechoslowakei : Österreich 1:1, Tor: Sindelar (22. Mai 1931)
  • Schweden : Österreich 3:4, Tore: Vogel, Sindelar, Waitz, Molzer (17. Juli 1932)
  • Ungarn : Österreich 2:3, Tore: Eigentor Ungarn, Müller, Braun (2. Oktober 1932)
  • Österreich : Schweiz 3:1, Tore: Schall (2), Müller (23. Oktober 1932)

Was der österreichische Fußball in dieser Zeit in der Welt bedeutete, zeigt folgende Bilanz: Vom 1. August 1931 bis zum 31. Juli 1932 trugen österreichische Vereine nicht weniger als 338 internationale Spiele aus. Davon allein 309 im Ausland. Das Resultat: 234 Siege, 37 Unentschieden und 67 Niederlagen. Torverhältnis: 1.215:568.

Rekordsieg in der WM-Qualifikation (1953)

Anfang der 1950er-Jahre waren Länderspiele der österreichischen Nationalmannschaft stets ausverkauft. Die Karten waren begehrte Handelsobjekte. Durchschnittlich 65.000 Zuschauerinnen und Zuschauer im Wiener Praterstadion wurden Zeugen von legendären Länderspielen. Große Fußballnationen wie Italien (1:0), Ungarn (5:2), Schottland (4:0), Belgien (2:0) und Irland (6:0) wurden im Praterstadion regelrecht vorgeführt.

Am 27. September 1953 schrieb die österreichische Nationalelf mit einem 9:1-Schützenfest gegen Portugal heimische Fußballgeschichte. Der bisher höchste Sieg in einer WM-Qualifikation machte nicht nur einige Spieler zu Superstars (allen voran Erich Probst, der an diesem Abend fünf Tore erzielte), der Erfolg brachte Österreich auch an die Spitze der europäischen Fußballnationen. Glanzvoller Höhepunkt der Erfolgsepoche bedeutete die Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz, bei der Österreich mit Happel, Hanappi, Ocwirk, Probst und Co den dritten Platz, und somit die beste WM-Platzierung aller Zeiten belegte.

Wiener Sport-Club schreibt Europacupgeschichte (1958)

Am 1. Oktober 1958 schreibt der Wiener Sport-Club österreichische Fußballgeschichte. In der ersten Runde des Europacup der Meister wird die hoch favorisierte Mannschaft von Juventus Turin nach einem 3:1-Sieg im Heimspiel im Wiener Praterstadion mit 7:0 aus dem Bewerb geschossen. Josef Hamerl erzielte in diesem Spiel vier Tore und erlangte durch diese Leistung fußballerischen Weltruhm. Das Ergebnis war der bisher größte sportliche Erfolg einer heimischen Klubmannschaft gegen eine europäische Spitzenmannschaft.

Aber nicht nur international war der Wiener Sport-Club in diesem Jahr (wie auch in den Folgejahren) das Maß aller heimischen Fußball-Dinge. Zwischen dem 17.6.1957 und dem 12.9.1959 feierte der Wiener Sport-Club unter Trainer Hans Pesser in 55 Meisterschaftsspielen 43 Siege, spielte 11 mal unentschieden und musste lediglich eine einzige Niederlage hinnehmen. Eine Meistermannschaft, die unvergesslich bleibt: Rudolf Szanwald, Erich Hasenkopf, Heinrich Büllwatsch, Alois Jaros, Leopold Barschandt (Kapitän), Rudolf Oslansky, Walter Horak, Adolf Knoll, Erich Hof, Josef Hamerl und Karl Skerlan.

Zuschauerrekord unter der Decker-Ära (1960/61)

Zu Beginn der 1960er- Jahre setzte der österreichische Fußball unter der Führung von Karl Decker (1960 bis 1966) zu neuen internationalen Höhenflügen und einer beachtlichen Siegesserie an. Bis Oktober 1961 konnten von zehn Länderspielen neun gewonnen werden: Schottland, zwei Mal die Sowjetunion, Spanien, auswärts Italien, England und zwei Mal Ungarn (davon erstmals seit 29 Jahren wieder in Budapest) wurden besiegt.

Ausschnitt aus dem Spiel gegen die UdSSR vor 90.726 Zuschauerinnen und Zuschauern Szene aus dem legendären 3:1-Sieg der österreichischen Nationalmannschaft gegen die UdSSR Kapitän Karl Decker führt die Österreichische Nationalmannschaft ins ausverkaufte Wiener Stadion

Begonnen hat es am 29. Mai 1960 im Praterstadion, als Schottland 4:1 geschlagen wurde. Zwei Spieler spielten sich an diesem Abend in die Herzen der Fans: Der Rapidler Gerhard Hanappi und Ernst Hof vom Wiener Sport-Club. Nachdem im September die Sowjetunion mit 3:1 in die Schranken gewiesen wurde, sprach die internationale Presse zu Recht von einem neuen Wunderteam.

Der sportliche wie auch wirtschaftliche Höhepunkt der Decker-Ära wurde am 30. Oktober 1960 erreicht: Mit 90.726 zahlenden Zuschauerinnen und Zuschauern wurde ein Rekord für ewige Zeiten aufgestellt, da nach dem Umbau auf mehr Sitzplätze das Wiener Praterstadion ursprünglich nur mehr knapp über 70.000 fasste. Die Rekordmenge bekam ein Prachtspiel gegen die spanischen Ballkünstler geboten - eines der besten in der 100-jährigen Fußballgeschichte - das durch Tore von Senekowitsch, Nemec und Hof hochverdient mit 3:0 gewonnen wurde.

Legendärer Sieg über Deutschland (1986)

Ein unerwarteter Prestigeerfolg gelang am 29. Oktober 1986 zur Wiedereröffnung des renovierten und überdachten Praterstadions. Mit dem 4:1-Erfolg gegen Vizeweltmeister Deutschland wurden Erinnerungen an das legendäre WM-Spiel in Cordoba, Spanien (Endresultat 3:2) wach. Toni Polster und Reinhard Kienast steuerten je zwei Treffer bei. Es war der erste Sieg gegen den Erzrivalen vor heimischem Publikum seit 1931 (damals siegte das Wunderteam 5:0).

Vor ausverkauftem Haus (55.000 Zuschauerinnen und Zuschauer) überzeugten die frech aufspielenden Österreicher durch Offensive und Kampfgeist. Alle Tore fielen in der zweiten Spielhälfte zwischen der 57. und 76. Minute. Es war ein großer Fußballabend, der unter die Ära von Branko Elstner fiel.

Welchen Stellenwert dieser historische Sieg über Deutschland einnimmt, zeigt die Statistik. Von den bisher 33 Länderspielen konnten nur acht gewonnen werden. Das letzte Aufeinandertreffen in Wien endete mit einem 3:1 Sieg der Deutschen (18. August 2004).

Toni Polsters Trippelpack gegen die DDR (1989)

Im Laufe der spannenden Qualifikation für die WM-Endrunde in Italien kam es am 15. November im ausverkauften Praterstadion zum alles entscheidenden Spiel der österreichischen Nationalmannschaft gegen die DDR. Nur bei einem Sieg und gleichzeitiger Niederlage der Türkei gegen den Gruppenfavoriten Russland würde Österreich seine sechste WM-Teilnahme erreichen.

Was an diesem Abend folgte, wurde zu einer weiteren Sternstunde des heimischen Fußballs, die ganz im Zeichen eines Mannes stand: Toni Polster. Zuerst - ob seiner Ladehemmung in den vorangegangenen Qualifikationsspielen - verschmäht und ausgepfiffen, nach seinem "Dreierpack" zum historischen 3:0-Sieg der umjubelte Held. Eine mögliche Aufholjagd der DDR-Stars wie Sammer, Kirsten oder Thom stoppte der in Hochform agierende Torhüter Klaus Lindenberger, der unter anderem einen Elfmeter parierte.

Die WM-Endrunde konnte somit (auch dank eines 2:0-Erfolges Russlands über die Türkei) erreicht werden. Auch in der Vorbereitungsphase konnte das österreichische Nationalteam seine Hochform konservieren: Neben einem 1:1 gegen Weltmeister Argentinien wurden große Fußballnationen wie Spanien (auswärts) und Holland mit je 3:2 besiegt. Bei der Weltmeisterschaft in Italien schieden die glück- aber auch farblos spielenden Österreich bereits in der Vorrunde aus.

Qualifikation für die WM-Endrunde in Frankreich (1998)

Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Frankreich 1998 löste in Österreich eine neuerliche Fußball-Euphorie aus. Unter Teamchef Herbert "Schneckerl" Prohaska wurden in zehn Spielen acht Siege errungen:

  • Österreich : Schottland 0:0
  • Schweden : Österreich 0:1, Tor: Herzog
  • Österreich : Lettland 2:1, Tore: Polster, Herzog
  • Schottland : Österreich 2:0
  • Österreich : Estland 2:0, Tore: Vastic, Stöger
  • Lettland : Österreich 1:3, Tore: Heraf, Polster, Stöger
  • Estland : Österreich 0:3, Tore: Polster (3)
  • Österreich : Schweden 1:0, Tor: Herzog
  • Weißrussland : Österreich 0:1, Tor: Pfeifenberger
  • Österreich : Weißrussland 4:0, Tore: Polster (2), Stöger (2)

Vor allem die Spiele gegen Gruppenfavorit Schweden gingen in die Geschichte des österreichischen Fußballs ein. Andreas Herzog war mit seinen Toren gegen Schweden der Vater der Qualifikation. Mit seinem Traumtor beim "Schicksalsspiel" in Wien brachte er das ausverkaufte Ernst-Happel-Stadion zum Überkochen. Die WM-Endrunde verlief dann nicht ganz nach Wunsch. Nach zwei Unentschieden gegen Kamerun (1:1) und Chile (1:1) verlor man das entscheidende Vorrunden-Spiel gegen Italien mit 1:2.

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