Friedrich Torberg - Sportpersönlichkeit aus Wien

Friedrich Torberg hat das österreichische Kulturleben nach dem Zweiten Weltkrieg nachhaltig beeinflusst. Als Feuilletonist, Theaterkritiker und Sportreporter war er eine Instanz. Torberg war aber auch ein hervorragender Wasserballspieler, der mit Hagibor Prag 1928 den Meisterschaftstitel in der Tschechoslowakei errang. Er war eine Gallionsfigur der jüdischen Sportbewegung in Wien und bekennender "Hakoahner".

Portrait von Friedrich Torberg, eigentlich Friedrich Kantor-Berg

Zur Person

Friedrich Torberg (Pseudonym für Friedrich Kantor) wurde am 16. September 1908 in Wien geboren. Torberg erlebte bereits mit 22 Jahren seinen literarischen Durchbruch mit dem Roman "Der Schüler Gerber". Darin entwirft er das Psychogramm eines Gymnasiasten bis zu dessen Selbstmord. In der Zwischenkriegszeit pendelte er als "Weltbürger ohne Heimat", wie er sich selbst gerne bezeichnete, zwischen Wien und Prag, wobei die Kaffeehauskultur seine schriftstellerische Vielseitigkeit als Erzähler, Essayist, Kritiker, Sportjournalist und Übersetzer und später auch als Zeitungsherausgeber entscheidend mitprägte.

1933 traf ihn das Publikationsverbot des Nazi-Regimes. 1938 ging er in die Emigration zuerst nach Zürich, dann nach Paris. Schließlich, nach einer Flucht über Spanien nach Portugal, wurden New York und Los Angeles (Hollywood) zu Orten längeren Exilaufenthalts, wo er als Drehbuchautor fungierte. 1951 kehrte er nach Österreich zurück. Bis zur Mitte des Jahres 1953 arbeitete er für den Wiener Kurier und den Sender Rot-Weiß-Rot.

1954 wurde die Monatszeitschrift "Forum", von ihm als "kulturpolitische Kampfschrift" bezeichnet, gegründet. Deren betont antikommunistische Linie bestimmte er viele Jahre hindurch bis 1964 als Herausgeber. In den frühen 1970er-Jahren waren ihm mit "Süßkind von Trimberg" und "Die Tante Jolesch" nochmals große literarische Erfolge beschieden. In den beiden Erzählbänden ("Die Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes in Anekdoten", 1975 und "Die Erben der Tante Jolesch", 1978) erinnert er sich pointenreich-satirisch an die versunkene Welt des jüdischen Bürgertums der Zwischenkriegszeit. Wenige Wochen vor seinem Tod (10. September) wurde ihm im September 1979 der Große Österreichische Staatspreis verliehen.

Kultur- und Sportjournalist

In Prag begann der Sportler Kantor, der sich nach seinen ersten literarischen Veröffentlichungen Torberg nannte, nach der missglückten Matura für das "Prager Tagblatt" zu schreiben. Die Kulturredaktion des Blattes leitete damals Max Brod, sein väterlicher Freund. Er hatte bereits von 1927 an einige Kurzgeschichten und Gedichte Torbergs veröffentlicht und sollte mit der Weitergabe des Manuskriptes an Zsolnay in Berlin auch den großen Erfolg von Torbergs erstem Roman "Der Schüler Gerber" einleiten.

Dass Torberg auch nach dem Erfolg dieses Romans für die Kultur- und Sportseite schrieb - neben dem "Prager Tagblatt" später auch beim "Prager Mittag" - das wollten in Prag, aber vor allem in Wien viele nicht verstehen. Geist habe ohne Muskeln, Muskeln ohne Geist auszukommen, lautete der damalige Tenor.

Für den Fußball griff Torberg immer wieder als Sportjournalist zur Feder. 1954 fuhr er in die Schweiz, um dort für den Wiener "Kurier" von der Fußball-Weltmeisterschaft zu berichten, bei der Österreichs Team mit einem dritten Platz das beste Weltmeisterschaftsergebnis aller Zeiten erreichte.

Karriere als Wasserballsportler

Bereits als Dreizehnjähriger trat Friedrich Kantor der Wiener Hakoah bei. Nicht als Mitglied der jüdischen Fußballmannschaft - die damals auf Grund ihrer Popularität einen regen Zustrom erfuhr und keine neuen Mitglieder mehr aufnahm - sondern der Schwimmsektion, die gerade erst in Aufbau begriffen war.

Torberg - Zweiter von links - als Mitglied der tschechoslowakischen Meistermannschaft Hagibor Prag im Wasserball, 1928 Wasserballer "Schani" Kantor mit Meisterschwimmerin Idy Kohn, um 1930 Verleihung des Großen Österreichischen Staatspreises für Literatur an Friedrich Torberg durch Bundeskanzler Bruno Kreisky, 1979

Friedrich Torberg über seine Identität als "Hakoahner": "Auch ich begann, da ich nun einmal Mitglied war, zu trainieren, - ohne rechte Hingabe, denn meine wahre Liebe galt dem Fußballspiel. Aber wenigstens die Anfangsgründe des Sportschwimmens habe ich von der Hakoah mitbekommen. Die Erfolge, die ich später zu verzeichnen hatte, fielen in meine Prager Jahre und in die Aufstiegszeit des dortigen Hagibor, dessen Wasserballer im Jahre 1928 als erste jüdische Mannschaft einen tschechoslowakischen Meistertitel errangen. Unser Gegner im Finale war der auch nach internationalen Begriffen sehr starke PTE, Bratislava, der ein paar ungarische geschulte Klassespieler wie Steiner, Schmuck und Krotz in seinen Reihen hatte. Wir siegten 2:0 und ich schoss beide Tore. Es war, glaube ich, der schönste Tag meines Lebens."

Die Liebe zum Hakoah-Fußball

Als Torberg mit "Süßkind von Trimberg", "Der Schüler Gerber", und "Mein ist die Rache" schriftstellerisch reüssierte, lag bereits eine außerordentlich erfolgreiche Karriere als Wasserballspieler hinter ihm. Die eigentliche Liebe Torbergs jedoch war der Fußball, besser gesagt: Der Hakoah-Fußball. Ein besonderes und ausdrucksvolles Denkmal aber setzte den Hakoah-Fußballern Friedrich Torberg mit seinem 1959 verfassten Essay "Warum ich stolz darauf bin".

Dass sich in den 1920er- und 1930er-Jahren Juden in aller Welt mit der Wiener Hakoah identifizierten, war im Besonderen ein Verdienst ihrer ersten Fußballmannschaft. Nach ihrem Aufstieg in die erste österreichische Liga (1920) wurde die Hakoah-Elf zu einem Team aufgebaut. Dieses spielte bereits unter professionellen Bedingungen, als es den Profifußball in Österreich offiziell noch gar nicht gab. Und als er 1924 kam, war die Hakoah stärker als die Profi-Konkurrenz und gewann vor der Wiener Austria ("SV Amateure") den Meistertitel.

Sportliche Erfolge

Wasserballmeister mit Hagibor Prag (1928)

Literarisches Werk

  • Der ewige Refrain (1929) - Gedichtband
  • Der Schüler Gerber (1930)
  • ... und glauben, es wäre Liebe (1932)
  • Die Mannschaft (1935)
  • Abschied (1937)
  • Mein ist die Rache (1943)
  • Hier bin ich, mein Vater (1948)
  • Die zweite Begegnung (1950)
  • Nichts leichter als das (1956)
  • Lebenslied (1958)
  • Pamphlete, Parodien, Postscripta (1964)
  • Das fünfte Rad am Thespiskarren (1966)
  • Golems Wiederkehr (1968)
  • Süßkind vom Trimberg (1972)
  • Die Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlands in Anekdoten (1975)
  • Die Erben der Tante Jolesch (1978)
  • Kaffeehaus ist überall (1982) - posthum erschienen

Auszeichnungen

  • Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst (1976)
  • Großer Österreichischer Staatspreis (1979)
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