Wien - Hauptstadt der Badekultur

von Univ.-Prof. Dr. Hubert Christian Ehalt

Alte Fotografie vom Laaerbergbad Wellenbecken mit Badegästen

Wellenbecken Ende der 1950er-Jahre

Wien ist an heißen Sommertagen nicht nur ereignisreich und cool, sondern kühl und erfrischend. Dafür sorgen 49 Bäder und das riesige Freizeitareal der Donauinsel. Das Angebot an Bädern wird von den Bürgerinnen und Bürgern mit Begeisterung angenommen. Es gibt mittlerweile auch einen Badetourismus auf die Donauinsel mit ihren vielfältigen Angeboten. An heißen Tagen kann man den Eindruck haben, die Hauptbestimmung der Wienerinnen und Wiener sei, sich der Kleidung zu entledigen, den Staub des Alltags abzustreifen und sich in schicker Badekleidung oder ohne diese in den Bädern oder an den Gestaden der Insel zu erfrischen.

"Sündhaftes" und "lebensbedrohendes" Baden

Die Suche nach den historischen Gründen für die Lust am Sonnen, Planschen, Schwimmen ergibt einen durchaus widersprüchlichen Befund. Die "Natur" war bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine gefährliche und bedrohliche, ungebärdige und anarchische Gegenwelt zur städtischen Zivilisation. Baden in freien Gewässern war im 17. Jahrhundert hierorts gesellschaftlich geächtet und gesetzlich verboten. Zahllose Erlässe, Dekrete und Verordnungen vom Bürgermeister, vom Magistrat und von anderen obrigkeitlichen Instanzen argumentieren mit Begriffen wie "sündhaft" und "sittenwidrig" (wegen der Entledigung der Kleider) oder "gefährlich" und "lebensbedrohend" (wegen der gefährlichen Naturgewalt) gegen das Baden.

Trotz der Strafandrohung beugten sich die Wienerinnen und Wiener an heißen Tagen diesen Verboten nicht immer:

Obwohlen das oeffentliche Baaden in der Donau und Wien ... zur Verhuettung aller Aergernussen ... zu unterlassen zum oefftern anbefohlen worden, ... thuet man solches Baaden ohne Scheuch aller Orthen treiben.

(Wiener Stadt- und Landesarchiv, Alte Registratur 80/1715)

Erste Bäder

Seit dem 18. Jahrhundert setzten sich, was das Baden und die Natur betrifft, die Ideen der Aufklärung durch: Schwimmen wurde als Maßnahme zur physischen Erholung, Sauberkeit, Gesundheit und Krankheitsvorsorge anerkannt.

Im Mai 1781 wurde das Ferro-Bad an einem Donauarm nahe dem Augarten eröffnet. Pascal Joseph de Ferro propagierte den Gesundheitswert kalter Bäder. Ein Bad kostete 40 Kreuzer. Das sogenannte Freybad war eines der ersten Strandbäder in Wien. Legendär war und ist bis heute das Gänsehäufel. Florian Berndl, ein Wiener Original, pachtete um 1900 das "Gänsehäufel", eine durch die Donauregulierung entstandene Insel in der Alten Donau. Dort hielten sich lebensreformerisch bewegte Nonkonformistinnen und Nonkonformisten sowie Sonnenanbeterinnen und -anbeter auf. Es wurde auch bereits nackt gebadet. 1906 übernahm die Gemeinde Wien das Areal zuerst in Pacht und dann in ihr Eigentum. Das Gänsehäufel wurde zum Lieblingsbad der Wienerinnen und Wiener. An schönen Sommertagen musste bald die "blaue Fahne" gehisst werden, Signal, dass alle Badeplätze bereits vergeben waren. Heute bietet die Bäderstadt Wien scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten, den Traum von Arkadien zu verwirklichen.

Bildergalerie

Alte Fotografie vom Gänsehäufel: Badegäste posieren vor Ben Hur-Filmplakat

Gänsehäufel beim 25-Jahr-Jubiläum im Jahr 1932

Alte Fotografie vom Gänsehäufel: Badegäste am Strand

Badestrand in den 1930er-Jahren


Alte Fotografie vom Gänsehäufel mit Badegästen

Badevergnügen in den 1930er-Jahren

Alte Fotografie vom Laaerbergbad mit Badegästen

Wellenbecken in den 1950er-Jahren

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Wiener Bäder (Magistratsabteilung 44)
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