Music Worms - Musik sichtbar machen

Bunte Kunst Illustration

Gerhard Widmer mag Musik, aber: "Der reine Notentext, mechanisch gespielt, klingt in der Regel scheußlich. Gespielte Musik besteht aus Abweichungen von und Ergänzungen zu der Notation - gerade darin liegt ihr Reiz." Friedrich Gulda spielt Beethoven anders als Glenn Gould oder Martha Argerich. Musikalische Interpretation heißt das Phänomen. Es beschäftigt Gerhard Widmer seit 1998 im Rahmen des vom Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) geförderten Projektes "Interfaces to Music (I2M)" am Österreichischen Forschungsinstitut für Artificial Intelligence.


Artificial Intelligence visualisiert Musik

Die Pianistin oder der Pianist soll künftig jedoch nicht durch Computer ersetzt werden. Gerhard Widmer will mit seinem Team herausfinden, was ausdrucksvolle Musikinterpretation ausmacht: ob es Regelmäßigkeiten und eindeutige Unterscheidungsmerkmale zwischen einzelnen Pianistinnen oder Pianisten gibt.
Computer helfen, Muster und allgemeine Prinzipien in Aufnahmen von Musikerinnen und Musikern zu entdecken und zu quantifizieren. Dabei kommen Methoden der Artificial Intelligence zum Einsatz oder werden neu entwickelt, wie zum Beispiel Computermodelle des Musikhörens, lernfähige Computerprogramme, Methoden der Mustererkennung und des Data Mining. Visualisierung macht schließlich Musik sichtbar: ein "Wurm", der sich über den Bildschirm schlängelt, lässt die Spielweise der Interpretin oder des Interpreten nicht nur hören sondern auch sehen.

Was eigentlich als Grundlagenforschung begann, hilft heute, Musik zu verstehen und ganz neue Zugänge zu ihr zu finden. Bisher konnte man nur Gemälde beliebig lang betrachten. Gelebte künstliche Intelligenz macht es nun möglich, auch das hochkomplizierte Gebilde Musik, das in der Zeit abläuft und gehört werden muss, sichtbar darzustellen. Musik kann jetzt auf neue Weise vermittelt, gelehrt und auch kreativ geformt werden – kurz, neue Formen der Interaktion mit Musik sind möglich.

Weiterführende Informationen

Illustration

Christian Gallei hat den Weg der Visualisierung von Musik noch weitergeführt: in seinem Photovisual ist der "Music Worm" wieder Teil eines Bildes geworden. So wurde es zur Illustration des Auftritts der Forschungsstadt Wien. Die Abteilung EU-Strategie und Wirtschaftsentwicklung (MA 27) zeichnet für dieses Forschungsportal verantwortlich und bietet damit eine serviceorientierte Erstanlaufstelle für alle, die mehr über Forschung in Wien wissen wollen.

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