Fahrzeuge der Zwischenkriegszeit
Um in der k.u.k. Armee die Motorisierung für den zu erwartenden Ernstfall rasch und großzügig durchführen zu können, entschloss sich die Heeresverwaltung zum "Subventionsprinzip". Von den Herstellern wurden Einheitslastwagen um 25.000 Kronen gebaut. Die privaten Käufer/innen wurden mit 10.000 Kronen subventioniert. Sie mussten dafür die Fahrzeuge für fünf Jahre in Ordnung halten und im Bedarfsfall der Armee zur Verwendung übergeben. Alle Fahrzeuge, die den Ersten
Weltkrieg unbeschadet überstanden hatten, wurden über die sogenannte Sachdemobilisierung zivilen Zwecken zugeführt.
Sub-LKW
Tenderpumpenwagen
Gasspritze "Austro Fiat AFN"
Raupenschlepper Kegresse
Universallöschwagen
Sub-LKW
Beim Sub-LKW der Feuerwehr wurde von der Feuerlöschgerätefabrik K. Rosenbauer (Linz) um 1922 ein Totalumbau durchgeführt. Das Fahrzeug bekam eine F 400 Hinteneinbaupumpe. Ein schaltbarer Nebenantrieb war schon vorhanden. Ein feuerwehrspezifischer hölzerner Aufbau wurde noch
nach den Prinzipien des Kutschen- und Holzwagenbaues teils in Spanten, teils in Modulbauweise gefertigt. Zu diesem Zeitpunkt erfolgte auch die Elektrifizierung mit Lichtmaschine, Starter und elektrischen Scheinwerfern. Dadurch wurde das Fahrzeug auf den damals neuesten Stand gebracht.
Der Motorhubraum betrug 7.480 Kubikzentimeter, die Leistung 38 PS bei 800 Umdrehungen pro Minute. Der Wagen verfügte über vier Vorwärts-, einen Retourgang und Wellenantrieb. Das Differentialgetriebe war starr im Rahmen eingebaut und vom Fahrer mittels Handhebel sperrbar. Von den außen liegenden Kettenrädern erfolgte die Kraftübertragung mit Rollenketten auf die mittels Blattfedern im Rahmen eingebaute Antriebsachse. Die Fußbremse war eine Kardanbremse. Die feststellbare Handbremse wirkte als Innenbackenbremse auf die Hinterräder. Der Radstand betrug vier Meter, die Länge 5,4 Meter und das Gesamtgewicht vier Tonnen.
Von den 1920er Jahren bis 1960 war dieses Feuerwehrfahrzeug bei mehreren Feuerwehren im Einsatz. Nach 30 Jahren Stillstand und Ruhe tauchte es um 1986 bei einem Scheunenfund wieder auf. Der Wagen gelangte in das Wiener Feuerwehrmuseums. Auch dort durfte der Sub-LKW noch 15 Jahre rasten und rosten, bis man sich zur Restaurierung und Reparatur entschloss. Im Jahre 2000 und 2001 gelang es im Rahmen einer Projektzusammenarbeit mit den Wiener Berufsschulen (15., Hütteldorferstraße) (Tischler/innen, Lackierer/innen, Tapezierer/innen, Fotograf/innen/Mediengestalter/innen) und den engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen im Wiener Feuerwehrmuseum, den heutigen optischen und fahrbereiten Topzustand zu erreichen.
Tenderpumpenwagen
Die letzten sechs elektromotorisch betriebenen Dampfspritzen kalt wurden 1922 abgestellt. Dadurch wurden die mit Kohlevorrat und Schlauchmaterial ausgerüsteten Tenderwagen entbehrlich. Nun legte man den Tender (Schläuche) mit einem Pumpenfahrzeug zur sogenannten Tenderpumpe zusammen. Zur Hilfeleistung in Niederösterreich wurden 1922 sechs Fahrzeuge - der sogenannte Fernzug - in den Dienst gestellt. Dieser Zug bestand aus einem Rüstwagen (Austro-Daimler 36 PS), einem Pumpenwagen, einem Offizierswagen (Austro-Daimler 60 PS), einem Mannschaftswagen (Austro-Daimler 35 PS), einem Pumpentender und einem Beiwagen (Austro-Daimler DF 4, 20 PS).
Fernzug-Einsätze
Am 25. Mai 1922 Jahres wurde der erste Fernzug das erste Mal dringend benötigt. An diesem Tage waren bereits vier Fahrzeuge der Wiener Feuerwehr zu einem Einsatz nach Schwechat gerufen worden. Um 15.35 Uhr gab der Bürgermeister der Feuerwehr den Auftrag, zur Sprengmittelfabrik nach Blumau im Steinfeld zu fahren. Bei diesem Einsatz handelte es sich um eine Pulverexplosionskatastrophe. Den freiwilligen Feuerwehren der Umgebung gelang es nicht mehr die Verbreitung des Brandes zu verhindern, geschweige denn, den Brand zu löschen. Mit Hilfe des Fernzuges der Wiener Berufsfeuerwehr gelang es rasch den Brand zu lokalisieren, die Ausbreitung zu stoppen und das Feuer zu löschen.
Dieser und zahlreiche andere Einsätze führten 1924 bereits zum Ankauf eines zweiten Fernzuges. Dieser bestand aus sieben Fahrzeugen und wurde auf der Hauptfeuerwache Mariahilf in den Dienst gestellt.
Die Indienststellung der ersten benzinautomobilen Schiebeleiter erfolgte 1923.
Pumpenwagen Austro-Fiat AFNP
Der erste Pumpenwagen mit Vorbaupumpe wurde 1925 als Tenderpumpe vom Typ Austro-Fiat AFNP, 36 PS in den Dienst gestellt. Diese Fahrzeuge wurden in den nächsten Jahren mit den stärkeren 50-PS-Motoren als AFN/39 mit einer Vorbaupumpe in den Dienst genommen. Diese Vorbaupumpe lieferte 1.000 Liter pro Minute bei zehn atü. Dieser Fahrzeugtyp brachte speziell in der leistungsfähigeren Ausführung der Nachfolgemodelle viele Vorteile mit sich. Vor allem war er dazu bestimmt, zwei andere Fahrzeugtypen - die Autospritze (Pumpenwagen) und den Rüstwagen - zu ersetzen. Dies war durch die Vereinigung der Ausrüstung dieser Fahrzeuge auf dem Tenderpumpenwagen möglich. Die Länge betrug 6,25 Meter, die Breite 1,83 Meter und die Höhe mit Leitergerüst 2,64 Meter, das Eigengewicht zirka 3.000 Kilogramm.
Von insgesamt elf Stück kehrten sechs Tenderpumpen im Herbst 1945 wieder zur Berufsfeuerwehr Wien zurück. Je eine Pumpe wurde 1951 an die Freiwillige Feuerwehr (FF) Schwechat, Himberg und Gerasdorf übergeben. Das im Wiener Feuerwehrmuseum stehende Fahrzeug leistete von 1925 bis 1950 Dienst bei der Berufsfeuerwehr Wien, und von 1951 bis 1964 Dienst bei der FF Gerasdorf. Die Rückführung erfolgte 1964.
Gasspritze "Austro Fiat AFN"
Die Gasspritze "Austro Fiat AFN" ist die erste Gasspritze mit Benzinmotor. Der Aufbau erfolgte 1926 durch die Firma K. Rosenbauer (Linz). Sie wurde von 1927 bis 1948 bei der Berufsfeuerwehr Wien, von 1949 bis 1953 bei der Freiwilligen Feuerwehr (FF) Weidlingau und von 1954 bis 1963 bei der FF Hagenbrunn eingesetzt. Das Wiener Feuerwehrmuseum übernahm die Gasspritze 1964 als Wrack. In den Jahren 1972 bis
1975 erfolgte die Reparatur und Restaurierung.
Raupenschlepper Kegresse
Im Jahr 1931 wurden zwei Citroen, C6 Raupenschlepper als Löschwagen Type II in den Dienst genommen. Die Fahrzeuge wurden in den Citroen-Werken (Paris) hergestellt. Der feuerwehrtechnische Aufbau erfolgte bei der Firma K. Rosenbauer (Linz). Der Raupenschlepper verfügte über einen Raupenantrieb System Kegresse, einen Sechs-Zylinder-Benzinmotor 45 PS und ein Fahrgestell von einer Tonne. Das Gesamtgewicht betrug 3.500 Kilogramm. Die Motorspritzen ohne Wassertank waren mit einer Tragkraftspritze (400 Litern pro Minute, 10 atü) ausgerüstet. Ein 500 Liter Wasseranhänger konnte mitgeführt werden. Im Winter wurde ein Keilschneepflug montiert.
1933 wurden drei weitere Citroen-Kegresse-Schlepper mit Vier-Zylinder-Benzinmotoren 30 PS und einem Gesamtgewicht von 2.970 Kilogramm als Wasserwagen in den Dienst gestellt. Als Wassertank wurden die 600 Liter Tanks der abgerüsteten Gasspritzen eingebaut. Der Umbau zu feuerwehrtauglichen Geräten erfolgte in den eigenen Werkstätten der Hauptfeuerwache Döbling.
Obwohl zwei Raupenlöschwagen Typ II als Museumsfahrzeuge auf der Feuerwache Steinhof eingestellt waren, wurden sie zwischen 1950 und 1960 verschrottet.
Universallöschwagen
Die ersten geländegängigen Universallöschwagen "Austro-Daimler ADG" 60 PS kamen 1936.
Sie verfügten über einen 600 Liter Wasserkessel in Verbindung mit der vor dem Kühler eingebauten Hochdruck-Zentrifugalpumpe (800 Liter pro Minute bei 20 atü). In die Pumpe war ein Schauminjektor eingebaut. Die beiden angetriebenen Hinterachsen hingen an voneinander unabhängigen Schwingachsen und erlaubten so eine enorme Geländegängigkeit.
© Fotos: MA 68
Berufsfeuerwehr der Stadt Wien (Magistratsabteilung 68)
Kontaktformular
