Die acht Dörfer des 23. Bezirks

Umriss des 23. Bezirkes, Karte der acht Bezirksteile

Während der NS-Zeit wurde am 1. Oktober 1938 "Groß-Wien" geschaffen. Aus 97 niederösterreichischen Gemeinden wurden der 23. Bezirk Schwechat, der 24. Bezirk Mödling, der 25. Bezirk Liesing und der 26. Bezirk Klosterneuburg gebildet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 80 der 1938 eingemeindeten Gemeinden an Niederösterreich rückgegliedert. Die 17 nicht an Niederösterreich rückgegliederten Gemeinden verteilen sich auf die heutigen Bezirke Donaustadt und Liesing. (Quelle: Wiener Stadt- und Landesarchiv)


Atzgersdorf

Alte Ansicht aus Liesing um 1902

Blick von der Brunnerstraße in die Meysgeiergasse um 1902

Der Name Atzgersdorf leitet sich laut Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Opll, Direktor des Wiener Stadt- und Landesarchivs und Dozent für mittelalterliche Geschichte und historische Hilfswissenschaften an der Universität Wien, vermutlich von dem Personennamen Atzichi her. Im Jahre 1171 wird ein Luitwin de Azilinesdorf genannt. Das gilt als die erste urkundliche Erwähnung des Ortes.

Atzgersdorf liegt beiderseits des Flusses Liesing. Flussaufwärts befindet sich der gleichnamige Wiener Bezirksteil Liesing. Flussabwärts liegen die Bezirksteile Erlaa und Inzersdorf. Im Ort mündete der aus Mauer kommende Knotzenbach in die Liesing. Dieser fließt heute großteils unterirdisch und ist daher nur mehr in der Nähe seiner Quelle beim Maurer Wald sichtbar.


Erlaa

Alte Ansicht einer Straße mit einstöckigen Häsuern um 1898

Erlaaer Straße Richtung Atzgersdorf um 1898

Wie bei allen anderen Orten des Bezirkes ist die Frühzeit von Erlaa kaum mehr zu rekonstruieren. Die Frage, wann der Ort zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde, ist für Historikerinnen und Historiker schwierig zu beantworten, weil es mehrere gleichnamige Ortschaften in Niederösterreich gibt. Heute gilt die Erwähnung des Heinrich von Erila in einer Klosterneuburger Traditionsnotiz aus 1114 als ältester Beleg für Erlaa. Diese Niederschrift beurkundete eine Schenkung an das Augustiner Chorherrenstift.

Erlaa liegt beiderseits der Liesing. Flussaufwärts befindet sich der Wiener Bezirksteil Atzgersdorf, flussabwärts der Wiener Bezirksteil Inzersdorf. Der Ort wuchs nur langsam und wurde vor allem durch die Landwirtschaft stark geprägt. Im Jahre 1831 zählte Erlaa nur 465 Einwohnerinnen und Einwohner. Heute hat sich Erlaa zunehmend verstädtert.


Inzersdorf

Alte Fotografie der Feldgasse um 1910

Ehemalige Feldgasse (Oberlaaerstraße) um 1910

Inzersdorf liegt beiderseits der Liesing südlich des Wienerberges. Flussaufwärts befinden sich die Bezirksteile Atzgersdorf und Erlaa, flussabwärts der Bezirksteil Rothneusiedl, der schon zum 10. Bezirk (Favoriten) gehört.

Inzersdorf liegt in einem flachen Schwemmland, wo sich große Mengen Tegel und Ton ablagerten. Sie waren ein wichtiger Rohstoff für die Ziegelwerke und die aufkommende Baustoffindustrie. Noch heute zeugen Badeseen wie der Steinsee oder der Schloßsee von dieser Vergangenheit. Die Abbaugruben ehemaliger Ziegelfabriken wurden als Erholungsgebiete erschlossen.


Kalksburg

Alte Postkartenansicht über der Breitenfurter Straße Richtung Rodaun

Schwibbogen über der Breitenfurter Straße Richtung Rodaun um 1898

Kalksburg liegt im Liesingbachtal am Rand des südlichen Wienerwaldes. Der Name leitet sich von Chalbsperger ab. Die Ortschaft wurde auch Kalbsberg, Kalksdorf und Kadoltsperg genannt. 1188 kam Kalksburg an die Babenberger. Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts war Kalksburg mit Mauer in einer Herrschaft vereinigt. 1609 bis 1773 gehörte der Ort zur Grundherrschaft der Jesuiten, 1790 verkaufte ihn die Staatsgüteradministration an Hofjuwelier Franz von Mack. Er wurde zum bedeutendsten Wohltäter des Ortes.

Sehenswert ist das Kollegium Kalksburg. 1856 als Jesuitenkonvikt gegründet und als "Oxford der alten Monarchie" bezeichnet, beheimatet es heute ein Gymnasium der Jesuiten.


Liesing

Alte Ansicht des mehrstöckigen Versorgungsheims in der Perchtoldsdorfer Straße um 1903

Ehemaliges Versorgungshaus (heute Pflegeheim der Stadt Wien) in der Perchtoldsdorfer Straße um 1903

Liesing liegt beiderseits des gleichnamigen Flusses an der südlichen Stadtgrenze zu Perchtoldsdorf. Flussaufwärts befindet sich der Wiener Bezirksteil Rodaun, flussabwärts der Wiener Bezirksteil Atzgersdorf.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes wird meist auf das Jahr 1002 datiert. In diesem Jahr wurde der Fluss Liesing als Liezniccha erwähnt. Dieser Name leitet sich aus dem slawischen Lieznicka ab und bedeutet Waldbach. Der Ort selbst entstand vermutlich um diese Zeit. Er wurde während der ersten und der zweiten Türkenbelagerung Wiens schwer zerstört und musste neu besiedelt werden. In der Folgezeit entwickelte sich Liesing zu einem der bedeutensten Orte am Fluss.

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war die Ortschaft weitgehend landwirtschaftlich geprägt. Mit der Industrialisierung kam für Liesing der große wirtschaftliche Aufschwung. Im Jahr 1838 siedelte sich zum Beispiel die Brauerei Liesing im Ort an.


Mauer

Alte Ansicht des Maurer Hauptplatzes mit Brunnen und Kirche

Hauptplatz von Mauer um 1900

Der Beginn der Ortschaft Mauer liegt im Mittelalter. Hier wurden die ältesten Spuren der Besiedlung des 23. Bezirks gefunden. Der tatsächliche Anfang ist zunächst durch die Existenz zweier Bezeichnungen etwas verschleiert. Schon am Ende des 12. Jahrhunderts ist der Name Gereut erstmals überliefert, der bis ins 15. Jahrhundert verwendet wurde. Der Name Mauer läßt sich im Jahre 1210 zum ersten Mal bezeugen. Noch im 15. Jahrhundert ist von zwei Dörfern "in der Maur" die Rede. Der heutige Name wurde wahrscheinlich nach 1529 verwendet. Unter Umständen lässt sich der Ortsname Mauer mit der Existenz alter, vielleicht römischer, Mauerreste am Ort erklären.

Der heutige Heurigen- und Villenort am Rand des Wienerwalds gehört zu den gehobeneren Wohngegenden Wiens. In Mauer befinden sich die traditionsreichen Rosenhügel-Filmstudios.


Rodaun

Alte Ansicht des zweigschossigen Schulgebäudes, Bäume

Schulhaus in der Ketzergasse/Ecke Hochstraße um 1898

Rodaun liegt am Eintritt der Liesing aus dem Wienerwald in das Wiener Becken auf einer Höhe von 266 Metern. Teilweise wird Weinbau betrieben.

An einer wichtigen Stelle der alten Route von Wien über Hietzing, Mauer und Kalksburg nach Perchtoldsdorf, Mödling und Baden gelegen, wurde es vermutlich schon vor 800 erstmals dauerhaft besiedelt. Archäologische Funde konnten sich allerdings bislang nicht aufdecken lassen. Der Name der um 1170 erstmals genannten Siedlung ist slawischen Ursprungs.

Mehrfache Nennungen Rodauns gegen Ende des zwölften Jahrhunderts beziehen sich auf eine offensichtlich babenbergische Ministerialenfamilie und damit auf die Burg. Die Burg selbst ist 1405 erstmals urkundlich bezeugt. Anlässlich des dritten Kreuzzuges und der Abreise des babenbergischen Herzogs Leopold V. im August 1190 wird berichtet, dass sich in seinem Gefolge einer der "Brüder von Radun" befand.


Siebenhirten

Alt Ansicht eines zweigeschossigen Häuserbblocks in der Ketzergasse/Ecke Bernhard-Billes-Gasse

Ketzergasse/Ecke Bernhard-Billes-Gasse

Der Ortsname Siebenhirten leitet sich von Subinhirten ab. Die erste urkundliche Erwähnung ist zwischen 1140 und 1150 dokumentiert. Im Jahr 1559 wurde der Ort mit der Herrschaft Rodaun vereinigt und erst 1848 wieder eine eigenständige Gemeinde. Die Haupterwerbsquelle zu dieser Zeit war für meisten Einwohnerinnen und Einwohner der Getreideanbau. Der Weinbau spielte nur eine kleine Rolle.

Im Jahre 1783 kam es zur Gründung einer eigenen Pfarre, die jedoch bereits 1796 wieder aufgehoben wurde. Ein Jahr später, 1797, wurde die erste Schule in Siebenhirten eröffnet. Im 19. Jahrhundert kam es zur Ansiedlung einiger Fabriken. Der Großteil der Bevölkerung arbeitete weiterhin in der Landwirtschaft.


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