Nordwestbahnhof wird bis 2025 ein neuer Stadtteil

Der Nordwestbahnhof im 20. Bezirk mit seiner hervorragenden Lage zu Innenstadt, Augarten und rechtem Donauufer wird derzeit noch als Frachtenbahnhof genutzt. Bis 2025 soll auf dem Areal ein neuer Stadtteil entstehen, der alle Qualitäten des innerstädtischen Wohnens und Arbeitens mit höchstem Freizeit- und Erholungswert vereint. Herzstück des Stadtviertels ist eine Grüne Mitte, ein multifunktionaler zentraler Freiraum.

Luftbild des Norwestbahnhofgeländes: Geplante Bebauung zwischen Donau, Prater und Augarten mit großer Grünfläche als Zentrum

Das Leitbild für den neuen Stadtteil steht unter dem Grundsatz "Stadt muss leben".


Neuer Güterterminal künftig in Inzersdorf

Derzeit werden auf dem Nordwestbahnhofareal noch Güterverkehrsvolumen abgewickelt. Sie und die damit verbundenen Logistikfunktionen sind ein bedeutender Faktor des Wirtschaftsstandortes Wien. Sie sollen nicht aufgegeben, sondern zum Güterterminal Inzersdorf verlagert werden. Der Ausbau des Terminals Inzersdorf ist somit die Voraussetzung für die Umnutzung des Nordwestbahnhofes. Zugleich müssen die Erlöse aus der Verwertung des Areals einen Beitrag zur Finanzierung des neuen Standortes leisten.

Grundsätze und Ziele des Leitbildes

Bertram Ernst, Hannes Derfler, Rudi Schicker und Claus Stadler mit einem Model des neuen Stadtteils

Architekt Bertram Ernst, BV Hannes Derfler, Stadtrat DI Rudi Schicker und DI Claus Stadler (ÖBB-Immobilien) präsentierten Ende August 2009 die Leitideen für den Nordwestbahnhof.

Das mittlerweile vorliegende Leitbild bildet den Grundstein für die weiteren Planungen im Gebiet. Federführend bei den Planungen ist die Stadtteilplanung und Flächennutzung Innen-West (MA 21A). Im Leitbild "Stadt muss leben" werden allgemeine Ziele formuliert. Konkret widmet sich das Leitbild den Themen städtebauliche Struktur, künftige Bebauung, Grün- und Freiraum, öffentlicher Raum und Verkehr. Es beinhaltet auch Aussagen zur Umsetzung und Wirtschaftlichkeit des Projekts. Die formulierten Grundsätze und Ziele werden im Zuge des weiteren Planungs- und Umsetzungsprozesses laufend überprüft und weiterentwickelt.

"Die Realisierung wird sich über mehr als ein Jahrzehnt erstrecken. Das Leitbild muss deshalb flexibel und robust genug sein, um auf geänderte Vorgaben, Bedürfnisse oder Anforderungen reagieren zu können", so Stadtrat Rudi Schicker anlässlich der Präsentation des Leitbildes Ende August 2009. Bezirksvorsteher Hannes Derfler ergänzte: "Auch wenn es sich hier um eine mittel- bis langfristige Realisierung handelt, so ist eine Auseinandersetzung mit dem Thema bereits heute mehr als sinnvoll. Der bisherige Planungsprozess war von einer unglaublich positiven und harmonischen Stimmung geprägt."

Erholungsraum "Grüne Mitte"

Visualisierung des grünen Zentrums des Nordwestbahnhofgeländes: Bäume, Schatten, Kieswege, Liegewiesen, im Hintergrund Gebäude

"Grüne Mitte" als Zentrum des neuen Viertels

Das neue Viertel soll alle Bedürfnisse rund um Arbeiten und Wohnen wie Kultur, Bildung, Architektur und Einzelhandel befriedigen. Darüber hinaus sollen Erholung und Freiraum im Herzen der Stadt auf höchstem Niveau angeboten werden. Durch das gesamte Stadtviertel soll sich die "Grüne Mitte", ein großzügiger Grün- und Freiraum, ziehen. Sie wird Arbeiten und Wohnen, Einkaufen und Erholen, Sport und Kultur, soziale Kontakte und zeitgemäßes Design vernetzen.


Flexibilität und Wirtschaftlichkeit

Das Leitbild schafft größtmögliche Flexibilität. Es sollen "so viele Festlegungen wie nötig und so wenige wie möglich" gemacht werden. Regeln sichern die grundsätzliche Qualität des Leitbilds (großzügige Freiräume, klare Adressbildung, vielfältige Nutzungsmischung) und geben ihm eine starke Robustheit. Innerhalb dieser Regeln besteht größtmögliche Freiheit.

Visualisierung der Pläne für das Nordwestbahnhofgelände: niedere und hohe Gebäude gruppieren sich um langgestreckte Grünfläche im Zentrum

Flexible Rahmenbedingungen für die Bebauung ermöglichen ein lebendiges Stadtbild.

Unterschiedliche Investoren können vielfältigste Architektur in unterschiedlichen Nutzungsmischungen umsetzen. Dies sichert ein vielfältiges und lebendiges Stadtbild. Auf der Ebene der Bebauung und Nutzung werden nur wenige Regeln festgeschrieben: Die Bau- und Straßenfluchtlinien werden rechtlich gesichert. Für die Höhenentwicklung und die Bebauung der Baufelder wird ein Spielraum definiert, innerhalb dessen eine große Vielfalt möglich ist. Wohnen ist in fast allen Baufeldern präsent, ausgenommen sind Sonderbaufelder. Auch im Erdgeschoß entlang der Park-Esplanade wird nicht gewohnt. Ansonsten können die Nutzungen innerhalb des formulierten Rahmens jeweils projektabhängig behandelt werden. Das Konzept sieht eine Entwicklung in Etappen, sogar eines Wachstums in Baufeldern vor. Ein Baufeld kann von einem einzigen größeren Investor oder durch einige Kleininvestoren (bis hin zu Eigentümergemeinschaften) bebaut werden. So wird Vielfalt ermöglicht und das einzelne Investmentrisiko minimiert.

Nächsten Planungsschritte

Die nächsten Planungsschritte erfolgen auf Basis des Leitbilds. Es werden Studien für einzelne Baufelder und Detailkonzepte für die Themenfelder Freiraum und Verkehr erstellt. Der Entwicklungsrahmen wird durch Flächenwidmungs- und Bebauungspläne rechtlich verbindlich festgelegt. Für Schlüsselbereiche werden Wettbewerbe durchgeführt. Der für das Leitbild gewählte interdisziplinäre Planungsansatz ist Vorbild für alle weiteren Schritte. Die im Leitbild formulierten Qualitäten sind Maßstab und Vorgabe für die weitere Bearbeitung. Sie sollen in künftige Ausschreibungen und Wettbewerbe einfließen. Beispielsweise kann die Verankerung der sozialen Qualitäten durch Zieldefinitionen für folgende Bereiche erfolgen: Nutzbarkeit halböffentlicher Freiflächen (ausreichende Besonnung beziehungsweise Beschattung und ausreichend große Kinderspielplätze und soziale Infrastruktur) oder räumliche Vernetzung des Gebiets (Schaffung von Durchgängen und Durchlässen entsprechend der Wunschgehlinien).

Sicherung der Qualitäten

Die Steuerung des weiteren Prozesses und die Sicherung der im Leitbild festgeschriebenen Qualitäten soll durch ein Gebietsmanagement erfolgen, das sich über den gesamten Entwicklungszeitraum erstreckt (etwa eine Entwicklungsgesellschaft). Einige der Zielvorstellungen des Leitbildes können durch das Instrument Flächenwidmung nicht oder nur ungenügend sichergestellt werden. Darunter fällt etwa die Bildung von Innenhöfen, die von den Bewohnerinnen und Bewohnern gemeinsam genutzt werden können, bei mehreren Grundstückseigentümern. Auch Gemeinschaftsgaragen sind durch die Flächenwidmung nur bedingt zu forcieren. Im Zuge zukünftiger Eigentumsübertragungen ist daher eine gemeinsame Vorgangsweise zu finden, die diese Punkte berücksichtigt.

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