Brigittenau im Zweiten Weltkrieg

Synagoge in der Kluckygasse

Die ehemalige Synagoge in der Kluckygasse wurde von Nazis zerstört.

Jüdischer Alltag

Der "Brigittenauer Israelitische Tempelverein" wurde bereits 1873 gegründet. Die steigende Zahl jüdischer Bezirksbewohnerinnen und Bezirksbewohner bewirkte, dass sich der Verein um die Errichtung eines eigenen großen Tempels für die Brigittenau bemühte.

In der Kluckygasse 11 wurde 1898 die Synagoge nach den Plänen des Architekten Jakob Gartner errichtet. Rasch wurde das Gebäude zum Zentrum des religiösen Lebens. Von 1907 bis 1938 wurden über 2.000 Eheschließungen vorgenommen.

Bis 1938 war die Begegnung mit jüdischen Menschen und ihrer Infrastruktur Alltag im Bezirksleben. Christlicher und jüdischer Lebensrhythmus prägten die Brigittenau nebeneinander.


Verhetzung und Verfolgung

Vier Männer in Uniform

Nazis am Höchstädtplatz

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich die Situation dramatisch. Aus Nachbarn wurden Juden. Geschäfte wurden beschmiert, jüdische Kinder durften nicht mehr in die Schule gehen, die Menschen hatten Angst.

In den ehemaligen Klassenzimmern der Karajangasse wurde ein Anhaltelager, das "Notarrest" genannt wurde, eingerichtet. Hunderte Juden wurden verhaftet, auf engstem Raum eingesperrt und brutal behandelt. Schon im April gingen von dort die ersten Transporte nach Dachau.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, der sogenannten "Reichskristallnacht" wurden sämtliche Bethäuser und Synagogen zerstört. Zahlreiche jüdische Geschäfte wurden ausgeraubt und demoliert. Alle noch bestehenden Geschäfte wurden geschlossen und jüdische Wohnungen wurden beschlagnahmt. Die Synagoge in der Kluckygasse wurde völlig vernichtet und der Tempelschatz vermutlich geraubt.

Karikaturen und Beschmierungen auf einer Geschäftsfassade

Beschmierungen auf jüdischen Geschäften

Menschen vor einem Geschäft mit Karikaturen und Beschmierungen

Die jüdische Bevölkerung wurde in Angst versetzt.


Wer konnte, floh ins Ausland. Vielen war die Möglichkeit nicht gegeben. Sie wurden umgesiedelt, deportiert und im Konzentrationslager ermordet.

1938 lebten 15.000 Juden in der Brigittenau, 1939 waren es nur noch 4.364 und zu Kriegsende waren davon noch 36 übrig. Vor dem "Anschluss" befanden sich 33.000 jüdische Betriebe in Wien. 28.000 davon wurden aufgelöst, die restlichen 5.000 an parteitreue "Ariseure" verteilt. Ebenso wurden 70.000 jüdische Wohnungen gestohlen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten die überlebenden Juden, viele davon vergeblich, ihr geraubtes Vermögen zurück zu erhalten.

Erst Jahrzehnte später und sehr zögerlich begann die Aufarbeitung dieser Zeit. Diese Phase ist bis heute nicht vollständig abgeschlossen.

Bombenschäden

Am 17. März 1944 erfolgte der erste Luftangriff auf Wien. Die ersten Bomben in der Brigittenau fielen am 16. Juli 1944 am Brigittaplatz und zerstörten das Amtshaus. Durch die vielen Fabriken und den riesigen Bahnhof war die Brigittenau ein häufiges Ziel der alliierten Bomberverbände.

Dabei wurden allerdings auch viele Wohnhausanlagen getroffen:

  • 13. März 1945: schwere Beschädigungen in der Pappenheimgasse und 20 Tote in der Raffaelgasse 30
  • 22. März 1945: Brigittakirche und Pfarrhof wurden schwer getroffen
  • 25. März 1945: Tote in der Burghartgasse; die Lage wurde immer schlimmer
Halb eingestürztes Haus

Bombenschaden in der Raffaelgasse

Bombenschäden am Engelsplatz

Zerstörte Flak am Engelsplatz, 1945


Die Rote Armee rückte unaufhaltsam näher und die Hauptkampflinie kam immer näher an die Donau heran. In der Nacht vom 13. auf den 14. April setze sich die zweite SS-Panzerdivision über die Floridsdorfer Brücke nach Norden ab und sprengte die Brücke nach Verlassen. Ebenso zerstört wurden die Nordbahn- sowie die Nordwestbahn-Brücke. Der Grundstein für die Kirche am Allerheiligenplatz wurde 1905 gelegt. Sie war 40 Meter lang und maß im Querschiff 20 Meter. Bei den Bombenabwürfen in den Jahren 1944 und 1945 wurde die Kirche so stark beschädigt, dass sie nicht wieder aufgebaut werden konnte.

Mann vor halb eingestürzten Häusern

Zerbombte Wohnviertel in der Brigittenau

Bezirksplan mit roten Markierungen

Karte der Brigittenau mit verzeichneten Bombentreffern


Das Ausmaß der Zerstörung war enorm. 1945 gab es in der Brigittenau 804 zerstörte Wohnobjekte sowie 145 Fabrikanlagen und 59 weitere Gebäude, die nicht mehr benutzbar waren. Die jüdische Bevölkerung war "verschwunden" und überall war Schutt, der von der Bevölkerung mühsam wieder entfernt werden musste.

Der letzte verbliebene Donauübergang war die Reichsbrücke, die bis 1955 "Brücke der Roten Armee" hieß. Russische Pioniere setzten die Floridsdorfer Brücke wieder instand und übergaben sie bereits im Mai 1946 unter dem Namen "Malinovsky-Brücke" dem Verkehr.

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